"Worin steckt das wahre Glück?"
14.08.2014

"Worin steckt das wahre Glück?"

Kinostart: "Hectors Reise“

Der Londoner Psychiater Hector (Simon Pegg) ist am Ende seiner therapeutischen Fähigkeiten: Seine Patienten werden einfach nicht glücklich. Daher begibt er sich auf Reise und spürt bei Menschen und Kulturen auf der ganzen Welt die Frage auf: worin steckt das wahre Glück?

Jeden Tag sitzt Hector in seinem Sessel in seinem Londoner Büro und versucht seinen Patienten zu helfen, ihnen zuzuhören und ihnen die richtigen Gegenfragen zu stellen. Sie kommen mit ihren vergleichbar kleinen Problemchen zu ihm. Jeden Tag. Er wird von Tag zu Tag unzufriedener. Eines Tages kann er die Probleme nicht mehr ernst nehmen. Er rastet aus und merkt: er kann ihnen nicht mehr helfen.

Seine Freundin Clara arbeitet währenddessen erfolgreich in einer Marketingabteilung. Bei einem Abendessen teilt ihr Hector mit: „Ich muss eine Reise machen.“ Clara ist überrumpelt und überrascht, doch sie gibt Hector ihre Einwilligung.

Flugs sind die Koffer gepackt. Im beigen Safari-Outfit steigt Hector alleine ins Flugzeug nach Hong Kong. Im Flugzeug trifft er Edouard, ein reichen, aber gestressten Investmentbanker – immer auf der Jagd nach der nächsten Millionen. Er bietet Hector an, ihn in der Stadt herumzuführen. Es beginnt ein abenteuerlicher Trip durch das Stadt- und Nachtleben Hong Kongs mit Begegnungen, bei denen Hector die Kontrolle zu verlieren scheint.

Er umreist die ganze Welt mit Stationen in Asien, Afrika und Amerika. Er erlebt Leid und Tod sowie Freue, Familie, Liebe. Immer dabei: sein Notizbuch, in das er über die Reise verteilt insgesamt 23 Botschaften über das Glück und das gute Leben schreibt

Der Film des britischen Regisseurs Peter Chelsom basiert auf dem gleichnamigen Bestsellers von Francois Lelord aus dem Jahr 2002. Einige Abweichungen sind zu vermerken: etwa wohnen Hector und seine Freundin Clara in London statt in Paris. Des weiteren ist das Drehbuch kürzer.

Wer das Buch gelesen hat, mag kaum glauben, dass man es in einen Film umwandeln kann. Doch es gelingt dem Regisseur besonders aufgrund der Besetzung der Hauptrolle durch Comedian Simon Pegg (Star Trek, Shuan of the Dead). Er spielt so selbstverständlich und überzeugend den feinfühligen und abenteuerlustigen Psychiater, dass man Hector einfach lieben muss. In „The World's End“ stand Simon Pegg bereits mit Rosamund Pike vor der Kamera. Sie passt im Film wunderbar in die Rolle von Hectors Freundin Clara.

Der Film „Hectors Reise“ besticht durch seine lebhaften, vielfältigen Aufnahmen im Stil eines Dokumentarfilms. Dazu kommt Musik aus allen Ländern. Die Weltreise Hectors vergeht wie im Fluge, weil sie von vorne bis hinten spannend ist und immer Neues, Überraschendes passiert. Auch für jene, die das Buch gelesen haben, lohnt es sich durchaus, die filmerische Interpretation kennen zu lernen.

Doch das Betörendste: der Film regt seine Zuschauer dazu an, auf das Wesentliche im Leben zu schauen. Automatisch reflektiert man bei Hectors Erlebnissen seine eigene Wahrnehmung und hinterfragt, wieso man manchmal nicht glücklich ist, obwohl es viele Gründe dafür gibt. Hectors Erkenntnisse sind kein Hexenwerk, sondern einfache Botschaften der Nächstenliebe und Bescheidenheit, wie sie etwa Jesus Christus vermittelt.

In der Bibel wird das Glück selten konkret angesprochen. Dennoch spielt es laut dem Theologen Jörg Lauster eine große Rolle, etwa in den Geschichten des Alten Testaments: das eigene Leben wird darin mit allen glücklichen und schwierigen Tagen gedeutet als Gabe Gottes. „Glück ist damit immer Ausdruck einer erfüllten Gottesbeziehung, und der Lebensgewinn der Religion gestaltet sich konkret als Lebensmut und Gottvertrauen“, schreibt Lauster.

Wenige Filme schaffen es, das grundlegende Lebensthema Glück in eineinhalb Stunden so zu verdichten, dass es aufrüttelt und dazu anregt, sein eigenes Verhalten zu überdenken. Worüber regt man sich eigentlich täglich auf? Ist es wert, sich wegen Kleinigkeiten in Stress zu versetzen? Wieso ist man eigentlich manchmal nicht glücklich, bei alledem, was man hat? Nach einer langen Reise und vielen Erlebnissen bleibt mit Hector eine einfache Erkenntnis übrig: das Glück liegt im Kleinen und am meisten in der Liebe.

Seit Donnerstag, 14. August 2014, in den deutschen Kinos. Freigegeben ab 12 Jahren.

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