Lourdes
25.11.2017

Faszination

Auf der großen Bühne mitspielen

In Lourdes werden besonders Jugendliche gefordert

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Von Tobias Schulte

Es gibt Orte, die versprühen eine gewisse Magie, wenn man sie betritt und auf sich wirken lässt. Der Heilige Bezirk von Lourdes ist so ein Ort. Der Blick auf das Ensemble von Rosenkranzbasilika und der oberen Basilika erinnert an das Schloss von Walt Disney. Vom Haupteingang aus verläuft der Weg wie eine Pferderennbahn bis zur Statue der gekrönten Madonna. Die Rampen zur Oberen Basilika scheinen den Vorplatz der Rosenkranzbasilika geradezu zu umarmen.


Wer denkt, Lourdes sei nur etwas für Alte und Kranke,
liegt völlig falsch.

Mehr als fünf Millionen Menschen pilgern jährlich in den Ort im Südwesten Frankreichs. Besonders bekannt ist der Wallfahrtsort für wundersame Heilungen von Kranken. Wer deshalb denkt, Lourdes sei nur etwas für Alte und Kranke, liegt völlig falsch.

Ich bin vier Mal mit dem Lourdesverein Westfalen in den Wallfahrtsort gefahren. Lourdes zeigt, dass Glaube international und generationenübergreifend ist. Lourdes bietet optisch und emotional ergreifende Momente. In Lourdes spüren gerade Jugendliche, dass sie in der Kirche gebraucht werden.

Gottesdienst in der Oberen Basilika
Gottesdienst in der Oberen Basilika
Die "sakrale Einkaufsmeile" von Lourdes
Die "sakrale Einkaufsmeile" von Lourdes
Messe zu den Füßen der Madonna
Messe zu den Füßen der Madonna
Vor der Grotte
Vor der Grotte
Die Gottesmutter trifft man in der ganzen Stadt
Die Gottesmutter trifft man in der ganzen Stadt

Wer überlegt, zu einem der vielen Pilgerorte in Europa zu reisen, sollte beachten, dass Lourdes über die Gemeinschaft, über besonders gestaltete Gottesdienste und über die Lieder, die einen wiedererkennbaren Charakter haben, funktioniert. Deswegen haben feierliche Gottesdienste und das Gebet mehr Platz als der Austausch über den Glauben in Kleingruppen, wie das zum Beispiel in Taizé der Fall ist. Ich persönlich würde nie mit zwei oder drei Leuten nach Lourdes pilgern, sondern mich eher wieder mit Freunden einer Pilgergruppe anschließen.

Wie Lourdes zum Wallfahrtsort wurde

Der Wallfahrtsort Lourdes hat seinen Ursprung im Jahr 1858. Die Gottesmutter Maria ist dabei der 14-jährigen Bernadette Soubirous mehrfach in der Grotte von Massabielle erschienen. Maria sagte zur Heiligen Bernadette: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis“ und gab ihr den Auftrag, an der Grotte und einer Quelle eine Stätte des Gebets zu errichten. Darauf grub Bernadette, die Tochter eines armen Müllers, mit bloßen Händen und entdeckte die Quelle, aus der noch heute Wasser sprudelt. Durch das Lourdeswasser, den Besuch der Grotte und das Gebet wurden zahlreiche Menschen geheilt. Mehr als 60 Heilungen erkennt die katholische Kirche als Wunder an.

Die Grotte und die Quelle von Lourdes liegen im Flussbett des Gave du Pau. Über und an den Fels der Grotte heran wurden die Rosenkranzbasilika und die obere Maria-Empfängnis-Basilika gebaut. Tagsüber ist es hektisch an der Grotte. Jede Pilgergruppe will dort einmal Messe feiern, jeder Besucher will mal die Quelle gesehen und den Felsen berührt haben. Jeder Pilger will von Zapfstellen das Lourdeswasser mitnehmen – am besten literweise mit Kanistern, die man in der Einkaufsmeile vor dem Heiligen Bezirk gekauft hat.

Bei meinen vier Pilgerfahrten habe ich jeweils auch Lourdeswasser mitgenommen. Das Wasser habe ich getrunken und während einer Verletzung über die betroffene Körperstelle geschüttet. Mit dem Wasser habe ich auch viele schöne, berührende und stärkende Momente mitgenommen. In Lourdes habe ich zum ersten Mal eine große, internationale Gemeinschaft im Glauben erlebt. Wer sonntags in seiner Heimatpfarrei mit relativ wenigen Menschen Messe feiert, der tut das in Lourdes immer mit mehreren hunderten bis zehntausenden Gläubigen.

Hier kann man die internationale Gemeinschaft im Glauben spüren

Bei der Lichterprozession ist das zum Beispiel der Fall. Die Pilger kommen abends mit einer Kerze an die Grotte und um 21 Uhr beginnt die Prozession durch den Heiligen Bezirk. Angeführt von einem Chor und Vorbetern beten die Gläubigen den Rosenkranz. Französisch, Englisch, Deutsch, Polnisch – jede Sprache ist mal dran.

