Ein Kirchturm mit dem Kreuz ragt in den Himmel.
Ein Kirchturm mit dem Kreuz ragt in den Himmel.
29.11.2019

Exklusiv

Am Abend aus Gottes Perspektive schauen

Serie "Meine Kirche" - Alexander Kaiser, Theologie-Student, der aktiv in der KHG Paderborn ist

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von Tobias Schulte

Wie kommen junge Menschen mit Gott in Berührung? Was kann die Kirche ihnen bieten? Diese Fragen beschäftigen uns nicht nur bei YOUPAX, sondern in der ganzen katholischen Kirche. Sie könnten entscheidend sein, damit die Kirche im Erzbistum Paderborn wirklich den Menschen dient. Deshalb fragen wir in der neuen Serie "Meine Kirche" jede Woche neue junge Erwachsene aus (Hochschul-)Gemeinden und Jugendverbänden, was für sie die Kirche der Zukunft ausmacht.

Diese Woche: Alexander Kaiser. Der 24-Jährige studiert Theologie in Paderborn. Gemeinsam mit seiner Frau wohnt er in Wewer bei Paderborn. Neben dem Studium ist er in der Katholischen Hochschulgemeinde Paderborn (KHG) akitv, weil er dort seinen Glaubensort findet.

»Es braucht innerhalb der Kirche einen wertschätzenden und offenen Dialog darüber, was uns eigentlich inspiriert, uns immer wieder zusammen kommen lässt.«

Alexander Kaiser
Theologie-Student, der aktiv in der KHG Paderborn ist

Alexander Kaiser
Alexander Kaiser

Welche Form von Gebet oder Gottesdienst gibt dir persönlich Kraft, Ruhe, ein Stück von Gott?

Ganz klar der Tagesrückblick, wie ihn die Jesuiten praktizieren. Dabei versuche ich abends, auf den vergangenen Tag, die Entscheidungen, die ich getroffen habe und die Menschen, denen ich begegnet bin, aus Gottes Augen zurückzublicken. Meistens wird mir dann bewusst, was nicht so gut gelaufen ist, wo ich jemandem Unrecht getan habe. Vor allem aber hab ich dabei schon oft schöne und gute Dinge in meinem Leben entdeckt, für die mich der Alltag blind gemacht hat. So kann ich den heutigen Tag für sich stehen lassen, ohne endlos zu grübeln. Dann bin ich bereit, den neuen Tag richtig anzugehen. Der Tagesrückblick als Gespräch mit mir selbst und mit Gott eröffnet für mich eine ganz neue Perspektive – Gottes Perspektive: Für ihn war mein heute wertvoll und einzigartig. Und morgen ist immer noch einmal mehr möglich, als ich vielleicht zunächst gedacht habe.


Welche Art der Begleitung sollte Kirche ausbauen?

Jeder Mensch steht allein dadurch, dass er ein Mensch ist, in einer ganz persönlichen Beziehung zu Gott. Diese Beziehung wird nicht erst durch das Engagement in der Kirche oder durch das Wirken der Kirche hergestellt. Die Kirche kommt ins Spiel, wenn es darum geht, den Menschen dabei zu helfen, diese Beziehung aus dem Reichtum der kirchlichen Tradition selbst zu gestalten. Daher sollte die Kirche anstatt Scheine für den Besuch der Sonntagsmesse zu verteilen (wenn das überhaupt noch jemand tut), besser eine Art Grundkurs des Glaubens anbieten, der die Menschen dabei unterstützt, selbst Wege zu finden, wie sie ihre Gottesbeziehung gestalten möchten und ihre Augen für das „Mehr“ im Leben offen zu halten.

Soziales Engagement bleibt der „Markenkern“ von Kirche. Es stellt eine Form dar, wie die Liebe Gottes, von der viel geredet wird, für Menschen erfahrbar gemacht werden kann. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass die hilfebedürftigen Menschen die Priorität sozialen Engagements sind - und nicht eine versteckte Agenda der Missionierung.


Welche Gemeinschaftsformen sollte Kirche ausbauen?

Kirche sollte Formen der Gemeinschaft weiter ausbauen, die es Menschen ermöglicht, sich intensiv mit anderen über ihren persönlichen Glauben, ihre Hoffnungen und Vorstellungen vom Leben auszutauschen. Es braucht innerhalb der Kirche einen wertschätzenden und offenen Dialog darüber, was uns eigentlich inspiriert, uns immer wieder zusammen kommen lässt. Seien es kleinere Gruppen, die sich regelmäßig treffen, oder einzelne Menschen, die im öffentlichen Gottesdienst oder den sozialen Netzwerken ungeschönt von der Rolle erzählen, die Gott in ihrem Leben spielt. Nicht als Abziehbilder einer Success Story oder heiligen Vita, sondern als authentische Menschen auf der Suche nach Gott.

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