Der Friedhof – ein Ort des Gedenkens
Der Friedhof – ein Ort des Gedenkens
13.05.2019

Body & Soul

Umgang mit der Trauer

"Um einen geliebten Menschen zu trauern, ist etwas ganz Persönliches."

von  Anna Petri

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, so bleiben die Angehörigen trauernd zurück. Neben dem Schmerz über den Verlust werden sie häufig direkt mit einer Vielzahl bürokratischer Herausforderungen konfrontiert. Welche Form der Bestattung wünschen sich die Angehörigen, wer kümmert sich um die Organisation der Beerdigung? Weitere Menschen müssen informiert werden und natürlich ist da auch noch der Nachlass, der in vielen Fällen geregelt werden will. Bei all den Aufgaben wird leicht vergessen, dass hinter jedem Verstorbenen die Menschen stehen, die ihren Verlust erst einmal überhaupt begreifen müssen. Ein Mensch, mit dem sie vor kurzem noch gemeinsam gelebt haben, ist nun für immer von ihnen gegangen. Sein Tod verändert das Leben der Angehörigen dauerhaft. Ich selbst habe das vor einiger Zeit erlebt. Mein Vater ist im vergangenen Sommer nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Meine Mutter, mein Bruder und ich haben nicht damit gerechnet, umso schwerer hat uns der Verlust getroffen. Trotz der Trauer wurde unsere Familie mit vielen bürokratischen Herausforderungen konfrontiert. Dabei begannen wir gerade erst zu begreifen, was überhaupt passiert war.

Wenn ich während der Zeit eines gelernt habe: Die Verarbeitung des Verlustes, der Umgang mit der Trauer, darf auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Kerze

»Um einen geliebten Menschen zu trauern, ist etwas ganz Persönliches. Es ist ein vollkommen individuelles Gefühl und kann nicht pauschalisiert werden. Denn so verschieden wie wir Menschen sind, so unterschiedlich gehen wir auch mit Trauer und Verlust um.«

Walter Schindler
Diakon

Trauerarbeit – ein Prozess

In dieser Zeit der Trauer hat mir sehr geholfen, dass ich nicht allein gewesen bin. Meine Familie und ich haben fest zueinander gestanden und uns gegenseitig durch die Trauer getragen. Verbunden hat uns die Erinnerung an einen geliebten Menschen und die Hoffnung, dass wir ihn eines Tages im Himmel wiedersehen. Unterstützt hat uns auch der Diakon unserer Kirchengemeinde, Walter Schindler, der für die Trauerarbeit und Seelsorge verantwortlich ist. Zu seinen Hauptaufgaben gehört es, trauernde Gemeindemitglieder zu begleiten und sich um die Beerdigungen zu kümmern. Von ihm stammt auch ein, wie ich finde, sehr wertvoller Rat zum Umgang mit der eigenen Trauer. „Um einen geliebten Menschen zu trauern, ist etwas ganz Persönliches. Es ist ein vollkommen individuelles Gefühl und kann nicht pauschalisiert werden. Denn so verschieden wie wir Menschen sind, so unterschiedlich gehen wir auch mit Trauer und Verlust um.“

Daher ist es enorm wichtig, seinen ganz persönlichen Zugang zum Umgang mit der eigenen Trauer und zur Verarbeitung zu finden.“ Trauerarbeit ist somit genau genommen auch sehr viel Arbeit mit sich selbst. Das beginnt schon bei dem Verlust an sich. Mein Vater durfte 75 Jahre alt werden. Natürlich hätte ich ihn wahnsinnig gern noch viele Jahre bei mir gehabt. Der Gedanke, dass er niemals Großvater werden durfte und sein Enkelkind nicht kennenlernen konnte, macht mich manchmal regelrecht verrückt und lässt den Schmerz über seinen Tod manchmal unüberwindbar erscheinen. Aber er durfte auf ein erfülltes und ereignisreiches Leben zurückblicken und hat für sich und seine Mitmenschen eine Fülle an Erinnerungen geschaffen. Wie viel schwerer muss da der Verlust eines Kindes wiegen. Eltern, die um ein eigenes Kind trauern oder eine Frau, die viel zu früh zur Witwe geworden ist, haben noch einmal mit ganz anderen Umständen zu kämpfen.

