Missionar im Jeanshemd
04.12.2013

Missionar im Jeanshemd

JUPA-SOUNDCHECK: Max Herre

Dunkle Locken, Jeanshemd, lässiger Ausdruck und hoffnungsvolle Texte - das kann nur einer sein. Max Herre. Äußert erfolgreich, eine Ikone der deutschen Musiklandschaft. Er hat Stil und Haltung durchgesetzt, so wie es nur wenige schaffen, und das über Jahrzehnte hinweg – auch gegen Trends im Gangster-Hip-Hop.

Wer erinnert sich nicht an das Stück „A-N-N-A“ von Freundeskreis, 1997. Dieser Text, irgendwie romantisch und aufrichtig, man konnte ihn nicht oft genug hören. Dieses Video, im Dschungel, es lief auf MTV und VIVA rauf und runter. Es bedeutete Max Herres musikalischen und kommerziellen Durchbruch. Herre war der Stuttgarter Hip-Hop-Szene und dem Jugendzentrum entwachsen, von da an liebte ganz Deutschland den Stuttgarter.

Zwei Jahre später folgte das zweite Album der erfolgreichen Formation Freundeskreis: mit „Esperanto“ erzählten Max Herre, Don Phillipe und DJ Friction dreisprachig und mit einem tiefschichtigen Stilmix über unseren globalisierten Planeten. Sie verkündeten Botschaften einer vereinten Welt, idealistisch wie Bob Marley.

Seit sechs Jahren gehört Freundeskreis der Vergangenheit an, aber Max Herre ist dennoch so bekannt, dass er nicht mehr nur als Musiker, sondern auch als Musik-Förderer und Kenner auftritt. Der 41-Jährige sitzt in der Jury der Pro 7 Casting-Show „The Voice of Germany“ und arbeitet als Produzent, Komponist und Texter.

Schon vor dem Ende von Freundeskreis heiratete Max Herre Joy Denalane und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Max Herre setzte auf Muse statt Masse, legte eine lange Schaffenspause ein, und brachte als Solo-Musiker von 2004 an im Dreijahrestakt drei Alben heraus. „Ich wollte doch immer nur Musiker sein“, sagte Max Herre.

Sein Ziel war schnell erreicht, denn er ist relativ einfach berühmt geworden - aber beim einfachen Berühmt sein ist es nicht geblieben. Als er nach Berlin zog, wurde er in die Rolle des musikalischen Repräsentanten der Bionade-Boheme gesteckt. Mit seinen Texten des Weltverbesserers galt er als Inbegriff des Gutmenschen. Für Gangsta-Rapper aus Berlin verkörperte er den Warmduscher-Rapper. „Es kann eben auch ein Fluch sein, zu den sogenannten Guten gerechnet zu werden“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Denn was Max Herre mit seiner Musik schafft, ist sich als ehrlichen und verletzlichen Künstler zu präsentieren. Er ist kein Meister der Ironie und Coolness, aber gerade das macht ihn besonders. Er spricht vielen aus der Seele, in dem er positive Worte findet, Hoffnung schöpft und in sein Innerstes blicken lässt.

Sein aktuellstes Album „Hallo Welt“ (2012) ist soulig, gefühlvoll, es geht um den Menschen zwischen Glaube und Rationalität. Herre rappt: „und auch wenn das jetzt nicht katholisch klingt, glaub ich nicht weniger an das ewige Leben, doch eher im Sinn indem wir Kindern unsere Gene mitgeben“. Oder : „Und jetzt steh ich hier im Kegel der Scheinwerfer. Gläserne Seele, wer will den ersten Stein werfen.“ Max Herre kombiniert kritische Texte zu einer schlüssigen Lebenshaltung und entwickelt einen eigenen Weg im Hip-Hop: Wirkung jenseits der Gangster-Ghetto-Szene.

So gesehen lässt sich Max Herre zwar nicht politisch interpretieren, dafür aber spirituell. Seine Texte sind selten konkret, sondern bewegen sich vielmehr im Ungefähren, zwischen Seele, Glauben und Sehnsucht. Er zeichnen einen inspirierten Gegenentwurf zum Hip-Hop Klischee, und steht damit über dem Spott über seine angebliche Leichtgläubigkeit. Damit fordert er den Hip-Hop und seine Hörer ganz anders heraus: Moralisch, musikalisch und intellektuell. Max Herre landete mit „Hallo Welt“ auf Platz Eins der Charts.

Mix