Ivo Kanz an der Orgel.
Ivo Kanz an der Orgel.
17.03.2019

Heimat

Traumberuf Organist

Ivo Kanz begeistert mit musikalischen Improvisationen

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von Natalie Junghof

In der Kirche ist es still. Die Hochzeitsgäste blicken zur Eingangstür. Die Orgel ertönt. Das Lied „Pachelbel Kanon“ ist zu hören. Ein Hochzeitsklassiker im Liederrepertoires eines jeden Organisten. Die anwesenden Gäste spüren Gänsehaut. Am Eingang erscheint das Brautpaar und geht zum Altar. Es genießt den Moment – sie brechen auf in einen neuen Lebensabschnitt. Die musikalische Begleitung ihrer Trauung ist entscheidend für die Atmosphäre und beschert ihnen an diesem einzigartigen Tag Momente des Glücks.

Musik sorgt für Gänsehaut-Momente

Bei dieser kirchlichen Trauung sitzt Ivo Kanz an der Orgel. Der Platz an der Orgel ist sowas wie seine Heimat. Er ist verantwortlich für die musikalische Begleitung und zahlreiche Gänsehaut-Momente. Wie vielseitig die Klänge der Orgel sein können, das hat Ivo schon als Kind fasziniert.

Talentierte Hände von Organist Ivo Kanz.

Der 26-jährige ist Student und Berufsmusiker. Er studiert Katholische Kirchenmusik mit dem Vertiefungsfach Orgel an der Hochschule für Musik in Detmold. Mit sieben Jahren ging er zur Musikschule. Mit zehn Jahren bekam er von einem Familienangehörigen eine Orgel geschenkt. Als er zur Kommunion ging, begann seine Leidenschaft für die Orgel. Einige Musikunterrichtsstunden später spielte er erstmals an eine große Kirchenorgel: die Orgel der St. Thomas Morus Kirche Bielefeld-Sennestadt stand ihm zur Verfügung. Er spielte zunächst alle Freitagsmessen. Später übernahm er auch die Gottesdienste an Samstagen und Sonntagen. Mittlerweile gibt Ivo Konzerte in zahlreichen Kirchen des Erzbistums Paderborn und finanziert dadurch seinen Unterhalt. Dabei ist der junge Musiker erfolgreich: 2009 gewann er den zweiten Preis bei "Jugend musiziert" auf Bundesebene.

»Meine persönliche Heimat habe ich in der Musik gefunden.«

Seinen Beruf empfindet Ivo als Berufung: „Mein Glaube hat mich sehr geprägt. Die Kombination aus starkem Glauben, katholischer Kirchenmusik und meiner Leidenschaft für die Orgel ergänzen sich“. Als spirituelle Inspirationsquelle beschreibt Ivo seinen Glauben, der ihn zu zahlreichen Orgelimprovisationen befähigte. „Ich spüre eine besondere Kraft in mir, wenn ich Orgel spiele“, sagt der Bielefelder.

Durch die große Flexibilität arbeiten Organisten in unterschiedlichen Ländern und geben Konzerte in der ganzen Welt. Sein erstes Auslandskonzert gab er im kroatischen Split. „In der Kathedrale von Split zu spielen, war etwas ganz Besonderes, da meine Wurzeln in Kroatien liegen“, sagt Ivo. Seine Mutter kommt aus dem Umland von Split. Er ist in Deutschland geboren und ist zweisprachig aufgewachsen. „Meine persönliche Heimat habe ich in der Musik gefunden – und die ist international“, sagt der 26-Järhige.

Ein Beruf als Berufung: Ivo Kanz als Organist.

Was viele nicht wissen, die meisten Organisten leben von der Musik. Das heißt, dass sie als professionelle Musiker den Beruf ausüben und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Für Organisten gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Sie arbeiten als angestellte Kirchenmusiker bei einem Bistum oder als freiberufliche Musiker, sind in Musikhochschulen tätig oder als Hochschuldozenten im Einsatz. Ivo hat sich für die Freiberuflichkeit entschieden. Seinen Beruf findet er abwechslungsreich: „Ich habe viel Kontakt zu Menschen, bin häufig unterwegs, spiele in zahlreichen Kirchen und werde für Konzerte und Feiern gebucht“. Neben der Arbeit im Pastoralverbund Bielefeld-Süd spielt Ivo auf Beerdigungen, Trauungen und Konzerten. Er ist Chorleiter und Dirigent beim Männerchor Schloß Holte und dem Gesangsverein Isselhorst. Das alles bewältigt er neben dem Studium.

»Die Orgel ist ein vielfältiges Instrument, das Jugendliche kennenlernen sollten«

IVO KANZ
Student und Organist im Erzbistum Paderborn

Nach seinem Masterstudium träumt Ivo von einer Anstellung als Organist in einer Stadtkirche. Er kann sich auch vorstellen, ins Ausland, wie in die USA oder Schweiz, zu gehen: „Der internationale Durchbruch wird mir in Sennestadt wahrscheinlich nicht gelingen“, sagt er und lacht. Er bedauert, dass es in zahlreichen Gemeinden nicht viele und ausgebildete Organisten gibt. Dabei mangelt es nicht an hauptamtlichen, sondern nebenamtlichen Organisten, die in den Kirchen spielen. Die Nachwuchsförderung ist seiner Meinung nach wichtig. Er fördert seine Musikschüler und Freunde, wie den 19-jährigen Nils Lange aus der St. Kunigunde Kirche, der Ivo auch bei Auftritten als Assistent unterstützt. „Die Orgel ist ein vielfältiges Instrument, das Jugendliche kennenlernen sollten“, sagt Ivo. Er überrascht deshalb sein Publikum häufig mit Orgelimprovisationen und zeitgenössischer und unkonventioneller Musik.

Das nächste Konzert von Ivo Kanz findet am 7. April 2019 um 17 Uhr in der St. Kunigunde Kirche Bielefeld statt.

Talentierter Musiker Ivo Kanz.
Talentierter Musiker Ivo Kanz.

Der 26-jährige Ivo Kanz ist seit seinem zehnten Lebensjahr Organist in der St. Thomas Morus Kirche Bielefeld-Sennestadt. 2009 gewann er den zweiten Preis bei "Jugend musiziert" auf Bundesebene. 2010 legte er das C-Examen zum nebenberuflichen Kirchenmusiker ab und begann mit seinem Studium im Hochbegabtenzentrum Detmold an der Hochschule für Musik. Zurzeit studiert er im Master Katholische Kirchenmusik mit dem Vertiefungsfach Orgel. Seit 2015 leitet er den Männerchor 1905 Schloß Holte und dirigiert den Gesangsverein Isselhorst.

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