Finja Miriam Weber ist Teil des Synodalen Weges
09.05.2020

Perspektive

"Wir sind die Kirche von morgen"

Finja Miriam Weber möchte, dass die katholische Kirche moderner und aktueller wird.

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von Till Kupitz

Mit Wangerooge verbindet Finja Miriam Weber etwas ganz Besonderes. Schon als Baby haben ihre Eltern sie zum Urlaub auf die Nordseeinsel mitgenommen, seitdem ist sie fast jährlich mindestens einmal dort. Seit einigen Monaten lebt die gebürtige Paderbornerin nun sogar fest auf Wangerooge. Nicht, um Urlaub zu machen, sondern für ihr Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kurklinik für Mütter, Väter und Kinder im Vorsorgebereich. Wangerooge – für Finja Miriam eine zweite Heimat. Und der Ort, an dem sich ihr Glaube im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat.

„Was mich immer wieder im Glauben bestärkt hat, ist vor allem meine Tätigkeit in der Urlauberseelsorge hier auf Wangerooge“, erzählt die 19-Jährige. „Ich habe gemerkt, dass Leute aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen dabei hier auf der Insel zusammenkommen und ihren Glauben gemeinsam leben.“ Mit 15 Jahren entschied sie sich deshalb, zum ersten Mal bei der Urlauberseelsorge auf Wangerooge als Teammitglied mitzumachen. Gottesdienste, Spiel- und Bastelangebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsenen und Familien, Tee- oder Kaffeestunden oder sogar meditative Nachtwanderungen stehen dann für drei Wochen auf dem Programm. Sich dabei ausleben zu können, das ist Finja Miriam wichtig, betont sie. Gerade wenn es um ihren Glauben und die Gemeinschaft geht. „Sich mit anderen Menschen austauschen und einen Rückhalt haben - das ist ein schönes Gefühl.“

Finja Miriam Weber am Strand von Wangerooge

"Etwas, das ich total schätze"

Ihr Glaube war Finja Miriam schon immer wichtig. Auch weil er „immer präsent war“, wie sie beschreibt. Durch ihre Eltern kam sie schon früh mit der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) in Kontakt. Von Wölfling bis Rover hat sie alles mitgemacht, später auch als Roversprecherin als Mitglied der Leiterrunde die Planungen mitgestaltet. Durch ihr FSJ auf Wangerooge ist Finja Miriam jetzt zwar „etwas auf Abstand“, doch es ist klar: Wenn sie, nach dem Sommer, wieder auf dem Festland wohnt, will sie sich auch wieder bei den Pfadfindern verstärkt engagieren. Denn die Zeit dort hat ihr immer wichtige Impulse gegeben.

„Es ist auf jeden Fall eine tolle Gemeinschaft, die man dort von kleinauf miterlebt“, erzählt Finja Miriam. „Man teilt viele Aktionen mit Leuten, die man kennt. Jeder wird so angenommen, wie er ist – und jeder darf sich einbringen, wie er ist: Das ist etwas, das ich total schätze.“

In Gesprächen untereinander spielte auch der Glaube immer wieder eine Rolle. Finja Miriam erzählt von einer Freundin, die erstmal kein großes Interesse an der Kirche hatte – aber auf die Lagergottesdienste bei den Pfadfindern habe sie sich aber jedes Mal gefreut. Weil die ansprechender und eben so anders gestaltet seien, meint Finja Miriam. „Mit dem Glauben, wie wir ihn bei den Pfadfindern einfließen lassen, damit können die Leute dann etwas anfangen. Das hat auch mich geprägt. Ohne Pfadfinderschaft wäre ich in vielen Dingen nicht so offen und engagiert.“

»Es muss eine Stimme für die Jugend geben. Denn wir sind die Kirche von morgen.«

FINJA MIRIAM WEBER
über ihre Teilnahme an Synodalen Weg

Bei Lagerfeuer und Lagergottesdiensten findet auch der Glaube seinen Platz.

Vom Wölfling bis zum Leiter können sich alle gleichermaßen einbringen: Was die 19-jährige Paderbornerin an den Pfadfindern so mag, „das fehlt der Kirche noch ein wenig“, sagt sie. „Manchmal würde ich mir wünschen, dass einige Strukturen, die die Jugendverbände leben, mehr bei der ganzen Kirche mit eingebracht werden.“

Die Sprache der Kirche soll einfacher werden

Auch deshalb ist es Finja Miriam wichtig, beim Synodalen Weg als eine von drei Unter-Dreißigjährigen aus dem Erzbistum Paderborn mit dabei zu sein und über die Zukunft der Kirche zu diskutieren. „Es muss eine Stimme für die Jugend geben. Denn wir sind die Kirche von morgen“, sagt sie. Schließlich sei es unsere Generation, die in den nächsten 30 oder 40 Jahren die Kirche weiter maßgeblich gestalten werde.