Zwischen den Menschen und ihren Lichtern habe ich mich immer aufgehoben gefühlt, wie ein sinnvolles Puzzleteil. Besonders, als alle zwischen den Gesetzen des Rosenkranzes das „Ave Maria“ sangen und im Refrain die Kerzen in den dunklen Himmel heben.

Die abendliche Lichterprozession gehörte bei den Wallfahrten des Lourdesvereins Westfalen genauso zum Programm wie täglich eine Messe. Als Jugendlicher und junger Erwachsener hat man dabei zwei wechselnde Aufgaben: Messe dienen und „Pferdchendienst“ übernehmen.

Beim Pferdchendienst begleiten junge Erwachsene kranke Menschen vom Hospital zum Gottesdienst und zurück
Beim Pferdchendienst begleiten junge Erwachsene kranke Menschen vom Hospital zum Gottesdienst und zurück

Letzteres bedeutet, dass die Jugendlichen und Erwachsenen die kranken Menschen aus dem Hospital abholen, sie in ihren blauen Wägelchen zu den Kirchen und sie hinterher wieder ins Hospital zu bringen. In Lourdes wird jeder mit seiner sozialen Ader konfrontiert: Schaffe ich es, mit den Alten und Kranken ins Gespräch zu kommen? Kann ich sie zum Lächeln bringen? Ich habe gespürt, wie toll manche Menschen mit ihren Schwächen umgehen und auch, wie sehr Krankheit einen Mensch belasten kann. Es ist beeindruckend, wie viel die Pilgerfahrt den Alten und Kranken bedeutet und wie viel Kraft ihnen Lourdes gibt, auch wenn sie dort nicht geheilt werden.

Beeindruckend war es für mich auch, in den Messen des Lourdesvereins Westfalen und den internationalen Gottesdiensten zu dienen. In einer Messe mit Bischöfen, dutzenden Priestern, Diakonen und Hunderten Kirchenbesuchern übernehmen die jungen Messdiener Verantwortung. In Lourdes Messe zu dienen, bedeutet im Rampenlicht zu stehen – und wie jeder einzelne darauf reagiert und was er daraus mitnimmt, ist total spannend. Da merkt der eine, dass er gern vor Menschen auftritt und gewinnt dadurch an Sicherheit, während der andere total nervös wird und sich unwohl fühlt.

Die Stadt scheint stets in ein marianisches Hellblau getunkt

Lourdes als Stadt hat etwas ganz friedliches an sich. Es herrscht eine Art ruhige Kühle, da die Stadt wie in ein marianisches Hellblau getunkt scheint. 15.000 Einwohner hat Lourdes, dazu übernachten täglich ungefähr genauso viele Pilger in den Hotels der Stadt. Über Lourdes thront eine mittelalterliche Burg. Die Stadt ist eingeschlossen von Vorläuferbergen der Pyrenäen und auch die Straßen laufen stets bergauf und bergab. Wer von den ganzen Gottesdiensten Abstand gewinnen will, kann die Burg besichtigen, auf den Berg Pic du Jer mit der Seilbahn fahren, eine Tropfsteinhöhle in der Gegend besichtigen, zum Atlantik fahren, die örtlichen Geschäfte erkunden und etwas einem Café trinken.  

Nichtsdestotrotz habe ich die magischen Momente von Lourdes im Heiligen Bezirk erlebt, zum Beispiel im Gebet vor der Grotte – nachts, kurz bevor der Bezirk schließt. Der emotionale Höhepunkt jeder Pilgerreise mit dem Lourdesverein Westfalen ist für mich die Nachtanbetung in der Oberen Basilika.

Erstaunlich, welche Gefühle Lourdes hochspült

Während der Anbetung des Allerheiligsten lesen zwei Priester Fürbitten vor, die die Pilger selbst anonym aufgeschrieben haben. Die Bitten sind höchst persönlich und zeugen von Dank, Sorgen und Schicksalen im eigenen Leben und der Familie. Während des Gottesdienstes hören Priester die Beichte und segnen die Menschen, die zu ihnen in die Seitenkapellen kommen.

All das zusammen bildet eine einzigartige ergreifende und bedrückende Stimmung, die viele Emotionen und Tränen hochspült – und dadurch im Endeffekt auch befreit. Es ist erstaunlich, welche Bitten, Gedanken und Ängste jeder Mensch in sich trägt, die man von außen nie erwarten würde. Es ist erstaunlich, welche Gefühle sich in einem selbst befinden, die nur so darauf warten, rausgelassen zu werden.



Schaffe ich es, mit den Alten und Kranken ins Gespräch zu kommen? Kann ich sie zum Lächeln bringen?

Die Grotte im Tageslicht
Die Grotte im Tageslicht
YOUPAX-Autor Tobias ist mit dem Lourdesverein Westfalen gereist
YOUPAX-Autor Tobias ist mit dem Lourdesverein Westfalen gereist
Die Lichterprozession
Die Lichterprozession

Auf diesem YouTube-Kanal werden alle Messen, Prozessionen und Gebete gesammelt 

Über diese Homepage  werden Messen in Lourdes live übertragen 

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