Jugendarbeit digital – so sieht eine Gruppenstunde online aus.
Jugendarbeit digital – so sieht eine Gruppenstunde online aus.
08.05.2020

News

KjG@home - Jugendverbandsarbeit mal anders

Wie arbeiten die KjG-Ortsgruppen während der Corona-Krise?

Die aktuelle Situation um das Coronavirus und die damit einhergehenden Konsequenzen treffen auch und vor allem einen elementaren Punkt der Kirche: die Gemeinschaft. Die Mitglieder der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) stellen sich den daraus folgenden Herausforderungen. Vor allem die Kontaktsperre macht dem Jugendverband, der wie alle kirchlichen Verbände vor allem Gemeinschaft bedeutet, das Leben schwer. Egal ob Gruppenstunden, Jugendgottesdienste oder andere Aktionen: alle Treffen mit persönlichem Kontakt liegen seit Wochen still. Das trifft ins Mark – besonders jene, für die die Gemeinschaft in der Jugendarbeit einen großen Teil ihrer Freizeitgestaltung ausmachen. Wie gehen wir mit dieser Situation um?

Wir haben in drei KjG Ortsgruppen des Erzbistums nachgefragt: Was macht ihr in Langenberg, Hamm und Wewer um diese Zeit nicht nur zu überstehen, sondern zu gestalten?

Die KjG ist für viele Gruppenleiter*innen und -kinder wie eine zweite Familie. Weil die wöchentlichen Treffen, die normalerweise stattfinden, wie ein Ritual sind, mit dem jetzt gebrochen wird, versuchen sich viele Gruppen an Online-Gruppenstunden. Dafür gibt es vielseitige Möglichkeiten, vom Audio- oder Videochat bis hin zu Spieleklassikern online. Der Diözesanverband der KjG sammelt seit einigen Wochen nun schon die coolsten Ideen auf ihrer Website. Unter dem Hashtag #kjgathome tauschen sich die Gruppen untereinander aus.

In Zeiten von Corona muss über das Internet kommuniziert werden.
In Zeiten von Corona muss über das Internet kommuniziert werden.

Neue Wege finden

Zu den jüngeren Gruppenkindern sei der Kontakt sehr schwierig, so die KjG-Gruppen. Die Pfarrleitung der KjG Wewer hat sich deshalb zu Ostern etwas Tolles ausgedacht: "Wir haben als Pfarrleitung Gummibärchen mit kleinen Osterwünschen verteilt, um so einerseits für eine kleine Überraschung zu sorgen und andererseits Dankbarkeit für die Gruppenkinder und Leiter*innen auszudrücken."

Neue Wege müssen gefunden werden, um Gemeinschaft und Zusammenhalt auszudrücken. So haben die KjGler*innen in Wewer mit Botschaften bemalte Steine verteilt, die allen Finder*innen gute Laune verbreiten sollen. Wer einen Stein findet, darf ein neues Versteck für ihn suchen. Das Bemalen der Steine haben Kinder und Leiter*innen gemeinsam, aber jede*r von Zuhause aus übernommen. Auch so können gemeinsame Aktionen aussehen.

Zudem wurde ein Einkaufsdienst für die Menschen vor Ort eingerichtet. 17 junge, ehrenamtliche Einkäufer*innen sind hier tätig, welche selbstorganisiert helfen, wo es notwendig ist. Solidarität und Rücksichtnahme ist wichtig, auch in Zeiten eingeschränkter persönlicher Kontakte.

Kommunikation über Telefon oder Videochat.
Nichts kann den persönlichen Kontakt ersetzen.

Gruppenstunde in Jogginghose

In Langenberg wird, wie auch an anderen Orten, die Gemeinschaft der KjG in das Digitale transferiert und unter anderem auf Online-Gruppenstunden gesetzt. Die Klassiker wie Montagsmaler und Stadt-Land-Fluss online werden während eines Telefonats gespielt. So kann man verbunden bleiben, sich austauschen, gemeinsam über Kunstwerke und Begriffe beraten und zusammen lachen. Das sei fast schon eine normale Gruppenstunde, nur in Jogginghose und von zu Hause aus.

Die Leiter*innen aus Hamm finden es zwar schön, zu sehen, dass Freundschaften auch über die Distanz aufrechterhalten werden können. Trotzdem freuen sie sich aber schon sehr darauf, sich persönlich im Pfarrzentrum sehen zu können. Die Sehnsucht, zurück zur Normalität zurückkehren zu können, ist – wie überall – sehr groß. Immerhin treffen sich die ca. 200 KjGler*innen mit 33 Leiter*innen normalerweise in 14 unabhängigen Gruppen – wöchentlich. „Die Zeit macht einem doch sehr bewusst, wie wichtig uns allen die KjG und die anderen Mitglieder sind.“ Doch auch in Hamm wird das Beste aus der Situation gemacht: Es bleibt gerade viel Zeit, sich neue Ideen für die Gruppenstunden, die Ferienfreizeit und das Programm einfallen zu lassen – für die Zeit, sobald sie endlich wieder loslegen dürfen.

Ein neues Gefühl der Zusammengehörigkeit

Diese andere Art von Jugendarbeit eröffnet aber auch ganz neue Möglichkeiten der Horizonterweiterung. Die KjGler*innen aus Langenberg freuen sich zum Beispiel über mehr Kontakt zu anderen Ortsgruppen. "Wir haben selten die Möglichkeit, für ein Brettspiel oder ein kurzes Treffen in andere Gemeinden zu fahren, dafür wohnen wir alle zu weit auseinander. Jetzt schreibt eine*r in den gemeinsamen Chat und schon spielen Mitglieder aus drei Gemeinden gemeinsam ein Spiel."

Auch die Leitungsrunden lernen sich noch einmal anders kennen. Alle sitzen in einem Boot und jetzt, wo es hart auf hart kommt, können sich alle aufeinander verlassen. Es entsteht ein ganz neues Zusammengehörigkeitsgefühl. Und das scheint in dieser Situation wichtiger denn je. Denn die Frage, ob die Highlights eines jeden KjG-Jahres, die Ferienfreizeiten oder Zeltlager, stattfinden können, ist aktuell noch unklar. Doch bleiben alle drei jungen Gemeinden positiv gestimmt: "Wir schauen in die Zukunft und hoffen, dass wir alle zusammen auf Freizeit fahren und gemeinsam Spaß auf dem Zeltplatz haben werden. Wir sind der Meinung, dass positive Gedanken und die Vorfreude auf das Lager enorm wichtig sind."

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