15.06.2021

Lifestyle

Nicht allein auf der Suche

Carina Niehaus über ihren Song „Zieh die Schuhe aus“ für den Vocation Music Award

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von Sophie Kiko

Es ist quasi der Eurovision Song Contest auf katholisch: Momentan läuft deutschlandweit der Vocation Music Award (VMA). An dem Musikwettbewerb für christliche Singer und Songwriter nehmen auch mehrere Künstlerinnen und Künstler aus dem Erzbistum Paderborn teil. Dazu gehört auch Carina Niehaus aus Herne.

Carina Niehaus mit Freund und Bandkollege Andreas

»Ohne Lobpreis gibt's mich eigentlich nicht.«

CARINA NIEHAUS
Teilnehmerin am Vocation Music Award 2021

Carina ist 31 Jahre alt, arbeitet als Kinderkrankenschwester und ist im Lobpreisteam einer Baptistengemeinde in Herne aktiv. Als wir sie zum Interview über Zoom treffen, sitzt sie lachend neben ihrem Freund und Bandkollegen Andi auf dem Sofa in Herne. Bevor wir richtig loslegen, erzählt sie, dass sie in „all das irgendwie reingerutscht“ ist. Schon früher hat sie Musik in Kindergottesdiensten gemacht und ab und zu auch in der Jugendband mitgespielt. In der Musik hat sie ihre Form des Gebets gefunden. Sie muss lachen und sagt: „Ohne den Lobpreis gibt’s mich eigentlich nicht“.

Warum machst du Lobpreismusik?

Mir macht es einfach Spaß. Es ist eine so kreative Art und Weise des Gebets – und es ist schön, zu singen, wenn man mal keine Worte hat. 


Wie bist du auf den Vocation Music Award aufmerksam geworden?

Ich bin über eine Instagram-Anzeige gestolpert, war neugierig und hab mir das mal angeschaut. Ein paar Songs waren schon hochgeladen. Die habe ich mir angehört und fand viele ziemlich cool. Für uns als Lobpreisteam war dann die Sehnsucht groß, in der Lockdown-Zeit mal wieder was auf die Beine zu stellen.


Wie ist der Song entstanden?

Der Song ist in einer Zeit entstanden, in der ich mich selbst gesucht habe. Anfang des Jahres hat mich unser Pastor gebeten, zu einem Gottesdienst nicht nur Lobpreis, sondern auch einen Teil der Predigt beizutragen. Für mich eine unglaubliche Ehre und Verantwortung. Während ich in den Tagen zuvor sehr aufgeregt war und versucht habe, mich darauf vorzubereiten, habe ich mitten in der Nacht meine Gedanken für das Lied zusammengeschrieben. Dann kam auch sehr schnell die Melodie dazu.

Dein Song heißt „Zieh die Schuhe aus“. Der Titel nimmt eine Zeile aus dem Refrain auf, in dem du singst: „Zieh die Schuhe aus, du hast es nicht mehr eilig, denn bei mir bist du zu Haus und der Boden hier ist heilig“. Was verbindest du persönlich damit?

In der erwähnten Phase, in der ich mich selbst, meine Rolle in der Gemeinde, aber auch im Beruf gesucht habe, war ich im Urlaub an der See. Als ich auf das Meer zulief, durch die Dünen, wo der Sand anfängt, habe ich, wie man das so macht, meine Schuhe ausgezogen. Dieser Augenblick hat mich total geflasht. Nicht, weil es dort alles so schön war, sondern weil ich so das Gefühl hatte, dass Gott zu mir sagt, ich soll die Schuhe ausziehen. Für mich übertragen bedeutetet das, dass ich mal runterkommen, nicht so viel laufen oder denken soll. 

Dabei musste ich auch ein bisschen an Mose denken, dem Gott genau das gesagt hat: „Zieh die Schuhe aus, der Boden hier ist heilig.“ Heilig, weil Gott da war, weil Mose in Gottes Gegenwart war. Ich glaube, das kann man auf so viele Bereiche des Lebens ausweiten, in denen man sich einfach immer wieder bewusst machen muss, dass man nicht allein auf der Suche ist, sondern Gott stets da ist. In dem Sinne ist der Boden, auf dem man steht, irgendwie immer heilig.

Carina Niehaus am Strand

»In dem Wissen, nicht allein zu sein, konnte ich zur Ruhe kommen, einfach da sein und mit Gott weitergehen. Eben ankommen, sich wie Zuhause fühlen und die Schuhe ausziehen.«

Carina Niehaus mit Gitarre

Also fühlst du dich ein Stück weit in Mose hineinversetzt?

Ja, die Situationen erscheinen mir gar nicht so unähnlich. Auch Mose war am Anfang ziemlich unsicher, er hat sich und seine Fähigkeiten infrage gestellt. Gott hat ihn weiter ermutigt und begleitet. Am Ende hat das ja auch super funktioniert – trotz aller Zweifel.
So hartnäckig blieb Gott auch bei mir. Als ich mich auf die Bühne stellen, Lobpreis vor der Gemeinde machen und sie anleiten sollte, habe ich auch an mir gezweifelt. Ich bin doch gar kein Bühnentyp, der gern im Mittelpunkt steht und angeguckt wird.
Gott hat auch mich mit diesen Sorgen nicht im Stich gelassen und ich habe es geschafft, meine Bedenken und das ständige Kreisen der Gedanken abzulegen. In dem Wissen, nicht allein zu sein, konnte ich zur Ruhe kommen, einfach da sein und mit Gott weitergehen. Eben ankommen, sich wie Zuhause fühlen und die Schuhe ausziehen. Daran gilt es, sich immer wieder zu erinnern.

Bis zum 30. Juni ist noch Zeit, für deinen Song zu voten. Was macht deinen Song zwischen den vielen Einsendungen besonders und warum sollten junge Menschen für dich abstimmen?

 Da muss ich mal kurz überlegen. Ich glaube im Gegensatz zu vielen anderen Bibelstellen, die schon in vielen Liedern Platz gefunden haben, gibt es noch keinen „Zieh die Schuhe aus“-Song. Was unseren Song besonders macht? Das mag jetzt abgedroschen klingen, aber ich glaube, jeder Beitrag ist auf seine Art besonders. Es gibt so eine unglaubliche Vielfalt in dem Wettbewerb, die man nur schlecht miteinander vergleichen kann. Sicherlich ist es auch Geschmackssache oder kommt auf die Situation des Einzelnen an, in der Lieder mehr oder weniger ansprechen. Also: Hört euch den Song gerne an. Ich freue mich, wenn er euch gefällt oder berührt und ihr für ihn abstimmt. Wenn euch aber ein anderer anspricht, ist das auch völlig okay.

Dann Danke für das Interview und viel Erfolg!

Wenn ihr euch Carinas Beitrag zum Vocation Music Award den Song „Zieh die Schuhe aus“ ansehen und für sie voten möchtet könnt ihr das hier.

Mix