Auf der Suche nach dem Schönen, Wahren und Guten
10.11.2014

Auf der Suche nach dem Schönen, Wahren und Guten

Melchior Magazin

„Melchior“ heißt ein ganz neues katholisches Magazin für junge Erwachsene. Es verbindet Glaubensthemen mit Gesellschaftlichem und Lifestyle und möchte damit jene Zielgruppe zwischen Jugend und Erwachsensein ansprechen. Ist es lesenswert?

Der erste Eindruck des Covers ist angenehm: Eine sympathische Frau auf einem Foto im Polaroidstil lächelt an der Kamera vorbei. Über ihrem Kopf ist dick und in weiß der Buchstabe M für Melchior gepinselt. Links oben, dezent der Slogan des Hefts: „Auf der Suche nach dem Schönen, Wahren, Guten“. Die Hauptthemen sind am unteren Bildrand angekündigt: Es geht um die Buch-Autorin Esther Maria Magnis und ihr Buch „Gott braucht dich nicht“, um Aussteiger und um die junge Ehe.

Beim Hineinblättern fällt sofort die moderne Gestaltung mit Vintage-Fotografie auf. Das Layout erinnert an die Trendzeitschriften NEON oder NIDO: flächige Überschriften in verschiedenen Farben, großzügige Weißräume, hin und wieder tauchen minimalistische Illustrationen auf.

melchiorIn der ersten längeren Geschichte geht es um Anonymität in Städten. Die Autorin des Textes wagt im Selbstversuch, möglichst viele fremde Leute kennenzulernen. Sie schafft es auf fünf Bekanntschaften, mit denen sie sich über religiöse Ansichten austauscht. Die Begegnungen werden allerdings sehr schnell abgehakt, sodass man nicht wirklich viel von den Personen erfährt.

Ein paar Seiten weiter findet man ein Interview mit dem Schweizer Komiker Manuel Burkart vom Cabaretduo Cabaret Divertimento. Er erzählt vom Bühnenleben, von Nachtlektüren, seinen Kindern und seiner Weltanschauung. Das offene Gespräch liest sich flüssig und spannend.

Theresa von Bischopink, die Pressesprecherin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat in das Melchiormagazin hineingelesen. Ihr ist besonders die Geschichte eines Fußballers hängen geblieben, der trotz vielversprechenden Talents aus dem Fußballgeschäft aussteigt, weil es ihm keinen Sinn gibt und eine große Reise beginnt. 

Menschen und ihre Geschichten

Eileen Krauße, Referentin für Jugendpastorale Bildung der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) der Deutschen Bischofskonferenz, gefällt, dass eine große Bandbreite von Personen und deren Lebensgeschichten abgebildet wird. „Ich finde die persönliche Herangehensweise, in der Menschen ihre Geschichte mit ihrem Leben, ihrem Glauben und mit Gott beschreiben, sehr ansprechend.“

melchiorEntstanden ist das Melchior Magazin in Wien. Fünf Freunde planten schon länger ein Magazin „über Gott und die Welt“. „Wir selbst sind begeisterte Katholiken und wollen mit Melchior das, was wir empfangen haben, teilen“, sagt der Grafiker Hannes Platter. „Melchior soll auch widerspiegeln, was unser Glaube ist: schön, vielseitig und tiefgründig. Trotzdem soll Melchior nicht nur ein Magazin für Fromme sein: wir suchen einen echten Austausch mit jedem, der dazu beitragen möchte.“

In Kooperation mit der katholischen Hochschulgemeinde Wien, dem katholischen Radiosender fisherman.fm und dem YOU!Magazin brachten sie im Oktober 2014 die erste Ausgabe heraus. „Das Kern-Team ist hauptamtlich für Melchior engagiert, die meisten Redakteure, Fotografen und Illustratoren sind ehrenamtlich“, sagt der Grafiker Hannes Platter.

"König des Lichtes"

Namensgeber des Magazins ist Melchior, „König des Lichtes, Weiser aus dem Morgenland und Wissenschaftler der die Welt beobachtet“. So beschreiben es die Macher auf ihrer Seite. Sie wollten als Namenspaten jemanden, der „ die Zeichen der Zeit erkennt und aufbricht, um etwas zu suchen das größer ist, als er selbst.“

Von der Erstausgabe gibt es eine Auflage von 5000 EU-Heften, 3000 Schweiz-Heften und 20000 Hefte für die Uni in Wien. Das ist für ein Printmagazin im Jahr 2014 nicht schlecht – aber liest überhaupt noch jemand Magazine?

Theresa von Bischopink glaubt, dass ein gedrucktes Magazin genau dann funktioniert, wenn es „liebevoll“ gemacht wird, also ästhetisch ansprechend und journalistisch-fundiert. „Möglicherweise ist der Zugang niedrigschwelliger, weil das Magazin einfach mal wo ausliegt, anstatt das erwartet wird, dass der User die – wenn überhaupt bekannte - Homepage besucht“, sagt sie. 

Junge Erwachsene kommen vermehrt in den Blick

Dass nun ein katholisches Magazin für junge Erwachsene erscheint, überrascht Eileen Krauße von der AFJ nicht. Sie beobachtet, dass die „Junge-Erwachsenen-Pastoral“ (Altersspanne 18-35 Jahre) in Deutschland seit einigen Jahren vermehrt in den Blick genommen wird und in vielen Bistümern Referatsstellen geschaffen werden, in denen Referentinnen und Referenten diese Zielgruppe explizit in den Blick nehmen – so im Erzbistum Paderborn auch mit einer Projektstelle. Infos zu diesen Referaten, die sich zum „Netzwerk der Diözesen für Junge Erwachsene“ zusammengeschlossen haben, sammelt dieAFJ auf ihrer Webseite.

Dennoch gibt es bisher im deutschsprachigen Raum wenige vergleichbar aufgemachte katholische Magazine. In eine ähnliche Richtung geht, wenn auch für eine Zielgruppe mit größerer Altersspanne, BENE, das Magazin aus dem Bistum Essen. Noch relativ neu ist auch das christliche Magazin DRAN-NEXT von Bund-Verlag.

YOU!Magazin für jüngere Zielgruppe

Stephan Schröder, Diözesanjugendpfarrer des Erzbistums Paderborn, findet aber gerade solche liebevoll gemachte Magazine für junge Leute wichtig. Die „die kleine Schwester“ des Melchiormagazins, das YOU!Magazin gibt es seit über 20 Jahren. Schröder hat es für Jugendliche im Jugendhaus Hardehausen abonniert. Wenn es geliefert wird, wären die Jugendlichen immer schon ganz heiß darauf und es sei stets schnell vergriffen. „Katholisch sein kommt oft bieder daher“, sagt er. „Das YOU!Magazin fällt nicht mit der Tür ins Haus. Es bereitet aktuelle und jugendkulturelle Themen ansprechend auf und verbindet sie mit Glauben. Ein ähnliches Magazin würde uns deutschen Bistümern nicht schaden. Da haben uns die Österreicher etwas voraus.“

Zeitgemäß ist auch das Melchiormagazin auf jeden Fall geworden. Selten kommt ein katholisches Magazin so locker und zielgruppenaffin daher; die knapp 80 Seiten sind bis zum letzten Blatt interessant und nicht abgedroschen. Auch auf Facebook hat das Magazin bereits 900 Fans. Von dem Magazin werden sich sicherlich viele katholische Leser angesprochen fühlen – ob das Heft auch für Leute außerhalb der katholischen Kreise interessant ist, bleibt allerdings fraglich. Die zweite Ausgabe des Melchiormagazins ist zum Frühlingssemesterstart 2015 geplant.

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