Wofür sie sich dabei besonders einsetzen will? Gleichberechtigung in allen Belangen, eine stärkere Rolle der Frau und einer Gleichstellung in allen Kirchlichen Bereichen,, mehr Offenheit und Transparenz und keine Vertuschungen mehr. „Würde die Kirche offener sein und mehr von diesem ‚Wir sind alle auf Augenhöhe‘-Gefühl vermitteln, würde sie auch in der Gesellschaft anders wahrgenommen“, glaubt Finja Miriam. „Bei den Pfadfindern ist es egal, wo man herkommt und es wird eine Sprache gesprochen, die alle verstehen“, gibt die 19-Jährige als Beispiel. „Kirche hingegen spricht oft eine Sprache, die heutzutage nicht mehr von allen verstanden wird. Wenn man dadurch schon von vornherein Menschen von dem Glauben der katholischen Kirche ausschließt, finde ich das schwierig.“ Das sprachliche Niveau der Kirche, in der auch Dokumente verfasst werden, sei immer „sehr hoch ausgedrückt“, auch Glaubenshilfen würden so nur schwer verständlich für die allgemeine Gesellschaft.

Finja Miriam Weber bei einem Treffen des Synodalen Weges

Ein Schritt nach vorne

Die Kirche müsse sich an die heutige Zeit noch besser anpassen und einen Schritt nach vorne machen, sagt Finja Miriam. Aktuell und modern sein, das sollte für eine Kirche, die „auf dem Weg ist und mit den Menschen leben möchte, normal sein. Dies kann gelingen, ohne die Kirchlichen Wurzeln und das Evangelium als Glaubensgrundlage aus den Augen zu verlieren. Dazu braucht es jetzt noch eine ordentliche Anschubhilfe“, hat Finja Miriam im Gefühl. Gottesdienste könnten noch öfters auch auf Jugendliche abgestimmt sein, und wenn es erstmal nur um Lieder und Musik geht. „Auch wenn es dann irgendwo die ersten drei Male nicht so laufen sollte“, sagt Finja Miriam. „Beim vierten Mal hat es sich dann vielleicht rumgesprochen und wird gut angenommen. Solange der Kern des Gottesdienstes nicht verloren geht, sollte es ruhig kreativer werden. Dabei sollte der Gottesdienstleiter mit Freude den Gottesdienst gestalten und jeden einzelnen durch sein Tun begeistern und ansprechen.“ Eine Kirche, die sich anpasst, sei nichts Schlechtes, sondern drücke aus, dass sie mutig ist und mit den Menschen deren Zeit leben möchte.

»Ein Gottesdienst gibt mir in meinem Wochenrhythmus eine Stunde, in dem ich für mich sein kann, meine Ruhe habe, durch das Evangelium und die Predigt aber trotzdem Impulse bekomme und mitten in einer Gemeinschaft bin.«

FINJA MIRIAM WEBER

Finja Miriam selbst geht gerne in den Gottesdienst – „es ist eine Stunde, die ich sehr genieße“ – und ist seit vielen Jahren bei den Messdienern im Einsatz. Für sie gehört das am Sonntagmorgen mit dazu, „weil es mir eine Stunde gibt in meinem Wochenrhythmus, in dem ich für mich sein kann, meine Ruhe habe, durch das Evangelium und die Predigt aber trotzdem Impulse bekomme und mitten in einer Gemeinschaft bin“.

Auch auf Wangerooge, das in den vergangenen Wochen wegen des Coronavirus fast komplett vom Festland abgeschottet war, geht Finja Miriam fast täglich in die Kirche. Als Messdienerin wird sie bei ihren Aufgaben von einem kleinen Mädchen, das sich dafür begeistert, unterstützt. „Wenn wir abends mit unserem Pastor zum Altar kommen, dann müssen die Leute immer schon total grinsen, weil wir so ein bunter Haufen sind mit meiner vierjährigen, kleinen Freundin und unserem Pastor hier und mir“, erzählt Finja Miriam mit einem Lachen. Das zeige auch: Kirche und Glaube sind vor allem das, was die Menschen daraus machen: „Ich glaube, dass Kirche nicht nur von einer Person leben kann, sondern nur von ganz vielen, die sich einbringen. Wenn sich viele einbringen, wird es bunt. Und dann ist auch für jeden etwas dabei.“

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