Es wackelt und schwankt. Einen Getränkekasten nach dem anderen stapeln und erklimmen die Messdienerinnen und Messdiener beim Kistenklettern. Je höher der Turm wächst, desto instabiler wird er. Umso wichtiger dabei: Die Messdienerin auf dem Turm ist nie allein. Eine Teamerin hält immer die Sicherung fest, eine andere reicht die Getränkekisten an. Was allein eine große Herausforderung ist, gelingt und macht Spaß in Gemeinschaft.
Der Jugendhof Pallotti, das Jugendspirituelle Netzwerk TABOR sowie die Dekanate Südsauerland und Siegen haben zum ersten gemeinsamen Messdienertag nach Lennestadt geladen. 150 Messdienerinnen und Messdiener aus der Region folgten dem Ruf und konnten sich an einem bunten Programm erfreuen. Zahlreiche Kreativangebote luden zum Werkeln, Basteln und Gestalten ein. Elf verschiedene Weihrauchsorten und fünf Rauchfässer beim Weihrauch-Schnupperkurs sorgten im Laufe des Tages für einen stetig steigenden Wohlgeruch auf den Wegen und Wiesen vor dem Jugendhof.
Die Malteser boten einen Workshop in Erster Hilfe an und die DLRG sowie ihr Maskottchen Nobbi, die Robbe, luden zur Erkundung ihres Rettungsboots „Westfalen V“ ein. In der Küche bereitete eine Gruppe aus Crêpes, Pudding und Beeren den Nachtisch fürs Mittagessen zu. Die Reels mit den Messdienerinnen und Messdienern aus dem Kurzvideo-Workshop erscheinen auf dem Instagram-Kanal von YOUPAX.
„Als Messdiener kann ich etwas für Gott tun, ihm nah sein und viel erleben“, sagt Janis Noel Ax. Der 16-Jährige ist Messdienerleiter in Irmgarteichen im Siegerland. Eine große Rolle für Janis spielt dabei die Gemeinschaft. „Ohne die Gemeinschaft würde beim Messe dienen etwas fehlen. Es macht immer mehr Spaß, wenn viele Leute da sind.“ Dabei gehe es aber auch um mehr. „Gemeinschaft hat mich auch im Glauben bestärkt, beispielsweise letztes Jahr auf der Ministrantenwallfahrt in Rom. Da habe ich nochmal gemerkt, dass man nicht am Rand steht, dass ich nicht allein bin. Es gibt so viele Messdiener, es gibt so viele Menschen auf der Welt, die an Gott glauben. Man ist durch den Glauben miteinander verbunden, man ist irgendwie verknüpft. Das spürt man an Tagen wie heute. “
„Es gibt immer ein Thema, über das man reden kann. Die anderen sind wie ich. Sie haben oft die gleichen Werte, den gleichen moralischen Kompass. Sie gehen am Wochenende auch in die Messe, sind Messdiener in ihrem Heimatort.“
Janis Noel Ax
Den gemeinsamen Abschluss des Tages bildet die Feier der Heiligen Messe mit Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz. Den Messdienerinnen und Messdienern kann er dabei eine Erfahrung berichten, die er nur wenige Tage vorher bei einem Besuch in Norwegen machte, wo nicht viele katholische Gläubige leben. „Die jungen Leute, die dort leben, müssen stundenlang zum Gottesdienst fahren. Sie haben mir gesagt: ‚Für uns ist die Erfahrung von Gemeinschaft etwas ganz wichtiges.‘ Sie möchten eine Gemeinschaft erfahren, bei der sie spüren: Das trägt mich. Das gibt Halt. Das gibt Kraft. Und das können sie dort finden.“
Diese Gemeinschaft gehe auf Jesus zurück, der auch immer gemeinsam mit anderen unterwegs war. Und dort, wo er nicht selbst hingehen konnte, habe er seine Jünger ausgesandt – immer zu zweit. So sollten die Menschen direkt erkennen, wie die Botschaft Jesu beschaffen ist.
