02.10.2025
Leroy Kwadwo beim Spiel für 1860 München.
YOUNG MISSION

„Der Glaube ist eine große Stärke“

Fußballprofi Leroy Kwadwo ist derzeit vereinslos. In dieser ungewissen Situation vertraut er auf Gott.

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von Tobias Schulte

Leroy Kwadwo lebt seinen Traum. Zumindest bislang. Der 29-Jährige ist Fußballprofi und kann bereits auf 130 Spiele in der 3. Liga zurückblicken, die er für 1860 München, Dynamo Dresden, MSV Duisburg und die Würzburger Kickers absolviert hat. Doch aktuell ist er vereinslos. Eine Situation, in der er auf Gott vertrauen kann? 

Darüber spricht YOUPAX-Redakteur Tobias Schulte mit Leroy Kwadwo, der beim YOUNG MISSION-Weekend am 28. September im Jugendhaus Hardehausen zu Gast ist. Das Motto des Weekends „Alles fit?!“ ist dabei angelehnt an das Jesaja-Zitat: „Die aber auf den HERRN hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adlern wachsen ihnen Flügel. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt“ (Jes 40,31).

Leroy, du bist gerade vereinslos. Quasi arbeitslos. Wie ist das für dich?

Es ist eine ungewisse, schwierige Zeit für mich und für meine Familie und Freunde. Ich glaube sogar, dass es für meine Frau und für meine Familie schwieriger ist als für mich selbst. Sie machen sich Sorgen, fragen sich, woran es liegt, dass ich keinen Verein finde – obwohl ich die letzten zwei Saisons normal gespielt habe und verletzungsfrei gewesen bin. 

Machst du dir auch Sorgen?

Ich weiß, dass solche Zeiten zu meinem Job gehören. Gerade dann muss man standhaft bleiben.

Das passt gut zu unserem Motto: Die auf den Herrn hoffen, kriegen neue Kraft, die werden nicht müde.

Auf jeden Fall. Das Vertrauen in Gott beruhigt und bestärkt mich gerade extrem. Der Glaube hat mir dabei geholfen, eine ruhige Person zu werden – auch in schwierigen Zeiten.

Wärst du also ein anderer Mensch, wenn du nicht glauben würdest?

Ja. Meine Eltern hatten echt ihre Probleme mit mir – gerade in der Schulzeit. Ich habe mich schnell provoziert gefühlt und für einige Klassenkonferenzen gesorgt. Das habe ich mit der Zeit abgelegt. Durch die Beziehung zu Gott lasse ich mich nicht mehr so schnell stressen oder ärgern. Deshalb ist auch gerade der Glaube eine große Stärke für mich.

Kwadwo: "Man muss lernen, mit Niederlagen klarzukommen."

Wie ziehst du Kraft aus deinem Glauben?

Ich habe von meinen Eltern gelernt, dass alles einen Sinn hat. In den vergangenen Wochen hatte ich bei zwei, drei Vereinen Optionen auf einen Vertrag, was aber nicht funktioniert hat. Vielleicht soll das gerade so sein. Vielleicht möchte mich Gott damit auch vor etwas schützen. Ich weiß nicht genau, was in meiner Situation verborgen ist, aber ich akzeptiere das. 


Ist es wirklich so toll, Fußballprofi zu sein, wie man sich das als Kind vorstellt?

Anfangs ja. Man spielt vor 50.000 Menschen im Stadion, hört seinen Mitspieler fünf Meter neben sich nicht, weil es so laut ist. Das ist ein geiles Gefühl – gerade dann, wenn es sportlich läuft. Ich habe schon zwei Aufstiege in die Zweite Bundesliga gefeiert, das ist etwas Unfassbares. Man denkt sich: Okay, wow, genau für solche Momente bist du Fußballer geworden. Aber der Sport hat natürlich auch Schattenseiten: Wenn man mal nicht spielt, wenn man mal verletzt ist, gerade dann ist die Welt dann doch nicht so schön, wie man sich das denkt. Man muss lernen, mit Niederlagen klarzukommen. Das Leben besteht nicht nur aus Gewinnen, sondern auch aus Lernen.

Leroy Kwadwo im Gespräch mit Tobias Schulte

Leroy Kwadwo: Nicht verlieren, sondern lernen

Leroy Kwadwo im Interview mit YOUPAX-Redakteur Tobias Schulte

Du sagst bewusst nicht „verlieren“?
Ich finde „verlieren“ sehr, sehr negativ. Klar: Wenn du verlierst, kriegst du keine Punkte. Aber gerade aus Momenten, die nicht gut gelaufen sind, kann man seine Stärke ziehen und daraus das Wissen für später nutzen.

Was lernst du durch den Fußball für dein Leben?

Disziplin, Selbstbeherrschung und für sich selbst zu arbeiten, für sich einzustehen. Im Fußball schenkt dir keiner was. Jeder ist auf Erfolg aus. Nichts wird dir vor die Füße gelegt. Das ist im Leben auch so, du musst es dir erarbeiten.

»In den anderen Ligen und auch in meiner Mannschaft waren viele Spieler, die talentierter als ich waren. Aber am Ende des Tages sind es die harte Arbeit, die Disziplin und dieser Biss, die schweren Zeiten, durchzustehen.«

Leroy Kwadwo

Aber glauben wir nicht auch, dass Gott es gut mit uns meint? Dass er uns reich beschenkt?

Ich glaube: Gott schenkt mir diesen Weg, aber auf diesem Weg muss ich selbst dafür arbeiten. Er gibt uns diesen Weg, aber wir müssen ihn selbst gehen.

Ich habe mal diesen Spruch gelesen: Hard work always beats talent. Harte Arbeit schlägt immer Talent. Ist das auch deine Erfahrung?

Ja. Ich habe lange unter dem Radar gespielt, bei der TSG Sprockhövel, dann bei Westfalia Herne. Ich habe auch in der Jugend nie in der höchsten Spielklasse gespielt, sondern immer eine darunter. Heißt: In den anderen Ligen und auch in meiner Mannschaft waren viele Spieler, die talentierter als ich waren. Aber am Ende des Tages sind es die harte Arbeit, die Disziplin und dieser Biss, die schweren Zeiten, durchzustehen. Das sieht man im Profibereich auch. Es geht nicht nur um das Talent, das man geschenkt bekommen hat, sondern das muss man auch nutzen und einsetzen.

Leroy Kwadwo und sein Glaube an Gott

Leroy Kwadwo beim YOUNG MISSION-Weekend im Jugendhaus Hardehausen.

Wie ist so deine Beziehung zu Gott?

Sehr intim und zugleich sehr extrovertiert. Also ich habe keine Scham davor, das öffentlich zu posten oder zu praktizieren. Vor dem Anstoß gehe ich auf die Knie und bete. Ich glaube auch, dass es Gottes Plan ist, dass ich bis jetzt im Profibereich spielen durfte. Ich bin davon überzeugt, weil mein Weg bis dahin alles andere als gerade und absehbar war.

Und im Alltag?

Bete ich jeden Abend. Dafür packe ich das Handy weg, damit ich einen kleinen Space habe, wo ich wirklich nur für mich bin und eine Konversation führe mit Gott. Ich teile mit ihm meine Sorgen, Ängste und Blessings. Es ist ein Austausch, wie wenn eine Person halt da ist. Neuerdings bete ich auch mit meiner Frau zusammen. Wir gehen manchmal zusammen in die Kirche, halten Händchen und beten. Das ist ein intimer, sehr besonderer Moment. Unsere Beziehung ist dadurch noch krasser geworden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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