06.02.2021

CREDO-Convention

Von Gott erfüllt geht eine ganze Menge

Die CREDO-Convention hat junge Menschen vernetzt und motiviert, einen neuen Weg der Kirche zu gehen

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von Tobias Schulte

„Da geht was!“ Ein Satz, der Hoffnung vermittelt. Der nach vorn schaut. Der einlädt, neue Wege zu gehen, ohne genau zu wissen, wo man ankommt. Dieser Satz dominierte am Freitagabend die zweite CREDO-Convention, die digitale Glaubenskonferenz aus dem Jugendhaus Hardehausen. Das Motto: „Ich glaube. Da geht was!“

Das Motto der CREDO-Convention kann aber auch schnell nach Floskel riechen und kritische Nachfragen erlauben. Warum sollte in der Kirche was gehen? Wer sollte etwas bewegen? Und wie überhaupt? Fragen, auf die die CREDO-Convention einige Antworten lieferte: durch die persönlichen Glaubensgeschichten von Prof. Dr. Jan Loffeld und Ina Sasse. Durch die 100 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die die Konferenz verfolgten, um vor Ort eine lebendige Kirche zu gestalten. Durch das gemeinsame Gebet, das den in den Fokus rückte, durch den ganz viel geht: Gott.

Deshalb soll der Weg der CREDO-Convention auch weitergehen: mit einem CREDO-Magazin. Mit einem Kaminabend am 2. Juni, bei dem sich die Haupt- und Ehrenamtlichen vernetzen können. Mit einem neuen Angebot namens „discover – real. life. academy.“. Das Projekt befindet sich derzeit in der Planung, aber klar ist schon: Bei discover sollen junge Menschen begleitet werden, die sich auf den Weg mit Gott machen möchten.

Helena Schmidt und Jan-Niklas Kleinschmidt moderierten die CREDO-Convention.
Helena Schmidt und Jan-Niklas Kleinschmidt moderierten die CREDO-Convention.

„Momentan geht’s um Gesundheit“

Die Kirche des Jugendhauses Hardehausen war das Wohnzimmer für die digitale CREDO-Convention. 100 junge Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich in der Kirche engagieren, hatten sich angemeldet. Sie saßen zuhause an den Laptops und Tablets, verfolgten den Livestream und diskutierten in Kleingruppen mit.

Um was geht’s eigentlich? Mit dieser Frage eröffnete Prof. Dr. Jan Loffeld, Priester des Bistums Münster und Hochschullehrer an der Universität Tilburg in den Niederlanden die erste Keynote der CREDO-Convention. Loffelds Antwort: „Momentan geht’s um Gesundheit.“ Das werde allein daran deutlich, dass sich momentan viele Menschen nach einem Gespräch verabschieden mit dem Satz: „Bleib gesund“.

Bleib gesund – dieser Wunsch (oder ist es eine Aufforderung?) ist Jan Loffeld im Kopf geblieben. Er hatte viel Zeit, darüber nachzudenken, als sich plötzlich seine Eltern mit Corona infizierten und er selbst zehn Tage in Quarantäne bleiben musste. War seine Familie nun Teil des Problems? Mit Schuld an der Pandemie? Und weitergesponnen: Ist Gesundheit denn der Normalfall? Hat jemand, der nicht gesund ist, verloren?

Prof. Dr. Jan Loffeld

In seiner Keynote analysierte Loffeld, dass in unserer Gesellschaft Erfolg, Geld und Perfektion immer wichtiger werden. „Wie gut, dass man bei Gott nicht perfekt sein muss“, sagte er. Jesus selbst sei verwundbar gewesen. Am Kreuz wurden ihm Nägel durch Hände und Füße geschlagen. Er ist gestorben. Loffeld wiederholte seine Ausgangsfrage: Worum geht’s? Die Antwort diesmal: „Es geht um einen Glauben, bei dem wir innerlich wissen dürfen, dass er eine Entlastung schafft. Dass er Verwundungen nicht leugnen muss. Es geht um einen Gott, der den Menschen annimmt, so wie er ist, und bedingungslos liebt.“ Punkt.

Ina Sasse mit dem Buch "Die kleine Raupe Nimmersatt".
Ina Sasse mit dem Buch "Die kleine Raupe Nimmersatt".

