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28.11.2017

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Sicher unterwegs im Internet

Tipps gegen Hate Speech und Mediensucht

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Von Tobias Schulte
Die sozialen Netze verbinden und tun so unserer Gesellschaft gut. Sie können aber auch spalten und Menschen ausschließen – das hat auch Papst Franziskus schon erkannt. Er ruft uns Gläubige deswegen dazu auf, dass wir uns bedachtsam in den sozialen Netzwerken verhalten und fruchtbare Diskussion führen. YOUPAX-Autor Tobias hat deshalb mit Experten über den Umgang mit Hate Speech, Mediensucht und persönlichen Informationen im Internet gesprochen.
Aycha Riffi

»Sobald eine Aussage gegen das Gesetz verstößt, zum Beispiel wenn Volksverhetzung betrieben wird, dann muss man Anzeige erstatten.«

AYCHA RIFFI
Leiterin der Grimme-Akademie

„Es ist die Grundaufgabe des Menschen, in sozialem Kontakt zu stehen. Da bieten Handy, Spiele und soziale Medien große Möglichkeiten“, sagt Dimitrios Karakatsanis. Er arbeitet als Fachreferent für Medienkompetenz beim Jugendamt Dortmund. Dort erlebt er auch, wie diese Möglichkeiten in der Praxis missbraucht werden. Darum erklärt er jungen Menschen, wie sie sich im Internet sozial verhalten können.

Hate Speech

Ärger, Fust, Pöbeleien – das Internet ist nicht nur voll von tollen Informationen, sondern auch von Hatern. Bei Kommentaren im Netz ist es wichtig einzuschätzen, ob eine Aussage demokratische Grenzen überschreitet oder „nur“ eine Beschimpfung ist. „Sobald eine Aussage gegen das Gesetz verstößt, zum Beispiel wenn Volksverhetzung betrieben wird, dann muss man Anzeige erstatten“, sagt Aycha Riffi, Leiterin der Grimme-Akademie. Auf Seiten wie hass-im-netz.info oder per E-Mail an htlnjgndschtznt kann jeder vermutlich unzulässige Aussagen melden. Experten durchsuchen das Netz dann nach der Aussagen und prüfen, ob sie wirklich gesetzeswidrig ist. Kontakt zu Hilfs- und Beratungsangeboten finden jene, die selbst Opfer von mehrfachen und heftigen Beleidigungen sind, auf der Seite www.jugendschutz.net.

Mobilgeräte sind immer dabei

„Don’t feed the troll“...?

Ignorieren ist keine gute Idee.

„Don’t feed the troll“, so hieß lange die Richtlinie für Counter Speech (Engl.: Gegenrede) gegen Hass im Internet. „Dadurch, dass sich so viele Nutzer enthalten haben, haben sich die Beleidigungen aber immer weiter hochgepusht“, sagt Aycha Riffi. „Ignorieren ist keine gute Idee.“ Riffis Tipp, um die digitalen Räume positiv zu besetzen und nicht den Hatern das Feld zu überlassen. „Sachlich und kurz schreiben. Man kann die Pöbler nicht überzeugen. Es ist wichtiger, der stillen Leserschaft, die den Großteil ausmacht, zu zeigen, dass jemand etwas dagegen sagt“, rät die Leiterin der Grimme-Akademie.

Wer nicht allein gegen die gut vernetzten Hater antreten möchte, kann sich zum Beispiel in der Facebook-Gruppe #ichbinhier vernetzen und mit Unterstützung der Gruppe in eine Diskussion gehen. Wer selbst einen Blog oder eine Seite betreibt, der sollte nicht zögern, pöbelnde Nutzer zu sperren. „Denn die Seite ist mein zuhause, für das ich verantwortlich bin“, sagt Riffi.

»Sachlich und kurz schreiben. Man kann die Pöbler
nicht überzeugen. Es ist wichtiger, der stillen Leserschaft
zu zeigen, dass jemand etwas dagegen sagt.«

AYCHA RIFFI
zum Umgang mit Trolls

Mediensucht vorbeugen

Mehrere Stunden täglich nutzen viele Menschen PC, Handy und Spielekonsolen. Das macht Spaß und Lust auf mehr. Doch ab wann gerät jemand in Gefahr, mediensüchtig zu werden? „Es geht nicht nur darum, was ich nutze, sondern was das mit meiner Persönlichkeit macht“, sagt Sebastian Dunkel.

