06.05.2019

Miteinander

"Der Teamgeist steht über allem"

Fußballprofi Lukas Boeder lebt den Traum vieler Kinder

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von Till Kupitz

Der Torwart des SC Paderborn wusste wohl schon, was ihn erwartet. Bevor die tägliche Trainingseinheit beginnt, versammelt sich Leopold Zingerle mit seinen rund 20 Teamkameraden mitten auf dem strahlend grünen Rasen am Trainingszentrum des Fußball-Zweitligisten. Nach einer kurzen Ansprache des Trainers schnappen sich die anderen ohne Ankündigung Bälle und schießen auf ihren Torwart, der in der Mitte des Kreises steht. Viele Treffer, noch mehr Gelächter und Rumgehüpfe. Auch Abwehrspieler Lukas Boeder grinst und freut sich über den Spaß, den sie sich heute alle mit ihrem Mitspieler erlauben. Aus gutem Grund: Zingerle hat Geburtstag und wird deshalb standesgemäß beglückwünscht.

Es zeigt gut, wie eine Fußballmannschaft tickt. Auf und neben dem Platz wird intensiv miteinander gearbeitet, aber auch viel gelacht. Um Erfolg zu haben, muss einer für den anderen kämpfen und ein echtes Team geformt werden. Mit anderen Berufen ist das wohl nur schwer zu vergleichen. Profisportler sind anders, ein normales Leben führt niemand von ihnen. Die Fußballer stehen in der Öffentlichkeit und sind Stars in unserer Gesellschaft. Sie leben den Traum vieler Kinder.

Lukas Boeder auf dem Trainingsplatz.

»Profifußballer zu sein, ist ein Privileg für mich.«

LUKAS BOEDER
Abwehrspieler

"Ich habe mit drei Jahren angefangen, Fußball zu spielen und hatte einfach unheimlich viel Spaß daran", beschreibt Lukas Boeder seine Anfänge. "Das war das, was ich immer machen wollte. Am Anfang spielt man es aber eher, um mit seinen Freunden Spaß zu haben. Du willst einfach Tore schießen.“ Der 22-Jährige fiel früh auf: Schon mit neun Jahren wechselte der gebürtige Essener in die Jugend des FC Schalke 04, eine der Top-Adressen in Deutschland. Als 15-Jähriger wechselte Lukas zu Bayer Leverkusen, unterschrieb dort später seinen ersten Profivertrag. "Ich bin froh, dass es bei mir geklappt hat“, sagt er rückblickend. "Profifußballer zu sein, ist ein Privileg für mich."

Das Paderborner Team - eine eigene Familie.
Das Paderborner Team - eine eigene Familie.
Training mit den Kollegen.
Dehn- und Lockerungsübungen.

Wohin mit der Freizeit?

Zu Beginn des Trainings laufen sich die Paderborner erst mal warm. Sie drehen ein paar Runden auf dem Grün, machen dann ein paar Lockerungs- und Dehnungsübungen. Die Sonne scheint wie im Hochsommer, der kalte Wind weht allerdings wie im Winter.

Es ist kurz nach halb elf, Anwesenheitspflicht am Trainingsgelände besteht eine Stunde vorm Training. Augenscheinlich relativ entspannte Arbeitszeiten. Normalerweise wird etwa fünf Mal pro Woche trainiert, erzählt Lukas, der dank seiner athletischen Figur schon von außen wie ein Profisportler wirkt. Nach vier bis fünf Stunden am Trainingszentrum ist Feierabend - den Rest des Tages können die Profis dann anderweitig verbringen. Klingt gut, ist es aber nicht immer. Denn die freie Zeit könne man gar nicht so gut nutzen.

"Wenn ich an einem trainingsfreien Mittwoch mal zwölf Stunden Freizeit habe, arbeiten meine Freunde meistens. Das ist sehr schwierig zu koordinieren", erklärt Lukas. "Am Wochenende, wenn ich ein Spiel habe, kann ich eigentlich nie etwas machen. Genau da haben dann aber meine Freunde Zeit."

