Bin ich manchmal auch scheinheilig? Heuchlerisch?
Das frage ich mich, während ich heute das Tagesevangelium lese, in dem Jesus die Schriftgelehrten und Pharisäer kritisiert:
»Ihr Heuchler! Ihr erscheint von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.«
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Untertitel/Zeile
Erst denke ich: Eigentlich nicht. Doch ich möchte genauer verstehen, was Jesus meint.
Jesus sagt zum Beispiel über die Schriftgelehrten und Pharisäer:
„Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, selber aber wollen sie keinen Finger rühren, um die Lasten zu bewegen. Alles, was sie tun, tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden: Sie lieben den Ehrenplatz bei den Gastmählern und die Ehrensitze in den Synagogen und wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt und die Leute sie Rabbi nennen.“ (Mt 23,4-7)
Beim Lesen frage ich mich: Geht es Jesus auch darum, dass Menschen vor anderen besonders gut dastehen wollen – und dabei den Blick für die eigenen Widersprüche verlieren?
Da fällt mir auf: Auch ich kenne Situationen, in denen ich besser als andere dastehen will.
Ich denke daran, wie ich beim Fußballtraining das Gefühl brauche, besser als meine Mitspieler zu sein. Das gibt mir Selbstvertrauen. Andererseits führt es dazu, dass ich viel leichter am Meckern bin, andere innerlich schlechtmache und mich über jemanden aufrege, wenn er einen Fehlpass spielt, statt hinterherzulaufen und für ihn den Ball zurückzugewinnen.
Ich denke ans Thema Geld. Wenn ich die Gehaltsabrechnung kriege, kommt es immer wieder vor, dass ich recherchiere, wie gut mein Gehalt im Vergleich zu anderen ist.
Oder das Thema Nachhaltigkeit. Da ist es mir wichtig, dass ich möglichst viele Lebensmittel aus dem eigenen Garten esse – und erwische mich dabei, wie ich plötzlich auch andere daran messe. Dabei bin ich selbst keineswegs konsequent, was mir immer wieder auffällt, wenn ich sehe, wie viel Verpackungsmüll sich bei uns in einer Woche stapelt.
Ich frage mich: Warum brauche ich dieses Gefühl, besser als andere zu sein? Geht es darum, dass ich mich gesehen, angenommen, wichtig fühle?
Ich glaube: Das spielt eine große Rolle.
Und das, obwohl ich doch eigentlich weiß, dass ich meinen Wert nicht dadurch herstellen muss, dass ich besser als jemand anderes bin. Ich darf glauben, dass ich von Gott schon gesehen und bedingungslos angenommen bin. Auch viele Menschen in der Familie und im Freundeskreis übermitteln mir das Gefühl, dass sie mich mögen wie ich bin.
Wenn das so ist und ich es so annehmen kann, muss ich andere nicht kleinmachen, um selbst groß zu sein. Ganz im Gegenteil. Ich kann meine Schwächen, inneren Widersprüche und verletzlichen Seiten zeigen statt sie zu überspielen. Weil ich auch und gerade mit meinen Schwächen darauf vertrauen darf, dass Gott mich sieht und annimmt.