Njeri Weth arbeitet als Solistin, Songwriterin und Gesangspädagogin.
Njeri Weth arbeitet als Solistin, Songwriterin und Gesangspädagogin.
04.09.2019

BODY + SOUL

Durch den Gospel zum Glauben gekommen

Sängerin und Gesangspädagogin Njeri Weth, die einen Workshop bei der „Week of Praise“ in Hemer gibt, im Interview

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von Tobias Schulte

Gospel, Worship, Chorgesang, Orgelmusik, Neues Geistliches Lied – bei der „Week of Praise“ im Dekanat Märkisches Sauerland wird vom 14. bis 22. September an allen Facetten der Kirchenmusik gearbeitet. Den Auftakt macht ein Workshop mit Gesangspädagogin Njeri Weth am 14. September in Hemer. Im Interview spricht die Künstlerin über das Konzept ihres Workshops und warum sie durch die Musik zum Glauben an Gott gefunden hat.

Njeri Weth
Njeri Weth

»Ich möchte all das zum Ausdruck bringen, was mich im Herzen berührt: Spiritualität, die Bibel, das Leben. Die Lieder, die ich schreibe, nenne ich Soul-Pictures. Seelenbilder.«

Njeri Weth
Gesangspädagogin

Frau Weth, es ist 10 Uhr morgens. Heute schon gesungen?
Nein.

Sind Sie keine Unter-der-Dusche-Sängerin?
Ich singe eigentlich zu jeder Tageszeit. Heute Morgen habe ich noch nicht gesungen, weil ich das ganze Wochenende Workshops gegeben und mal die Stille genossen habe. Was ich morgens allerdings immer mache, ist, dass ich auf die Terrasse gehe und den Vögeln zuhöre. Ich konsumiere quasi das Singen der Vögel.

In Ihren Liedern singen Sie unter anderem über Gott und Ihre Beziehung zu ihm. Woher nehmen Sie die Inspiration für die Texte?
Ich möchte all das zum Ausdruck bringen, was mich im Herzen berührt: Spiritualität, die Bibel, das Leben. Die Lieder, die ich schreibe, nenne ich Soul-Pictures. Seelenbilder. Inspiration ziehe ich aus biblischen Texten, vor allem aus Psalmen. Ich singe Psalm-Vertonungen total gern und möchte Texte aus meinem Glaubensleben schreiben, die wie moderne Psalmen sind.
Die andere Quelle für Inspiration sind aktuelle gesellschaftliche und politische Themen. Ich bin Mitglied im Netzwerk gegen Menschenhandel und habe auch ein Lied über Menschenhandel geschrieben.

Menschen mit Musik begeistern

Wie leicht fällt es Ihnen, offen über Ihren Glauben zu schreiben und zu singen?
Da habe ich eine Wandlung vollzogen. Es fiel mir schon immer leicht, zu singen – besonders Lieder mit Substanz zu singen. Ich bin kein Entertainment-Typ, dem egal ist, was die Lieder aussagen. Zum Glauben bin ich aber erst mit Mitte 20 gekommen. Den Ausschlag gab ein besonderer Moment: Ich habe einen Gospel-Song gesungen – und plötzlich kapiert, was ich da singe.

Wie haben Sie das kapiert?
Ich würde es mit dem Gefühl vergleichen, wenn man auf der Bühne steht und plötzlich gehen alle Strahler an. Es war der 12. Dezember 1999, das werde ich nie vergessen. In einem Gottesdienst habe ich den Gospel „I‘m Gonna Keep On Singing“ gesungen. Inhaltlich geht es darum, die Welt wissen zu lassen, dass Jesus uns rettet. Während des Singens habe ich das für mich verstanden. Seitdem singe ich zu 99 Prozent geistliche Lieder, weil ich die Gabe, die Gott in mich gelegt hat, dabei am besten weitergeben lassen kann.

Was hat sich durch den Glauben in Ihrem Leben verändert?
Ich war schon immer spirituell veranlagt und habe gemerkt, dass da noch etwas ist, das größer als ich ist. Ich konnte es nur nie greifen. Seit meiner Bekehrung im Jahr 1999 erlebe ich jeden Tag, dass Gott mich berührt. Da hat sich im Prinzip nur mein Bewusstsein geändert, dass es Gott ist, der mich begleitet. Seitdem bete ich und prüfe die Entscheidungen für mein Leben auch vor Gott: Wie erziehe ich meine Kinder? Welche Werte gebe ich ihnen mit? Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Liebe und den Segen, den ich von Gott bekomme, annehmen und ihn weitergeben kann.