Freunde von früher aus Essen sieht Lukas heute aufgrund der Distanz eher selten. Etwas, das ihn auch schon in seiner Zeit als Jugendspieler begleitet hat. Schon früh musste er erwachsen werden. "Als ich zum FC Schalke gewechselt bin, habe ich ein anderes Leben geführt als noch bei meinem Jugendklub. Ich war mehrmals die Woche trainieren und auch am Wochenende viel unterwegs. Meine Eltern und Freunde haben da nicht so viel von mir mitbekommen." Mit seinem Wechsel nach Leverkusen musste er zuhause ausziehen und die Schule wechseln, bei Turnieren schlief er oft bei Gastfamilien. Schattenseiten auf dem Weg, um seinen Traum leben zu können. Lukas wurde als Jugendlicher sogar Nationalspieler und lief viele Male für die U15- bis U19-Teams der deutschen Nationalmannschaft auf.

Von Gemeinschaft und Freundschaft

Alleine stand Lukas nie da – allein schon durch seine Teamkollegen. "Du knüpfst in einer Mannschaft immer auch ein paar richtig gute Freundschaften", beschreibt er. "Allgemein versteht man sich mit all seinen Mitspieler oftmals sehr gut." Das Mannschaftliche sei "einfach geil. Du bist mit 23 gleich bekloppten Typen zusammen und hast die Möglichkeit, deine Freude und Erfolge mit ihnen zusammen zu erleben und zu feiern."

Fußball und Religion haben vieles gemeinsam.
Fußball und Religion haben vieles gemeinsam.

Als er das sagt, wird deutlich, dass Fußball und Religion in vielen Dingen gar nicht weit auseinander liegen. Insbesondere das Gefühl von Gemeinschaft, das wir zum Beispiel von YOUNG MISSION kennen, verbindet das Christsein mit den Fußballern. Es entstehen starke Freundschaften, gemeinsam glauben wir daran, Teil von etwas Höherem zu sein. Das bereitet uns allen Freude und gibt Sicherheit – im Sport wie im normalen Alltag.

Auch der Fußball zeigt: Du musst an dich und deine Stärken glauben, dann kannst du Großes erreichen. "Wenn du auf dem Platz stehst und nur Angst hast, Fehler zu machen, dann machst du auch Fehler", sagt Lukas. "Wenn du dir aber selbst gut zuredest oder andere das tun, dann spielst du auch besser. Wenn deine Gedankenwelt positiv ist, bringst du bessere Leistungen." Gemeinsam mit den Menschen um dich herum kannst du dann Erfolg haben. Auch Christen sind ein Team: die Mannschaft Gottes. Wenn wir Spieler zusammenhalten, steht niemand alleine da. Wir sind nicht einer, sondern viele. Genau wie Lukas Boeder und sein Team.

Teamgeist bringt Erfolg.
Teamgeist bringt Erfolg.

»Alleine kannst du nicht gewinnen. Du kannst mal eine ganz gute Aktion, ein tolles Dribbling haben, aber alleine nicht die Meisterschaft holen.«

LUKAS BOEDER
Fußballprofi

Und das sieht jeder, der ein Training des SC Paderborn besucht: Die Spieler machen viele Späße miteinander und wissen, dass sie nur zusammen Erfolg haben können: "Alleine kannst du nicht gewinnen. Du kannst mal eine ganz gute Aktion, ein tolles Dribbling haben, aber alleine nicht die Meisterschaft holen", sagt Lukas, der den Teamgeist in der Mannschaft lobt. Auch deshalb sei man vergangenes Jahr von der dritten in die zweite Bundesliga aufgestiegen: "Wir hatten unendlich Spaß, Streitigkeiten wurden direkt beseitigt. Dass es in der Mannschaft stimmt, ist einer der wichtigsten Faktoren im Fußball. Der Teamgeist steht über allem."

Die Paderborner ziehen einander an starken Seilen über den Platz, üben Spielzüge ein und machen unter Anweisung ihres Trainers ein abschließendes Trainingsspiel. Für Lukas und die anderen geht es nach 90 Minuten Spielzeit dann duschen und anschließend gemeinsam Mittagessen. Auch das fördert das Gemeinschaftsgefühl: "Man bleibt nach dem Training auch oft noch eine halbe Stunde sitzen und redet mit dem Teamkameraden", beschreibt Lukas das Teamgefühl. "Es ist keiner beleidigt. Nach Streitigkeiten wird sich immer die Hand gegeben und alles ist wieder gut."

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