Mara Mainusch spielt Gitarre und singt.
04.04.2022

LIEBE

Muss es perfekt sein?!

Warum Mara Mainusch singt – und sich für einen Auftritt bei LOUDER THAN BEFORE bewirbt

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von Tobias Schulte

Es gibt Dinge, die kann nur Musik. Zum Beispiel: Menschen, die verzweifelt sind, zum Tanzen zu bringen. Sie für einen Abend ihr Leid vergessen zu lassen. Das hat Mara Mainusch gerade erst erlebt. Die 16-Jährige hat gemeinsam mit der katholischen Gemeinschaft Shalom geflüchtete Menschen aus der Ukraine besucht. Mit Gitarre und Rhythmusinstrumenten im Gepäck. Drei Stunden lang haben sie im Flüchtlingsheim gesungen und gespielt. Vor allem südamerikanische Lieder, mit einstudierten Tänzen.

„Am Anfang war das ziemlich komisch“, sagt Mara. Die Menschen hätten stumm auf ihren Plätzen gesessen. Manche hätten vielleicht noch das Handy rausgeholt und gefilmt. Doch dann war da dieses ukrainische Mädchen. Sie stand auf – und tanzte mit. Ihr folgten dann viele weitere Geflüchtete auf die Tanzfläche.

„Am Ende des Abends haben die Menschen mit uns Fotos gemacht, als wären wir Popstars“, erzählt Mara. Sie spricht von leuchtenden Kinderaugen und dem Gefühl, trotz des Kriegs in der Heimat der Geflüchteten auch gute Laune haben zu dürfen. Doch es flossen auch Tränen an dem Abend.

Mara Mainusch singt zusammen mit der Gemeinschaft Shalom bei einem Friedensfest in Arnsberg.
Mara Mainusch singt zusammen mit der Gemeinschaft Shalom bei einem Friedensfest in Arnsberg.

„Papa hat gesagt, dass wir stark sein sollen“

Zum Beispiel bei einer Mutter mit einem vierjährigen Kind, erzählt Mara. Als die Mutter weinte, habe die Tochter zu ihr gesagt: „Mama, Papa hat gesagt, dass wir stark sein sollen. Du darfst weinen, denn ich bin für dich stark.“ Eine Situation, die Mara gleichzeitig erschrocken und beeindruckt hat.

Erschrocken, „weil sich ein junges Mädchen schon so erwachsen verhalten muss“, sagt Mara. Beeindruckt, weil sie verstanden hat, wie bewusst auch die Kinder den Krieg und ihre Flucht miterleben.

Für Mara bleibt vom Abend mit den Menschen aus der Ukraine vor allem ein Gefühl: Glück. „Es erfüllt mich, wenn Menschen Freude an der Musik haben“, sagt sie. „Dann ist es auch egal, ob ich einen falschen Akkord spiele oder einen Ton nicht perfekt treffe“.

Freude und Perfektion

Mara Mainusch
Mara Mainusch

Freude und Perfektion. Beide Begriffe stehen für Maras Verhältnis zur Musik. Sie hat schon immer gern Musik gemacht. Sie sagt: „Schon als Kind bin ich durchs Haus gelaufen und habe erfundene Melodien und Texte gesungen“. Aus purer Freude an der Musik. Sie hat im Jugendchor des Kirchenchors gesungen, ist bei Familienfeiern und im Urlaub auf dem Campingplatz aufgetreten.

Doch bei Freude allein bleibt es nicht. Musik zu machen bedeutet für Mara auch, sich ständig verbessern zu wollen. Möglichst perfekt zu singen und zu spielen. Mittlerweile nimmt sie Gitarren- und Gesangsunterricht. Und sie schreibt auch eigene Texte. Zwei fertige Stücke hat sie bereits. „Alles, was ich mache, muss am Ende gut werden“, sagt sie. „Ich bin sehr selbstkritisch“.

In manchen Bereichen kann ihre perfektionistische Ader hilfreich sein. Zum Beispiel, wenn sie sich auf Auftritte oder auch Klausuren in der Schule vorbereitet. Doch sie weiß auch: „Es darf kein zu großes Ausmaß annehmen“. Manchmal komme es nicht darauf an, ob die Musik perfekt sei. Sondern was sie bei den Menschen erreiche.