Was möchten Sie mit Ihren Liedern erreichen?
Mit der Glaubensüberzeugung, der Hoffnung, die ich in mir trage, möchte ich Menschen anstecken. Außerdem möchte ich Menschen mit meinen Liedern segnen. Ich bin immer der Typ „Kümmerer“ gewesen, der mit sehr viel Empathie ausgestattet ist. Ich möchte, dass es den Menschen um mich herum gut geht. Mit einem Segenslied kann ich verdeutlichen, dass jeder Mensch wertvoll und wert ist, geliebt zu werden.

Njeri Weth gibt gesangspädagogische Seminare.

Zur Person
Njeri Weth ist 44 Jahre alt. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Spangenberg bei Kassel und hat beruflich drei Standbeine: Die Auftritte als Solistin, die Arbeit als Künstlerin, bei der sie Lieder schreibt und komponiert und CDs veröffentlicht und zum Dritten die gesangspädagogische Arbeit, bei der sie Einzelunterricht sowie Seminare und Vorlesungen an der Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten gibt.

»Die Musik ist alles – wobei es nicht um die Musik selbst geht, sondern darum, wie Musik wirkt: Sie setzt uns in Bewegung, berührt uns, geht an unser Innerstes - und das ist doch die Ebene, auf der man Gott treffen möchte.«

Njeri Weth
Gesangspädagogin

Wie entscheidend ist Musik für die Gegenwart und Zukunft der Kirche?
Die Musik ist alles – wobei es nicht um die Musik selbst geht, sondern darum, wie Musik wirkt: Sie setzt uns in Bewegung, berührt uns, geht an unser Innerstes - und das ist doch die Ebene, auf der man Gott treffen möchte.
Deshalb brauchen wir Musik ganz dringend als ein Element, um Gemeinde und Kirche zu leben. Den einen richtigen Musikstil gibt es dafür nicht, denn heutzutage haben sich die Hörgewohnheiten der Menschen sehr auseinanderentwickelt.

Eines Ihrer Standbeine ist, dass Sie gesangspädagogische Seminare geben – so auch jetzt bei der "Week of Praise" in Hemer. Wie setzen Sie dabei an?
Ich habe das Gesangsinstitut „Singwunder“ gegründet, weil ich denke, dass jeder Mensch ein Wunder Gottes ist – und jeder der singt, ist ein Singwunder. Jede Stimme ist schön, hat eine besondere charakteristische Eigenschaft, die es herauszuschälen gilt. Ich möchte nicht erreichen, dass alle gleich klingen, sondern, dass jeder seine Stimme und seine Freude an der Musik findet. Für mich persönlich ist es wichtig, zu verstehen, wer der Mensch vor mir ist. Welche Message hat er? Denn ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch auf der Welt ist, um sein Leben mit uns zu teilen und davon zu erzählen.

Wie arbeiten Sie dann mit den Sängerinnen und Sängern?
Ich hole die Leute dort ab, wo sie derzeit mit ihrer stimmlichen Entwicklung stehen. Denn meistens genügt aus meiner Sicht ein kleiner Schub, um sich als Singwunder zu entdecken. Entweder muss man dafür am Klang der Stimme oder an der Persönlichkeit der Person arbeiten. In der Regel arbeite ich mit Gruppen mehr am Klang der Stimme und mit Einzelpersonen mehr an der Bühnenpräsenz.

Was möchten Sie den Sängern bei der „Week of Praise“ mitgeben?
Ich werde mit Gospel- und Worship Liedern arbeiten. Es geht mir darum, das musikalische Prinzip hinter den Liedern zu verstehen: das Call-and-Answer-Prinzip des Gospel und die langsame dynamische Steigung des Worship.
Das werden wir dann umdrehen, einen Gospel-Song wie einen Worship-Song aufbauen und andersherum. Ich bin schon gespannt darauf, wie die Teilnehmer das mitmachen. In so einem Workshop ist mir wichtig, dass man sich eingeladen fühlt, Dinge auszuprobieren. Es geht nicht darum, alles richtig zu machen, sondern, dass wir Elemente wie die richtige Atemtechnik erarbeiten, um das eigene Singwunder zu entdecken. Das Wichtigste ist für mich, dass wir gemeinsam lachen, uns gegenseitig inspirieren und Spaß am Musizieren haben.

Weitere Infos zu Njeri Weth: www.singwunder.de

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