Blumen auf Sarg

Nein, für den Umgang mit der Trauer gibt es kein Pauschalrezept. Wichtiger ist es, Wege für sich selbst zu finden, die Trauer und den Schmerz über den Verlust zu verarbeiten. Ganz wichtig sind in diesem Prozess die Menschen im engsten persönlichen Umfeld. Die, die selbst ebenfalls um diese Person trauern und mit denen man seine Gedanken teilen kann. Oder auch die, die einfach ein offenes Ohr für die Trauernden haben und für sie da sind. Das können Mitglieder der Familie sein, aber auch enge Freunde und Verwandte, zu denen man ein gutes Verhältnis hat. Gespräche können oft eine heilsame Wirkung entfalten, vor allem dann, wenn man gemeinsam schöne Erinnerungen an die oder den Verstorbenen teilt.

Auch eine Gemeindereferentin oder in unserem Fall der Diakon, können gute Begleiter sein. Solche Menschen sind im Umgang mit Trauernden und in der Seelsorge geschult, sie erleben das in ihrer täglichen Arbeit in der Kirchengemeinde. „Was mir persönlich sehr in der Trauerarbeit hilft“, so Diakon Schindler, „ist, dass ich die oder den Verstorbenen aus der Gemeinde häufig gut kenne. Dadurch kann ich die Erinnerungen mit den Angehörigen teilen und wir sprechen gemeinsam über schönen Stunden mit ihrem Vater, Großvater oder Ehemann.“ Auch wenn der oder die Verstorbene nicht unbedingt im Gemeindedienst aktiv ist, so kennt der Geistliche viele Menschen vom sonntäglichen Gottesdienstbesuch oder man sieht sich in der Stadt.

Doch Seelsorge bedeutet für ihn nicht nur reden, sondern vor allem gut zuhören zu können. „Oft reicht es den Hinterbliebenen schon, wenn sie wissen, da ist jemand, der ihnen einfach nur zuhört. Jemand, der da ist und von dem sie wissen, dass er sie ernst nimmt.“ Gerade für ältere Menschen bedeute der Verlust des Ehepartners oft den Verlust des einzigen Menschen aus ihrem näheren Umfeld, besonders dann, wenn die eigenen Kinder weit weg wohnten. „Zu wissen, dass dort jemand ist, der ihnen einfach zuhört und der für sie da ist, hilft diesen Menschen schon sehr viel“, ist sich der Seelsorger sicher.

Christliche Hoffnung und Zuversicht

Kreuz

»Wir sind mit unserer Trauer und unserem Leid nicht allein.«

Wir sind Christen und glauben an ein Leben nach dem Tod. Trotzdem schmerzt der Verlust eines geliebten Menschen sehr. Wir hoffen, dass wir ihn einmal wiedersehen werden. Doch gerade in Phasen, wo es einem mal nicht so gut geht, mischt sich unter den Glauben auch schon mal der ein oder andere Zweifel. Auch wenn wir glauben, dass wir uns eines Tages wiedersehen. Der Verstorbene fehlt, wir vermissen ihn.

Vor kurzem haben wir das Osterfest gefeiert. Für mich als Christin ist dieses Ereignis ganz fest mit der Hoffnung verbunden. Hoffnung darauf, dass wir uns nach unserem Tod auf ein neues Leben bei Gott freuen dürfen. Schon als Kind war ich unglaublich berührt von dieser Hoffnung, die Jesus am Kreuz einem der beiden Verbrecher schenkt, der mit ihm in den Tod geht. „Wahrlich ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“, sagt er zu dem Mann, der zu seiner rechten am Kreuz hängt. Wie viel Kraft und Hoffnung in diesem Satz eigentlich steckt, das hat mich schon damals als junges Mädchen sehr bewegt. Jesus selbst befindet sich genau genommen in genau der gleichen Situation wie dieser zum Tode verurteilte Mann. Er ist selbst verurteilt worden und hat unsägliche Qualen durch die Folter und Demütigungen erdulden müssen. Nun ist er ans Kreuz geschlagen und blickt dem Tod direkt ins Gesicht. Und trotzdem, gerade in der Stunde seiner größten Not und seines schwersten Leids, schenkt er dem Mann, der mit ihm sterben wird, diese starke Hoffnung und Zuversicht, mit ihm gemeinsam ins Paradies zu gehen.

Für mich steckt in dieser kurzen Szene während der Kreuzigung Gottes ganzer Trost und seine ganze Hoffnung für uns Menschen. Wir sind mit unserer Trauer und mit unserem Leid nicht allein. Gott ist bei uns. Er geht mit uns gemeinsam diesen Weg. Wenn wir um einen geliebten Menschen trauern, so müssen wir das nicht allein tun.

Mix

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