Krieger des Lichts

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Kino: Lux - Krieger des Lichts

„Ich weiß auch nicht, was es ist, Held zu sein“

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Von Caroline von Eichhorn

Heldentum mal anders. In „Lux – Krieger des Lichts“ verkleidet sich ein schüchterner Berliner als Superheld – sein Talent entdeckt eine Produktionsfirma.

Torsten hat keine Superkräfte. Er verteilt Zip-Tüten mit Wasser und Brotzeit an Obdachlose. Er organisiert in der Nachbarschaft eine Demo gegen einen Immobilien-Hai in der Nachbarschaft. Das ist sein Heldentum, als „Lux – Krieger des Lichts“.

Passend dazu kleidet er sich: Motorrad-Handschuhe, Lederjacke und eine schwarze Maske, wie bei Batman. Seit der KITA hat Torsten einen Superheldenspleen, erzählt seine Mutter. Schon damals habe er seinen Schnuller geteilt, wie St. Martin. „Ich glaube das steckt in uns allen drinnen“, sagt Torsten.

Die Komödie „Lux – Krieger des Lichts“ zeigt einen Helden mal anders. Im Mittelpunkt steht einer, der nichts besonderes kann, der nicht besonders gut aussieht, der sogar auf den ersten Blick wie eine Lachnummer wirkt - doch der überzeugt anderen Menschen hilft, Nächstenliebe lebt. „Es ist wichtig, dass man nicht an sich denkt, sondern an andere. Dafür braucht man keine Superkräfte“, sagt er.

Der Krieger des Lichts

»Ein außergewöhnlich gut gelungener deutscher Film, der das Thema Heldentum konterkariert und auf irrwitzige und tieftraurige Weise unsere medialisierte Gegenwart auf die Schippe nimmt.«

Caroline von Eichhorn
YOUPAX-Autorin

In einer Gesellschaft, in der die meisten Leute an sich selbst denken, fällt er auf. Eine Produktionsfirma entdeckt ihn. Die Produzenten versprechen ihm, dass er mit ihrer Hilfe noch viel mehr Gutes tun kann, sie wollen ihn groß rausbringen. Schnell ist Torsten stadtbekannt. Doch die Heldentaten sind bald nicht mehr spektakulär genug.

Niemand anderes könnte den Charakter Torsten besser darstellen als der großartige, seltsame Franz Rogowski. Der gebürtige Freiburger spielte bereits in Hanekes "Happy End" (2017), in Stahlbergs "Fikkefuchs" (2017) und in Schippers „Viktoria“ (2015). Sein Lispeln, seine Hasenscharte, die zarte Stimme – das passt perfekt zum unperfekten Torsten, der seine Rolle als Superheld sehr ernst nimmt.

Es ist der erste Langfilm von Nachwuchsregisseur Daniel Wild, der auch das Drehbuch selbst geschrieben hat. Wild stammt aus Mainz. Nach zweijährigem Exkurs an einer Schule für Clowns studierte er zwischenzeitlich Philosophie- und Literatur an der Berliner Humboldt Universität. 2010 erhielt er sein Diplom an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.

Wie ist man heutzutage wirklich besonders?

Für Wild geht es in seinem Film weniger um Helden, sondern um die Lebensrealität von uns allen. „Die Frage nach dem Sinn und der eigenen Positionierung im Leben sind zentrale Punkte in einer Gesellschaft, in der das Übermaß an Selbstverwirklichungsmöglichkeiten zu einer Überforderung des Einzelnen führen kann“, schreibt er in seiner „Director’s Note“. „Gerade über die Medien werden wir ständig mit außergewöhnlichen Lebensentwürfen und -zielen konfrontiert. Die Ausnahme, das Spezielle als erstrebenswertes Ziel, um sich aus der Masse herauszulösen und von ihr abzuheben, ist zur Regel geworden.“

„Lux – Krieger des Lichts“ ist ein außergewöhnlich gut gelungener deutscher Film, der das Thema Heldentum neu und zeitgenössisch konterkariert und auf irrwitzige und tieftraurige Weise unsere medialisierte Gegenwart auf die Schippe nimmt. Der Film zeigt wie schwer es sein kann, Identität und Werte zu finden und zu leben. Und er lässt einen hoffen, dass nicht alle Superhelden von den Medien entdeckt werden.

Ab dem 4. Januar in den deutschen Kinos.

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