Eine Frau hält einige Münzen und einen Zettel in der Hand, darauf steht: "Make a change".
17.11.2018

Lifestyle

Let's talk about cash, baby!

Was passiert eigentlich mit meiner Kirchensteuer?

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von Carolin Schnückel
Es gibt Dinge, über die spricht man nur mit den engsten Freunden. Und wenn, dann auch eher indirekt. Geld ist so ein Thema, finde ich. „Sagt mal, was verdient ihr eigentlich?“ ist jedenfalls ein Satz, den ich noch nie in die vergnügte Feierabendrunde eingeworfen hab.

Vielleicht liegt es daran, dass wir es von unseren Eltern so gelernt haben – „Über Geld spricht man nicht!“ –, vielleicht passt dieses kühle, faktische Wissen über die Gehaltshöhe auch einfach in keine der vielen kleinen Schubladen, die eine Freundschaft so besonders machen. Da ist nichts Zauberhaftes an diesem Wissen. Kein neues Licht, in dem man den Anderen plötzlich sieht. Nur eine kühle Zahl, die eigentlich absolut nichts aussagt.
Die Kirchensteuer hat nichts Majestätisches und deshalb irgendwie keinen Platz in ihrer Gottbeziehung, findet Carolin.

Ein paar meiner Freunde haben aus diesem Gefühl heraus der „Institution Kirche“ Lebewohl gesagt mit dem Argument: „Ich weiß gar nicht, was überhaupt mit meiner Steuer passiert. Da hab ich es lieber selbst in der Hand, an welches wohltätige Projekt ich etwas spende. Und die Kirche hat für mich mit meinem persönlichen Glauben eigentlich sowieso nicht mehr viel zu tun.“

Anstatt dieser zugegebenermaßen nachvollziehbaren Logik zu folgen, versuche ich jetzt einen Vorstoß in die Gegenrichtung. Ich will wissen, was genau mit dem Geld passiert, wer über die Verwendung entscheidet und wie eigentlich andere Modelle der Kirchenfinanzierung aussehen können.

Warum und seit wann gibt es die Kirchensteuer?

Die Diözsanbischöfe haben bereits vor fast 50 Jahren in einem offiziellen Dokument den Zweck der Kirchensteuer erläutert:

»Die Kirche ist die Gemeinschaft der Menschen, die durch den Glauben an Jesus Christus und durch die Sakramente am Leben Gottes teilhaben und zur ewigen Gemeinschaft mit Gott berufen sind. Ihrem Wesen nach steht sie in Raum und Zeit und kann ihrem Heilsauftrag in Gottesdienst und Seelsorge, in Schule und Erziehung, in Caritas und Mission nur gerecht werden, wenn ihr – das ist eine nüchterne Feststellung – die nötigen materiellen Mittel zur Verfügung stehen.

Daraus ergibt sich für alle katholischen Christen, Klerus wie Laien, die Pflicht, durch Abgaben die Erfüllung dieser Aufgaben zu ermöglichen. In den Bistümern in der Bundesrepublik Deutschland ist die gesetzmäßig geregelte, für alle verbindliche Art und Weise, dieser Beitragspflicht zu genügen, die Kirchensteuer.«

Erklärung der Diözesanbischöfe zu Fragen des kirchlichen Finanzwesens vom 22.12.1969

Bauern geben einem geistlichen Herren den Zehnt ab.

Kurz und kompakt

  • • Gibt's seit 1875

    • Rechtlicher Rahmen: Kirchensteuergesetz

    • Bemessungsgrundlage: Einkommensteuer

    • Höhe: 9% (bzw. 8% in Bayern und BaWü)

    • Nicht einkommensteuer-pflichtig =  nicht kirchensteuerpflichtig

    • Der Staat bekommt 3% Entgelt, damit keine eigene Kirchensteuerverwaltung aufgebaut werden muss

    • Bistümer können selbst über Verwendung entscheiden

    • Weitere Infos gibt's hier
Der Kirchensteuerrat entscheidet im Erzbistum Paderborn über Hebesatz und Verwendung der Kirchensteuer.
Der Kirchensteuerrat entscheidet im Erzbistum Paderborn über Hebesatz und Verwendung der Kirchensteuer.
Die Zusammensetzung des Gremiums

Wie ist das in anderen Ländern geregelt?

Gibt es auch andere Finanzierungsmodelle außer einer Pflichtsteuer?
Was wäre, wenn wir über die Verwendung unserer Beiträge mitbestimmen könnten?

Es steckt mehr dahinter

Je mehr ich mich mit der Kirchensteuer beschäftige, desto klarer wird mir, dass das alles nicht so einfach ist wie ich dachte. Ich finde es verblüffend, wie schnell man bei dem Thema von scheinbar rein verwaltungstechnischen Vorgängen zu ganz essentiellen Moralfragen kommt. Gerade beim Ländervergleich der verschiedenen Finanzierungsmodelle fällt mir auf, dass kein System perfekt ist; vor allem scheint eine größere Selbstbestimmung auch immer eine größere Manipulierbarkeit zu bedeuten.

»Warum kann es nicht auch in unserem Kirchensteuersystem möglich sein,
mehr mitzubestimmen?«


So schön der Gedanke für mich als kleine Steuerzahlerin auch ist, ganz frei selbst darüber bestimmen zu können, wie meine Beiträge eingesetzt werden – so gruselig finde ich gleichermaßen die Vorstellung, dass extrem reiche Einzelpersonen diese Möglichkeit auf verworrenen Wegen für Selbstzwecke nutzen könnten. Aber kann es nicht auch in unserem Finanzierungssystem Ansatzpunkte für mehr Mitbestimmung geben?

Wir möchten heutzutage ganz genau wissen, was mit unserem Geld passiert, möchten alles kontrollieren und nachprüfen können. Schnell führt Nichtwissen zu Misstrauen, Misstrauen zu Ablehnung, Ablehnung zu Abwendung, Abwendung zum Austritt. Umso wichtiger finde ich es, bei einem Thema wie der Kirchensteuer neu zu denken.

Neue Wege wagen?

Wir möchten unsere Finanzen gern planen und kontrollieren können - gerade bei Spenden möchten wir wissen, was mit unserem Geld passiert.

Und was meinst Du?

Welche Fragen zur Kirchensteuer brennen Dir unter den Nägeln? Wie sehen Deine Vorschläge für eine transparentere Umsetzung des Themas aus?

Lass uns gemeinsam träumen und Tacheles reden:

Du schickst Deine Ideen und Fragen an redaktion@youpax.de und wir gehen damit
zum Finanzchef des Erzbistums.

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