Junge Menschen aus Iserlohn sprechen beim Diözesanen Forum.
Junge Menschen aus Iserlohn sprechen beim Diözesanen Forum.
23.10.2021

Perspektive

So war's beim Diözesanen Forum

Wie junge Menschen bei der Zukunft der Kirche mitreden

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von Tobias Schulte

Die gute Nachricht vorweg: Die Zukunft der Kirche liegt in vielen Händen. Auch in deinen. Das letzte Wort haben in der katholischen Kirche nach wie vor die Bischöfe, klar. Aber wie wichtig ist das letzte Wort, wenn es davor auch viele Freiräume, Chancen und Entscheidungen gibt? Und wenn es viele Menschen gibt, die dabei mitreden, auf welchem Kurs das Schiff Kirche segelt?

Mitreden, sich austauschen, neue Perspektiven erfahren – genau das haben am Samstag, 23. Oktober 2021., 650 Menschen im Erzbistum Paderborn beim Diözesanen Forum erlebt. Verteilt auf sechs Standorte und an Bildschirmen. Wir haben junge Menschen in Werl begleitet und von ihrer Frustration und Hoffnung erfahren.

Zur groben Einordnung: Das Diözesane Forum ist eine Veranstaltung, zu der Erzbischof Hans-Josef Becker eingeladen hat. Es geht um die Zukunft der Kirche im Erzbistum Paderborn. Entscheidungen werden nicht getroffen, vielmehr geht es um den Austausch zwischen Bistumsleitung und Basis. Und zwischen den Menschen, die sich an den verschiedenen Orten einbringen. Das Forum steht nicht für sich. Es ist ein Meilenstein auf dem Diözesanen Weg 2030+, der großen Entwicklungs-Perspektive für das Erzbistum Paderborn.

Die Teilnehmenden beim Diözesanen Forum am Standort Werl.
Die Teilnehmenden beim Diözesanen Forum am Standort Werl.

Von Transformation und Widerstand

Die Teilnehmenden verfolgen den Livestream aus Paderborn.
Die Teilnehmenden verfolgen den Livestream aus Paderborn.

So wie der Erzbischof werden an diesem Tag noch einige Menschen über Veränderung, Optimierung und Transformation in der Kirche sprechen. Genauso über Widerstand innerhalb der Kirche und Irrelevanz in der Gesellschaft.

Nach gut einer Stunde Zuhören heißt es in Werl: Reden, sich austauschen. An zwölf Stehtischen verteilen sich die Haupt- und Ehrenamtlichen. Es geht zunächst um das Bild von Kirche, das maßgeblich für die Zukunft ist. Die Gespräche an den Tischen zusammenzufassen, wäre äußerst gewagt. Noch schwieriger ist es, sie auf einen Nenner zu bringen.

Deshalb einige Fetzen: Es geht um Willkommenskultur, um Räume für existenzielle Gespräche und ein fehlendes Wir-Gefühl. Darum, dass Ehrenamtliche manche Chancen nicht ergreifen. Auch, weil sie denken, dass sie erst einen Priester um Erlaubnis fragen müssen. Außerdem fallen Sätze wie: „Klimawandel – wo sind wir da als Kirche?“. Oder: „Kirche muss sich von der Welt belehren lassen“.

Im Eingangsbereich der Werler Stadthalle treffen wir Thomas Klon aus Welver. Er ist als Messdienerleiter, Küster und im Technik-Team engagiert. Thomas holt sich einen Kaffee, bevor das Programm startet. Er kann sich noch nicht so richtig vorstellen, was heute auf ihn wartet.

Das Gewimmel legt sich langsam. Begleitet von Klaviermusik nehmen in Werl alle ihre Plätze ein. Das Diözesane Forum beginnt mit einem Livestream aus Paderborn. Zum Beispiel tritt Erzbischof Hans-Josef Becker vor die Kamera. Er erzählt, dass ihn schon seit seinem Amtsantritt im Jahr 2003 die Frage beschäftige, wie „wir aus dem Evangelium heraus eine Kirche sein können, die für die Menschen da ist und zur Ehre Gottes“. Er spricht von einem Weg des „Wachsens und Lernens“. Und von der Kraft der Veränderung.

Diözesanes Forum in Werl
Diskussion beim Diözesanen Forum.
Diskussion beim Diözesanen Forum.

Die Stunde der jungen Menschen

Nach einer Stunde Diskussion an den Stehtischen schlägt die Stunde der jungen Menschen. Der Moderator spricht gezielt die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Raum an. Ein junger Erwachsener kritisiert: „In den meisten Gesprächen ging es nicht darum, wie wir Menschen helfen können, ihren Glauben zu leben“. Andere berichten davon, dass sich junge Menschen ihren Platz in der Kirche erkämpfen müssen. Darauf antwortet eine junge Erwachsene, dass sie sich eine Kirche wünscht, in der Junge und Alte gemeinsam ihren Glauben leben.

Am Nachmittag wird es konkreter. Die Haupt- und Ehrenamtlichen tauschen sich darüber aus, wie sie ihre Arbeit vor Ort neu ausrichten können. Statt auf Veränderungen oder Entscheidungen von oben zu warten geht es also darum, was jeder und jede Einzelne tun kann. Helena Minner ist ehrenamtlich aktiv in Sundern. Sie gestaltet vor allem das junge Gottesdienstformat „N8schicht+“.

Für sie sei klargeworden, dass es solche Formate verstärkt brauche – und dass Kirche Menschen auf möglichst vielen Wegen begegnen sollte. Ob mit einem Sofa in der Innenstadt oder mit Impulsen auf dem Wanderweg rund um den Sorpesee. Helena sagt, dass ihr das Diözesane Forum viel Mut gegeben habe: „Im Austausch entdeckt man das Warum wieder ganz neu“.

Marwin Nowak spricht beim Diözesanen Forum.
Marwin Nowak spricht beim Diözesanen Forum.
Helena Minner redet in einer Kleingruppe.
Helena Minner redet in einer Kleingruppe.

Das Diözesane Forum schließt mit einem stummen Stimmungsbild. Alle Teilnehmenden können eine rote, gelbe oder grüne Karte zeigen. Thomas Klon aus Welver streckt die grüne Karte in die Luft. Er sagt: „Am Anfang war ich schon skeptisch, doch dafür bin ich positiv überrascht worden“. Ihm ist aufgefallen, dass er einige Probleme, über die in seinen Gruppen gesprochen wurde, aus seiner Pfarrei nicht kenne. Dann sagt Thomas: „Der Tag hat mir Motivation gegeben, mehr mitzuwirken als bisher“.

Marwin Nowak aus Iserlohn zeigt die gelbe Karte. Für ihn war der Wechsel aus Austausch vor Ort und dem Livestream aus Paderborn nicht stimmig. Doch dafür habe er viele Ideen aus anderen Pastoralverbünden mitgenommen. Zum Beispiel, die Vorbereitung auf Kommunion und Firmung mehr zu verbinden. Und persönlich? Marwin sagt: „Ich habe zum ersten Mal so viele Menschen getroffen, die auch etwas in der Kirche bewirken möchten. Das hat mich geflasht“. Die Zukunft der Kirche liegt eben in vielen Händen. Auch in deinen.

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