Seit letzter Woche sind viele Läden wieder offen.
Seit letzter Woche sind viele Läden wieder offen.
29.04.2020

Perspektive

Sind die aktuellen Lockerungen angemessen?

Geschäfte öffnen, Gottesdienste dürfen bald wieder öffentlich gefeiert werden. Sind diese Maßnahmen vertretbar?

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von  Anna Petri

Eins vorweg: Ich selbst bin in der vergangenen Woche noch nicht wieder shoppen gewesen. Zwar sehne ich mich, wie vermutlich viele andere Menschen auch, nach mehr Normalität im Alltag, aber die Bilder der vergangenen Wochen sind noch zu sehr in meinem Bewusstsein verankert. Ich erinnere mich an die täglichen Meldungen über die Überlastung des italienischen Gesundheitssystems. Die unzähligen Bilder von sterbenden Menschen sowie Ärzten und Krankenpflegern, die ohnmächtig dabei zusehen mussten, wie immer mehr Frauen und Männer diesem schrecklichen Virus zum Opfer fielen. Dazu kamen die täglichen Meldungen über den mehr oder weniger fragwürdigen Umgang einiger Staats- und Regierungschefs mit der Krise.

Shoppen ja - aber nur mit Maske

Maskenpflicht

Ein Sommer ohne Straßencafés?

Ich denke an die Eisdiele in unserer Straße, die bei dem traumhaften Sonnenschein der vergangenen Wochen wahrscheinlich das Geschäft ihres Lebens gemacht hätte. Genau für diese Einzelhändler bedeuten die ersten Lockerungen möglicherweise eine Sicherung ihrer Existenz und sind aus wirtschaftlicher Sicht natürlich nachvollziehbar. Aber ein enges Zusammensitzen in den zahlreichen Straßencafés und Restaurants kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorstellen.

Ein Sommer ohne Straßencafés wird immer wahrscheinlicher.
Ein Sommer ohne Straßencafés wird immer wahrscheinlicher.
Kein Fußball?

Gemeinsam den Glauben leben

Ein anderes Thema, das mich sehr beschäftigt, ist die Frage nach Lockerungen bei Gottesdienstbesuchen. Meine Gemeinde bietet seit Beginn der Corona-Krise den Gottesdienst per Live-Stream an, was mir persönlich natürlich sehr viel bedeutet. Den sonntäglichen Kirchgang kann der Live-Stream aber nicht ersetzten. Mir fehlen die sozialen Kontakte, das gemeinsame Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst und die Nähe zur Gemeinde. Trotzdem bin ich auch hier der Meinung, dass ein zu frühes Öffnen Risiken mit sich bringen kann. Denn eine Gemeinde ist nun mal ein Ort, wo viele Menschen im Namen Gottes zusammenkommen.

Gemeinsam den Glauben leben - in Zeiten von Corona sehr schwer.
Gemeinsam den Glauben leben - in Zeiten von Corona sehr schwer.

Mein Fazit: Ich kann es durchaus verstehen, wenn in der Bevölkerung langsam, aber sicher auch die Stimmen nach weiteren Lockerungen lauter werden. Vor dem Hintergrund der vergangenen anderthalb Monate halte ich persönlich aber eine schnelle „Rückkehr zur Normalität“, für ein zu großes Risiko, für das wir eventuell einen sehr hohen Preis zahlen müssten.

Auch wenn das Ganze eher nach einer abgedroschenen Phrase klingt: Die Folgen der Corona-Krise werden uns noch sehr lange beschäftigen. Wie lange das alles dauern wird, ist meiner Ansicht nach noch gar nicht abzusehen. Lieber verzichte ich ein Jahr auf Konzerte und Kinobesuche, als dass solche Einschränkungen unser Leben für die kommenden Jahre bestimmen werden.

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