Von der Raupe zum Schmetterling

Von dieser bedingungslosen Liebe Gottes erzählte dann Ina Sasse, Standesbeamtin und Mitarbeiterin im Labor E des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn, in der zweiten Keynote. Dafür zückte sie das Buch „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Bevor sie Gott kennengelernt hat, erzählte Ina Sasse, fühlte sie sich wie diese Raupe. Sie hatte einen festen Job, einen Freund, der nun ihr Mann ist, reiste in exotische Länder, tanzte auf Partys. Doch sie sehnte sich nach mehr. Nach etwas, dass die Leere in ihr Füllen konnte.

Um es abzukürzen: Ina Sasse hat entdeckt, dass es Jesus Christus ist, der diese Leere füllen kann. In ihrer Keynote erzählte sie von Gott mit so einer Überzeugung und Wucht, dass man ihr glauben musste. Gleichzeitig lag die Frage in der Luft: Wie und wo hat Sasse diese Power aufgesogen? Die Antworten kurz und knapp: Eine Begegnung mit einem jungen Priester machte sie stutzig. Sollte sie sich auch auf Gott einlassen? Sie begann, Jesus jeden Tag zu erzählen, was ihr auf dem Herzen lag. Sie las die Evangelien. Sie entdeckte die Eucharistische Anbetung. Sie besuchte eine Jüngerschaftsschule. „Heute“, sagte Ina Sasse, „fühle ich mich Stück für Stück nicht mehr wie die Raupe Nimmersatt, sondern wie ein Schmetterling“.

Auch Jesus stand zunächst allein da

Prof. Loffeld im Kleingruppengespräch.
Stefan Drießen moderiert eine Kleingruppe.

Die Statements von Prof. Loffeld und Ina Sasse saßen. Sie zeigten: Wenn wir glauben, dann geht da was. Weil Gott immer an unserer Seite ist, besonders in der Schwäche. Und wer sich auf Gott einlässt, dem steht ein Abenteuer bevor. Statements, die für Gesprächsbedarf sorgten. Deshalb vernetzten sich die Teilnehmenden zuhause nun in digitalen Kleingruppen.

Sie fühle sich oft mit ihrem Glauben allein, erzählte eine Jugendliche in einer der Kleingruppen. „Meinen Freundinnen erzähle ich von coolen kirchlichen Angeboten, aber ich kann sie nicht bewegen“, sagte sie. Darauf antwortete ein Teilnehmender: „So ging es Jesus doch auch. Er stand erstmal allein da und musste schauen, wer ihm folgt“.

In einer anderen Kleingruppe stand das Aufbrechen im Mittelpunkt. Nicht nur im Glauben geht es darum, loszulassen und sich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Eine junge Erwachsene erzählte, wie sie mit der Frage gerungen hat, ob sie in ein Auslandsjahr aufbrechen soll. Sie hat es getan – und erzählte rückblickend, dass sie die Erfahrung, mit allen Höhen und Tiefen, heute noch präge.

2Gott macht das Glas nicht nur halbvoll. Er lässt es überfließen", sagte Jugendpfarrer Stephan Schröder.
2Gott macht das Glas nicht nur halbvoll. Er lässt es überfließen", sagte Jugendpfarrer Stephan Schröder.

Füllt die Krüge

Langsam wurde es dann ruhiger und andächtiger in der Kirche des Jugendhauses Hardehausen. Das Licht wurde gedimmt, Dutzende Kerzen flackerten. Die Band spielte Worship-Lieder, die das Gefühl geben, getragen zu sein. Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder lud dazu ein, abschließend die Vigil mitzufeiern und den Blick ganz auf Gott zu richten.

Um Mut für einen neuen Aufbruch in der Kirche zu machen, las er das Evangelium der Hochzeit zu Kanaan. Auch dort, in der Feiergesellschaft, scheint die Luft raus zu sein. Der Wein ist leer, das Fest droht zu scheitern. Doch Jesus zeigt, dass er mithilfe der Menschen etwas verändern kann. Er lässt die Krüge mit Wasser füllen – und verwandelt Wasser zu Wein. „Lasst uns darauf schauen, was alles in unserer Kirche da ist“, sagte Schröder. „Wenn wir von Gott erfüllt sind, dann macht er viel mehr möglich, als wir es manchmal glauben.“

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