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06.08.2021

Faszination

Lost – und doch aufgehoben

Film-Impulse zu „Gravity“ und „Still Alice“

test
von Vikar Jonas Klur

Kennst du das Gefühl, „lost“ zu sein? Dich verloren zu fühlen? Um dieses Gefühl geht es auch in den Filmen „Gravity“ und „Still Alice“. Einmal ist die Hauptfigur verloren im Weltall, einmal in sich selbst. Doch ich persönlich kann aus diesen Filmen auch Hoffnung ziehen. Ich erkenne darin eine frohe Botschaft.

Gravity (2013)

Der Weltraum-Thriller „Gravity“ handelt davon, dass zwei Menschen auf der ISS sind und das Shuttle plötzlich zerstört wird. Sandra Bullock spielt die Medizintechnikerin Dr. Ryan Stone und George Clooney den erfahrenen Astronauten Matt Kowalsky.

Nach dem Unfall trennen sich die beiden. Kowalsky stirbt in den Weiten des Alls, während Dr. Stone zu einem Teil des Shuttles zurückkehrt. Ganz allein, in den Weiten des Weltalls, gerät sie in Panik und sieht dem sicheren Tod entgegen.

Dann wird sie ganz ruhig und sagt Folgendes vor sich her: „Niemand wird um mich trauern und wird für meine Seele beten … Ich würde ja für mich selber beten. Aber ich hab` im ganzen Leben noch nie gebetet. Also. Es hat mir nie jemand beigebracht. Es hat mir nie jemand beigebracht.“

Beten - „Es hat mir nie jemand beigebracht“

Auf einmal steigt in ihr ein Bedürfnis auf, das sie wahrscheinlich zuvor nicht hatte. Sie möchte angesichts ihres Endes beten. Aber der Wunsch reicht nicht. Es gehört auch eine Fähigkeit dazu, die sie nie erworben hat.

Es zeigt mir: Das Gebet ist etwas, das man einüben muss. Und es ist ein Geschenk, wenn man beten kann. Dr. Stone bringt das in den wenigen Sätzen zum Ausdruck.

Doch ist das Gebet nicht nur ein Schatz angesichts des Todes. Der ungläubige Jude und Schriftsteller Elias Canetti schreibt in seinem Buch „Das Geheimherz der Uhr“: „Das Schwerste für den, der an Gott nicht glaubt: Dass er niemanden hat, dem er danken kann. Mehr noch als für seine Not braucht man einen Gott für Dank.“

Zwei Außenstehende zeigen den gläubigen Menschen, was ihnen geschenkt ist, wenn sie beten können. Hat es dir schon jemand beigebracht?

Still Alice. Mein Leben ohne Gestern (2014)

Alzheimer und Demenz. Es sind Krankheiten, mit denen du vielleicht schon mal indirekt in Berührung gekommen bist - wenn Angehörige daran erkrankt sind. Das Schmerzhafte liegt darin, dass die Krankheiten Menschen nach und nach ihrer Vergangenheit berauben. Nahestehende Menschen werden fremd, das Zurechtfinden in der Gegenwart immer schwieriger.

2014 kam ein Film in die Kinos, „Still Alice. Mein Leben ohne Gestern“. Darin wird das Schicksal einer Professorin dargestellt, die an frühem Alzheimer erkrankt. Besonders eindrucksvoll ist die Schlussszene, als Tochter Lydia mit ihrer erkrankten Mutter Alice zusammensitzt und ihr eine Geschichte erzählt.

Ein großes Seelennetz

Die Geschichte handelt davon, dass jemand in einem Flugzeug sitzt und etwas sieht, das andere nicht erblicken können: Menschliche Seelen von Verstorbenen steigen schwungvoll empor wie „Fallschirmspringer, die auf dem Kopf stehen“, um sich mit anderen zu verbinden und ein großes Seelennetz zu bilden.

Die Tochter kommentiert abschließend: „Denn nichts geht für immer verloren. In dieser Welt durchlaufen wir eine schmerzhafte Entwicklung. Wir sehnen uns nach dem, was wir abgeschüttelt haben und träumen, was kommt. Jedenfalls scheint es mir so.“

Daraufhin fragt Lydia ihre Mutter, ob ihr die Geschichte gefallen habe. Sie erhält keine eindeutige Antwort. Um zu testen, ob sie verstanden wurde, fragt die Tochter ihre Mutter, worum es in dem Erzählten gegangen sei. Mit einem Lächeln antwortet diese kurz: „Liebe.“

Einer, bei dem alles aufgehoben ist

Wenn ein Mensch stirbt, liest oder hört man häufig den Vorsatz: „Du wirst immer
in unseren Erinnerungen leben.“ Intuitiv denke ich dann: „Ja, bis ihr selbst
vergesslich werdet oder sterbt.“ Das klingt zwar hart, ist aber die menschliche Realität.

Meine Hoffnung ist es, dass es einen gibt, bei dem wirklich keiner in Vergessenheit gerät, der selbst nicht vergesslich sein kann oder sterblich ist. Es ist Gott. Selbst wenn ich nicht mal mehr meinen Namen weiß, ist alles bei ihm aufgehoben.

Aber soll wirklich nichts vergessen sein? Ich würde mir wünschen, dass Gott das Schlechte meines Lebens vergibt. Und dazu gehört doch auch ein Vergessen. Ich hoffe, dass alles Gute bei ihm aufgehoben sei. Still Alice – „still“ heißt sowohl „immer noch“ als auch „still“. Ein Gedanke, der mir Ruhe verschafft, immer noch.

„Gravity“ und „Still Alice“ könnt ihr auf den üblichen Portalen streamen, leihen oder kaufen.

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