Bei LOUDER THAN BEFORE – the weekend beworben

In ihrem ersten eigenen Song singt Mara über ihre Welt während des ersten Corona-Lockdowns. Von Einschränkungen und dem Gefühl: „Wir können das überstehen, wenn wir zusammenhalten.“ Mit diesem und weiteren Liedern möchte Mara auch auf größeren Bühnen auftreten. Zum Beispiel bei LOUDER THAN BEFORE – the weekend Ende August in Hardehausen.  Mit viel Musik, Foodtruck, Camping und Gottesdienst. Um bei LTB – the weekend auftreten zu können, hat sie sich über das Bandcasting angemeldet. Noch bis zum 1. Mai können sich Musikschaffende aus dem Erzbistum Paderborn dort bewerben.

Auf der LTB-Bühne möchte Mara eines deutlich machen: „Dass Jugendliche eine Stimme haben. Dass wir auch neben der Schule unseren Traum leben können“. Dann gibt sie zu, dass sie mit dem Auftritt auch ein Stück weit etwas beweisen möchte. „Erstmal mir selbst“, sagt Mara. „Meiner Selbstkritik. Meinen inneren Fragen, ob ich gut genug bin.“

Und sie möchte es den Menschen zeigen, die nicht an sie glauben. Die sie fragen, warum sie so viel Zeit in die Musik investiert, obwohl sie es doch eh nie nach ganz oben schaffen werde. Mit Blick darauf sagt Mara: „Ich glaube nicht, dass ich in den nächsten Jahren in den Charts stehe. Aber ich möchte schon etwas mit meiner Musik erreichen. Wenn sich das ergibt, dann wäre das super. Und wenn die Musik nur nebenbei läuft, dann ist das auch gut so.“

Bandcasting für LTB - the weekend

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie ihr bei LTB – the weekend auftreten könnt. Auf einer der outdoor-Bühnen könnt ihr für den Samstag, 27. August, einen 20 bis 30 minütigen Auftritt gewinnen. Der Auftritt erfolgt als Warm-Up ab 10 Uhr morgens. Außerdem gibt es Slots über den ganzen Samstag verteilt in der Kirche des Jugendhauses. Für die Musizierenden sowie eine unterstützende Person für die Technik gibt es dann Freikarten. Alle Infos findet ihr hier.

Mara Mainusch singt
Bei LOUDER THAN BEFORE 2021 gab es eine Bühne, bei LTB 2022 wird alles eine Nummer größer.
Bei LOUDER THAN BEFORE 2021 gab es eine Bühne, bei LTB 2022 wird alles eine Nummer größer.

Gut genug?!


Bis die größeren Auftritte auf sie zukommen singt Mara weiterhin jeden Freitagabend in der Liebfrauenkirche in Arnsberg. Gemeinsam mit der Gemeinschaft Shalom begleitet sie die Messe musikalisch. Mara fühlt sich mittlerweile wohl bei der geistlichen Gemeinschaft. Sie trifft sich dort zu spontanen Jam-Sessions und isst im Café Garage Shalom gern mit Freundinnen zu Mittag.

Mara erzählt, dass sie sich als Messdienerin und Lektorin schon immer in der Kirche wohlgefühlt hat. Doch durch den Kontakt zur Gemeinschaft Shalom entdeckt sie immer mehr Facetten des Glaubens. Zum Beispiel, wie sie beten kann.

Sie lernt, dass sie im Gebet mit ihren Anliegen zu Gott kommen kann. Dass sie mit ihm ganz persönlich reden kann. „Wie mit einem Vater, der mir beschützend zur Seite steht“, sagt Mara. „Ich finde es beruhigend, daran zu glauben, dass da wer ist, der mir die Hand über den Kopf hält“. Und der ihr wahrscheinlich auch sagen würde: Es kommt nicht drauf an, ob deine Musik perfekt ist. Hauptsache, sie erreicht Menschen.

Mix