Man sitzt in einem vollen Bus, schwimmt mit Hunderten von Menschen durch die Innenstadt und hat Nachrichten ohne Ende auf dem Handy. Trotzdem hat man das Gefühl, allein zu sein.
„Ich glaube, das kennen viele Jugendliche“, sagt Tim Kleinert. Der 17-jährige Schüler wünscht sich echte Begegnungen statt oberflächlicher Kontakte. Gleichzeitig sucht er im Alltag aber auch bewusst Momente, in denen er allein sein kann.
Ruhe braucht Tim zum Beispiel, wenn er von der Schule nach Hause kommt. Er muss runterkommen, sich neu fokussieren. Da hilft es ihm, allein zu sein. Er sagt: „Wenn ich allein bin, bin ich manchmal besonders verbunden mit mir selbst – und mit Gott.“
Doch Tim kennt auch das Gefühl, unter Menschen allein zu sein. Im Bus, in der Stadt, mit ungelesenen Nachrichten am Handy. Er sagt: „Eigentlich sind ständig Menschen um mich herum oder erreichbar, aber echte Gespräche sind trotzdem selten. Oft fehlt einfach der Mut, aufeinander zuzugehen.“
Auf Social Media beobachtet Tim das ähnlich: Viele Jugendliche sind zwar ständig online und gut vernetzt, doch echte Nähe entsteht dadurch nicht automatisch.
»Eigentlich sind ständig Menschen um mich herum oder erreichbar, aber echte Gespräche sind trotzdem selten.«
Tim Kleinert
Netzwerk go4peace
„Viele glauben, sie wissen durch Posts oder Statusmeldungen genau, was bei anderen los ist“, sagt Tim. „Aber ob das der ganzen Wahrheit entspricht, weiß man nicht.“
Tim wünscht sich, dass es anders läuft. Dass Menschen sich gegenseitig wahrnehmen. Für ihn beginnt das nicht mit großen Aktionen oder perfekten Worten. Sondern mit Offenheit.
Er sagt: „Ich muss nicht direkt tiefgründige Gespräche führen. Manchmal reicht schon eine Nachfrage zu einer Hausaufgabe oder ein bisschen Smalltalk, um zu zeigen: Ich habe dich gesehen. Du bist nicht allein.“
Neben den kleinen Gesprächen sind für ihn auch ehrliche Freundschaften essenziell – Menschen, die nicht nur aus Höflichkeit fragen, wie es jemandem geht, sondern wirklich zuhören wollen. „Das versuche ich auch selbst zu leben“, sagt er. „Ich möchte meine Freunde verstehen. Anteil an ihrem Leben nehmen.“
»Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen.«
Psalm 37,5
Damals hatte Tim das Gefühl, ständig etwas leisten zu müssen. „Ich wollte etwas erreichen und Gott etwas beweisen“, sagt er rückblickend.
Der Psalm hat ihm geholfen, mehr Vertrauen zu entwickeln. Anzunehmen, dass er nicht alles allein kontrollieren kann und muss.
Heute sagt Tim: „Natürlich muss ich mir Gottes Liebe nicht verdienen. Aber wenn ich merke, was Gott mir jeden Tag schenkt, dann will ich diese Liebe auch weitergeben.“ Manchmal habe er sogar das Gefühl, dass Gott ihn dazu auffordert, auf bestimmte Menschen zuzugehen oder ein Gespräch zu beginnen.
Freundschaften und echte Begegnungen sind für Tim besonders wichtig. „Dafür kann man auch beten“, sagt er.
Gebet bedeutet für ihn vor allem Ehrlichkeit. Gespräch mit Gott. Manchmal auch einfach stilles Dasein vor ihm.
„Wenn ich keine Worte oder zu viele Gedanken im Kopf habe, lege ich mich einfach hin und nehme mir Zeit“, erzählt er. „Dann sortieren sich meine Gedanken langsam. Und irgendwann wird das automatisch Gebet.“
Gerade diese Ruhe hilft ihm, wieder offener auf andere Menschen zuzugehen: „Ich glaube, man muss ehrlich mit Gott und auch mit sich selbst sein“, sagt Tim. „Dann findet man mehr Frieden in sich. Und kann anderen liebevoller begegnen.“