„Es ist eine Friedensbotschaft. Allein unterwegs kann ich viel vom Frieden erzählen und gleichzeitig mit hundert Leuten im Streit liegen. Wenn die Leute aber spüren und erleben, dass die, die da kommen, es ernst meinen und den Frieden selbst leben, dann wird diese Botschaft glaubwürdig. Jesus war es ein Anliegen, dass die Leute durch die Art und Weise, wie die Christen die Gemeinschaft leben, erkennen, wie seine Botschaft ist.“
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz
Auch die Messdiener seien eine große Gemeinschaft, so Erzbischof Dr. Bentz weiter. „Ihr seid nie allein, wenn ihr mit Jesus auf dem Weg seid. Und je größer die Gruppe ist, mit der ihr unterwegs seid, umso schöner ist es. Aber eure Gemeinschaft ist auch eine Berufung, es ist eure Sendung.“ Er ruft dazu auf: „Wenn ihr die Messe dient, sollt ihr auch widerspiegeln, worum es im Gottesdienst geht: um Frieden und Versöhnung, um Gemeinschaft und Einheit, um Liebe, um Achtung und Würde, um Gemeinsamkeit und nie um Ausgrenzung. Das sollen die Leute in euch erkennen, wenn ihr gemeinsam mit Jesus unterwegs seid als Messdienerinnen und Messdiener im Gottesdienst und außerhalb. Dafür braucht es den Glauben jedes Einzelnen.“
Als Symbol für diesen Auftrag könne eine hölzerne Königsfigur von Diakon Ralf Knoblauch dienen, die beim Messdienertag am Altar stand. Erzbischof Dr. Bentz: „Dieser König ist bis auf die Krone eine ganz normale Figur. Er trägt kein prächtiges Gewand, ist ganz schlicht und einfach. Wir können uns alle selbst darin wiedererkennen. Und genau deshalb erinnert er uns daran, dass jede und jeder von uns, weil wir zu Jesus gehören und von Gott aus Liebe geschaffen sind, eine königliche Würde hat. Als Gottes geliebtes Geschöpf haben wir alle eine unverbrüchliche Würde.“ Diese Würde könne und dürfe niemandem genommen werden.
„Zum Glauben gehört neben dem Dienst auch die Innerlichkeit. Betet und erzählt Jesus, was euch berührt und beschäftigt. Glaubt, dass die Botschaft der Würde und der Achtung, für die ihr als Messdiener steht, eine ist, die die Welt braucht: Dienst für Gott und Dienst am Nächsten. Gottesdienst feiern ist kein heiliges Schauspiel, dabei geht es um unser Leben. Was hier geschieht, steht stellvertretend für das, was außerhalb des Gottesdienstes geschehen soll.“
„Die Würde ist die Botschaft, mit der die Jünger von Jesus auf den Weg geschickt wurden, um jedem Menschen zu zeigen: Du bist unglaublich kostbar in den Augen Gottes, weil du von ihm geliebt bist. Davon nicht nur zu erzählen, sondern das selbst auch zu glauben und es in Gemeinschaft zu leben – das ist euer Dienst als Ministrantinnen und Ministranten."
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz
Für Janis war der Messdienertag eine eindrückliche Erfahrung. „Sonst senke ich immer den Altersdurchschnitt in der Kirche und heute habe ich ihn angehoben. Es war sehr erfrischend, dass so viele da waren, die erst ein oder zwei Jahre Messdiener sind.“ Janis, der an den Workshops „Liturgie neu entdecken“ und dem Mini-Quiz teilgenommen hat, möchte viele der Angebote als Anregungen für die eigene Jugendarbeit mit zurück ins Siegerland nehmen. Im nächsten Jahr hat er vor, noch mehr Werbung zu machen, um mit einer noch größeren Gruppe zum Mini-Tag zu kommen.
„Hier merkt man, dass Messdiener-Sein mehr ist als alle drei Wochen in die Kirche zu gehen und Wein und Wasser vorne am Altar abzustellen ist. Messdiener-Sein heißt, mit anderen zusammenzukommen, mit anderen Spaß zu haben und gemeinsam den Glauben an Gott zu zelebrieren.“