Er arbeitet bei der Fachstelle für Jugendberatung und Suchtvorbeugung Dortmund und kennt die Symptome von Mediensucht: „Ein wichtiges Signal ist, wenn die virtuellen Aktivitäten einen negativen Einfluss auf das reale Leben haben. Wenn ich also durchs Zocken die Schule, Freunde oder die Ernährung vernachlässige.“ Außerdem könne man selbst darauf achten, ob durch den Medienkonsum Reize befriedigt werden, die einem im wahren Leben verwehrt bleiben: Anerkennung, Erfolg, soziale Nähe.

Sebastian Dunkel arbeitet bei der Fachstelle für Jugendberatung und Suchtvorbeugung Dortmund

»Es geht nicht nur darum, was ich nutze, sondern was das mit meiner Persönlichkeit macht.«

SEBASTIAN DUNKEL
Fachstelle für Jugendberatung und Suchtvorbeugung Dortmund

Den Großteil der Mediensüchtigen machen Spieler von MOBA-Spielen (Multiplayer Online Battle Arena) wie Dota oder League of Legends aus, so Dunkel. Obwohl viele beim Stichwort Mediensucht zunächst ans Handy denken würden, sei fast niemand davon abhängig. „Wir benutzen es ja viel, um uns mit unseren Freunden auszutauschen. Die negativen sozialen Konsequenzen der Mediennutzung fallen also meistens aus“, sagt Dunkel. Aus seiner Arbeit berichtet er: „Ich bin überrascht, wie gut Jugendliche ihren Mediengebrauch reflektieren, wenn man sie darauf anspricht. Sie bemerken gut, was sie zu viel nutzen und was gut und schlecht für sie ist.“
Durch Augmented Reality verschwimmen die Grenzen der realen und digitalen Welt
Durch Augmented Reality verschwimmen die Grenzen der realen und digitalen Welt
Daher sind seine Tipps für eine gute Vorbeugung: „Öfter mal darauf achten, wie viel Chatten am Handy und Zocken mir gut tut und wie viel nicht. Dann kann man mit seinen Eltern oder Freunden auch gut darüber sprechen, um etwas zu ändern.“ Wenn Eltern den Konsum ihrer Kinder kontrollieren wollen, sollten sie früh klare Regeln aufstellen, anstatt impulsgetrieben zu handeln. Denn das empfänden Jugendliche oft als ungerecht.

Android-Nutzer können sich zudem mit der App „WhatsOn“ selbst kontrollieren. Bei der App schätzt man zunächst seinen Medienkonsum selbst ein und muss danach Fragen beantworten. Die App ordnet einen anhand dessen in neun Typen des Risikoverhaltens ein.

Think before you post

„Das Internet vergisst nicht“, betont Medienpädagogin Claudia Wierz. Mit der „Wayback Machine“, einem kostenfreien Website-Archiv, kann sich nämlich jeder auf längst geschlossene oder nicht mehr existierende Internetseiten zurückbringen lassen. Wierzs Faustregel, um vorsichtiger beim Posten zu sein: „Was Du im Internet schreibst, das sollte auch deine Oma lesen können.“
Medienpädagogin Claudia Wierz

»Was Du im Internet schreibst, das sollte auch deine Oma lesen können.«

CLAUDIA WIERZ
Medienpädagogin

Außerdem rät sie: Wer Bilder und Videos von sich hochlädt, der sollte darauf achten, dass der Standort nicht automatisch übermittelt wird. Außerdem solle man vorher prüfen, ob sich im Hintergrund des Bildes unerlaubte oder peinliche Motive befinden. Wer ab und zu seinen eigenen Namen googelt, findet eventuell Artikel oder Fotos ist auf dem Laufenden, was über einen im Netz steht. Soll ein bestimmtes Foto oder ein Beitrag über jemanden selbst nicht online sein, kann sich die Person an den Autor des Beitrags wenden.

Für einen ethisch guten Umgang im Internet empfiehlt Medienpädagogin Wierz die „Zehn Gebote der digitalen Ethik“ des Instituts für Digitale Ethik in Stuttgart:

  • 1. Erzähle und zeige möglichst wenig von Dir.
    2. Akzeptiere nicht, dass Du beobachtet wirst und Deine Daten gesammelt werden.
    3. Glaube nicht alles, was Du online siehst und informiere Dich aus verschiedenen Quellen.
    4. Lasse nicht zu, dass jemand verletzt und gemobbt wird.
    5. Respektiere die Würde anderer Menschen und bedenke, dass auch im Web Regeln gelten.
    6. Vertraue nicht jedem, mit dem Du online Kontakt hast.
    7. Schütze Dich und andere vor drastischen Inhalten.
    8. Messe Deinen Wert nicht an Likes und Posts.
    9. Bewerte Dich und Deinen Körper nicht anhand von Zahlen und Statistiken.
    10. Schalte hin und wieder ab und gönne dir auch mal eine Auszeit.

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