Wo Techno ins Gefängsnis führt
29.09.2016

Wo Techno ins Gefängsnis führt

Neu im Kino: „Raving Iran“

Von Caroline von Eichhorn

Der Dokumentarfilm „Raving Iran“ zeigt, wie zwei Elektro-DJ’s im Iran, einem der restriktivsten Länder der Welt, Musik machen.

Mit dem Iran hatte Regisseurin Susanne Meures eigentlich gar nichts am Hut. Doch als sie in einer Meldung von den illegalen Partys erfuhr, von „Sex, Drugs and Rock’n’roll“ in einem der restriktivsten Länder der Welt, wollte sie diese Szene kennenlernen. „Ich hab über Facebook viele junge Leute kontaktiert, die in der Szene sind, bin dann ein paar Wochen später hingeflogen und hab die meisten davon getroffen.“

Die jungen Iraner erzählten Susanne Meures gern etwas zu ihrer Partykultur. Doch bei ihrem Filmprojekt wollten sie nicht mitmachen, denn damit würden sie ihr Leben riskieren. Die iranische Sittenpolizei könnte sie verhaften, ihnen Gefängnisstrafen oder Peitschenhiebe auferlegen. Elektronische Musik ist wie jede andere westliche Musik im Iran streng verboten.

Doch dann hat Susanne Meures die zwei DJs Anoosh und Arash getroffen, die unter dem Künstlernamen „Blade & Beard“ Housemusik auflegen. Sie sagten zu. „Ich habe mitgemacht, weil ich das Filmprojekt unglaublich spannend fand“, sagt Anoosh. „Ich hatte auch keine andere Wahl, weil uns sonst keine Perspektiven für unsere Musik geboten werden.“

So sieht ihre Heimatstadt Teheran aus. Die DJs Anoosh und Arash wissen nicht, wie sie unter dem Regime weiterleben sollen.

Herausgekommen ist der Dokumentarfilm „Raving Iran“. Susanne Meures begleitet die beiden DJs zu einem illegalen Rave in der Wüste, und beim Produzieren und Verkaufen ihres Albums – alles höchst illegal und deswegen höchst problematisch. Deshalb musste die Regisseurin überall enorm aufpassen. „Ich konnte kein professionelles Equipment mitnehmen, denn im Flughafen wird man durchsucht. Deshalb habe ich auf einer Touristenkamera und mit dem iPhone gedreht.“ Es war auch schwierig, das Material aus dem Land zu bekommen. „Ich habe die Festplatten iranischen Studenten mitgegeben, die auf Heimaturlaub waren“, sagt Meures. Nur so war es möglich, durch den Film ungesehene Einblicke in die iranische Techno-Szene zu bekommen.

Schockierend ist die Szene, in der Anoosh und Arash versuchen, ein Konzert offiziell in der Kulturbehörde genehmigen zu lassen. Die Beamtin lacht die beiden aus. Auch eine Druckerei zu finden, ist für die DJs enorm schwierig, weil sich kein Ladenbesitzer in Gefahr begeben möchte – verständlicherweise.

Doch auch wenn der iranische Staat alles tut, um Subkulturen zu unterdrücken, lassen sich Anoosh und Arash nicht davon abhalten, das zu tun, wofür ihr Herz brennt. Und sie sind nicht die einzigen, weiß Anoosh. „Wir haben im Iran einige elektronische Künstler. Aber jeder, der seine Musik in Zukunft machen will, muss fliehen.“

Die Bilder des Dokumentarfilms sind – typisch Handyvideo – verwackelt und schief, der Ton ist oft verrauscht. Aber das ist nebensächlich, weil der Film eine Szene porträtiert, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt. Zwar bleibt bis zum Ende unklar, wie groß der Einfluss der Regisseurin auf den Verlauf der Geschichte ist – aber wer etwas über die politische Dimension elektronischer Musik erfahren möchte, und sich vergegenwärtigen will, dass unsere freie Kultur nicht selbstverständlich ist, der ist bei diesem Film gut beraten.

Mix

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