Motiv des Kalenderblatts für den September
01.09.2021

Holy Heroes 2021

Sci vias - Wisse die Wege

Hildegard von Bingen

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von Miriam Pawlak

Fragst du dich nicht auch ab und zu: Was macht mich so besonders? Habe ich etwas Spezifisches, das ich auch nach außen zeigen kann und will?

Habe ich eine Einstellung, einen Lebensstil, eine bestimmte Fähigkeit? Ein Merkmal, etwas, das zu mir gehört und von dem ich überzeugt bin: Das bin „Ich“?

Ich habe mir diese Fragen gestellt, weil ich lange Zeit total unsicher war, ob mich eine besondere Gabe prägt oder ob ich eher einen Arzt brauche. Ich konnte Dinge sehen, die sonst niemand gesehen hat. Ich meine damit keine Halluzinationen, es waren vielmehr aufschlussreiche Entdeckungen über die biblischen Schriften und Visionen über Menschen aus meinem Umfeld, die mir eingegeben wurden.

Ich glaubte schon daran, dass sie vom Heiligen Geist kamen, aber ich brauchte Klarheit.

Womit habe ich das verdient?

Hildegard von Bingen

Deswegen habe ich mich Geistlichen anvertraut. Meine erste Anlaufstelle war mitunter Bernhard von Clairvaux. In einem Brief schrieb ich einfach runter, was mit mir los war, was mich im Innersten beschäftigte, und wie er dazu stünde, um endlich Gewissheit zu bekommen.

Nicht nur er beruhigte mich und glaubte meinen Visionen und allem, was vor meinem inneren Auge vor sich ging, sondern auch Papst Eugen III. attestierte mir dieses Sehen als göttliches Geschenk. Das hat mich mega bestärkt, denn ich dachte fast schon, ich sei verrückt.

Wieso ausgerechnet ich, habe ich mich gefragt. Womit habe ich verdient, mit dieser – im wahrsten Sinne des Wortes – Geistesgabe beschenkt zu sein, dachte ich immer. Ich war das zehnte Kind einer normalen Familie. Naja, vielleicht nicht ganz so normal.

Shooting Star

Ich hatte dieses innere Sehen, diese innere Schau schon im Kindesalter. Gott ließ nicht ab von mir und ließ mich nie los. Sonst hätte ich es nie so weit gebracht als gelehrte Benediktinerin. Ich schrieb vieles nieder, was im 12. Jahrhundert ungewöhnlich war für eine Frau.

Ich hatte es echt nicht immer leicht. Aber die Bestätigung des Papstes hat mir den Kick gegeben, den ich brauchte, um meine Gottesbeziehung öffentlich zu machen. Ab da wurde ich sowas wie der Shooting Star unter den theologischen Universalgelehrten des Mittelalters.

Aus der Beziehung zu Gott schöpfe ich meine ganze Kraft. Ich bin stolz darauf, sein Geschöpf zu sein. Aber mir ist es nicht wichtig, im Mittelpunkt zu stehen.

Kennst du deinen Weg schon?

Meine ganze Aufmerksamkeit widme ich Gott im Gebet und im Schreiben, was für mich auch eine Ausdrucksform des Lobpreises ist. Ich fühle Gott ganz besonders in der Natur. Er ist der Schöpfer dieser einzigartigen Welt. Mein Herz und Verstand sind vom göttlichen Geist durchdrungen.

Ich weiß meinen Weg mit Gott zu beschreiten. Damit andere Frauen und Männer nachempfinden können, wie das so ist, habe ich ein Buch mit dem Titel sci vias – das heißt – Wisse die Wege hinterlassen.

Darin sind einige meiner Visionen niedergeschrieben. Vielleicht findest du das immer noch ein bisschen crazy, aber ich bin fest davon überzeugt: Auch du bist dazu aufgerufen, dich daran zu erinnern, wer du bist. Denke daran, dass jeder und jedem von uns Geistesgaben innewohnen, bei denen Gott sich etwas gedacht hat.

Was sind deine Charismen? Erntest du schon die Früchte oder brauchst du noch mehr (Glaubens-)Dünger für gesundes Wachstum und den Reifeprozess? Kennst du deinen Weg schon? Vielleicht ist es Zeit, dass du in diesem Monat mal ganz bewusst darüber nachdenkst, wohin dein Weg führt. Wo begegnet dir Gott und wo gehst du ihm entgegen?

Mix