Rom: Trevi-Brunnen, spanische Treppe, Kolosseum. Die ewige Stadt bietet jede Menge Sehenswürdigkeiten aus vielen Jahrhunderten. Aber ist das alles? Nun ja, rund 70 Studierende der Hochschulgemeinden des Erzbistums – aus Bielefeld, Dortmund, Paderborn und Siegen – suchen mehr, nämlich spirituelle Tiefe. Als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung wollen sie im Heiligen Jahr die Chance nutzen, die Stadt in diesen besonderen 379 Tagen kennenzulernen. Das Heilige Jahr dauert nämlich vom 24. Dezember 2024 bis zum 6. Januar 2026.
Mit jedem Schritt durch die Straßen von Rom, wird ein Stück Geschichte lebendig. Im Schatten der großen Basiliken und entlang der Pfade, die schon von Heiligen und Päpsten berührt wurden, liegen Erfahrungen vor ihnen, die zu hoffnungsbringenden Momenten werden.
Das Programm ist „strong“: Zwischen Stadterkundung, Papstaudienz und der 7-Kirchen-Wallfahrt mit den vier Heiligen Pforten, geht es auch zum Campo Santo – dem deutschen Friedhof mitten im Vatikan – und zur Gemeinschaft Sant'Egidio. Dort erlebt die Gruppe hautnah, wie sich Menschen mit viel Herz für die Armen und Ausgegrenzten einsetzen.
Als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung haben sich auch Lukas, Hannah und Ricarda auf den Weg gemacht. Die persönlichen Begegnungen und Erlebnisse in Rom haben die drei bewegt. Jede Geschichte trägt ihre ganz eigene Note.
Lukas ist 27 Jahre alt, studiert Stadtplanung und ist ein Rom-Fan. Als er vor ein paar Jahren aus China nach Deutschland kam, war der Besuch in der Heiligen Stadt immer ein Traum. Jetzt ist er schon zum dritten Mal dort und fasziniert, was es alles zu entdecken gibt. Er sagt: „Rom ist immer eine Reise wert. Selbst Dinge, die ich schon kenne, fühlen sich diesmal ganz neu und anders an.“
Sein Glaube spielt dabei eine große Rolle – ein Mix aus stillen Momenten und dem Austausch mit anderen bringt ihn weiter: „Wenn ich zur Ruhe komme, entdecke ich Gott im Kleinen und Unscheinbaren – das ist jedes Mal ein starkes Gefühl. Und im Gespräch mit anderen merke ich, wie mein Glaube wächst.“
Und dann entdeckt er noch etwas an sich: „Eigentlich schlafen wir viel zu wenig, aber ich bin nie müde. Meine Aufmerksamkeit ist voll da – wahrscheinlich, weil ich nichts verpassen will!“ Ein echtes Highlight für Lukas: die 7-Kirchen-Wallfahrt – zu Fuß von Kirche zu Kirche – und gleich viermal durch eine Heilige Pforte, das hat ihn richtig bewegt: „Es war mein Ziel, durch alle Pforten zu gehen. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, was es ist, aber es hat mich positiv verändert. Ich fühle mich glücklich und frei!“
Die 7-Kirchen-Wallfahrt ist eine bekannte römische Tradition. Bereits im 16. Jahrhundert machte der heilige Philip Neri diesen Pilgerweg populär. Ziel des Pilgerweges ist es, sieben bedeutende Kirchen der Stadt zu Fuß abzulaufen. Zu den Stationen gehören: 1. Petersdom, 2. Sankt Paul vor den Mauern, 3. Sankt Sebastian vor den Mauern, 4. Basilika von San Giovanni in Laterano, 5. Das Heilige Kreuz in Jerusalem, 6. Sankt Laurentius vor den Mauern und 7. Sankt Maria Maggiore
Hannah studiert Grundschullehramt, ist zwanzig Jahre alt und als Katechetin in der Erstkommunionvorbereitung aktiv – sie liebt es mit den Kids gemeinsam Glaubensspuren zu suchen. In Rom teilt sie mit anderen Studierenden ihre Erfahrungen, die sie verändern und prägen: „Die Erlebnisse und Gespräche, die ich hier in Rom mache, helfen mir auch mit den Kindern nochmal ganz anders in Gespräch zu kommen. Ich hab das Gefühl, ich kann jetzt viel offener über meinen Glauben sprechen.“ Ihre Zeit in Rom ist abwechslungsreich: mal sitzt sie still in einer Kirche und betet, mal ist sie in kleiner Runde unterwegs, mal in der großen Gemeinschaft der Studierenden.
Ein echtes Highlight: die Papstaudienz auf dem Petersplatz. Sie erzählt: „So viele Menschen sind gekommen, um den Papst zu sehen, mit ihm zu feiern und zu beten - richtig beeindruckend!“ Ein weiteres Erlebnis, das sie nicht vergessen wird: gemeinsam mit der Gruppe durch die Heilige Pforte im Petersdom zu gehen: „Als wir gemeinsam mit dem Kreuz in den Petersdom eingezogen sind, dachte ich so: Wow Gänsehaut!“ Auf der Fahrt hat sie aber nicht nur viel erlebt, sondern auch etwas über sich selbst gelernt: zu merken, wie unterschiedlich Menschen auf Ereignisse reagieren. Sie möchte sensibler werden für den Moment – nicht reinquatschen, sondern bewusst hinschauen und die Stimmung anderer wahrnehmen.
Ricarda ist 23 Jahre alt. Studiert Angewandte Theologie in Paderborn. Die Stadt, in der sie im Pauluskolleg und in WGs Menschen kennengelernt hat, mit denen sie über ihren Glauben sprechen kann. Diese Erfahrung konnte sie auch in Rom machen und so fällt ihr Blick auf die Reise positiv aus. Sie freut sich sehr über ihre neuen Bekanntschaften, denn eigentlich sagt sie: „Bin ich ganz schön schüchtern.“ Ricarda nimmt viele Erinnerungen mit nach Hause. Ganz spontan nennt sie das Abendgebet in der Gemeinschaft Sant'Egidio in Trastevere, einem hippen Viertel in Rom. Was den Abend so besonders gemacht hat? Das Vaterunser in unterschiedlichen Sprachen.
Zunächst wird das Gebet auf Italienisch gesprochen, für Ricarda eine fremde Sprache. Doch plötzlich stimmen die Vorbeter das Vaterunser auch auf Deutsch an, für Ricarda ein Gamechanger. Und so erkennt sie eine bis dahin unerkannte Verbundenheit untereinander. Sie sagt: „Auf der ganzen Welt beten Menschen zu Gott. Das verbindet uns.“ Und auch der Papst hat ihr neue Impulse gegeben: „Es ist beeindruckend, welche Nähe der Papst zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen und Nationen weckt. Das ist schön und stärkt mich. Ich weiß, ich bin nicht allein.“
Lukas. Hannah. Ricarda. Drei Menschen. Drei Sichtweisen. Sie zeigen exemplarisch, mit welchem Erfahrungsschatz die siebzig Pilgerinnen und Pilger von ihrer Romreise zurückkehren. So können sie auch in ihrem Alltag zu Hoffnungszeugen des Heiligen Jahres werden.