Moritz Lütke Westhues (links) und Ben Pleininger sitzen vor dem Paderborner Dom.
Moritz Lütke Westhues (links) und Ben Pleininger sitzen vor dem Paderborner Dom.
30.12.2019

Miteinander

Wie gemeinsame Erfolge zusammenschweißen

Moritz Lütke Westhues und Ben Pleininger singen im Paderborner Domchor und drehen mit der Gruppe Hundbrax Lego-Filme

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von Tobias Schulte

Es schweißt zusammen, das Gefühl, zusammen viel erlebt und geschafft zu haben. Wenn man weiß, dass man über Monate auf ein Ziel hingearbeitet und es erreicht hat. Moritz Lütke Westhues und Ben Pleininger kennen dieses Gefühl bestens. Aus dem Paderborner Domchor und vom Bauen mit Lego-Steinen.

Die beiden singen seit fast zehn Jahren im Paderborner Domchor. Aus der Gemeinschaft heraus hat sich die Gruppe Hundbrax gebildet, die Lego-Filme dreht. Der heute 19-jährige Sebastian Brumby, den Moritz und Ben zwischendurch spaßeshalber „unseren Gründervater“ nennen, hat 2013 den YouTube-Kanal eröffnet. Auf der Suche nach einem Namen, dachte er an den Hund seines Großvaters. Sein Name: Brax. Also: Hundbrax. Ein Name, der unverständlich klingen mag, mittlerweile in Paderborn aber zu einem Begriff geworden ist.

Die 34 Videos der sieben jungen Männer wurden über elf Millionen (11.477.137, Stand 19. Dezember) Mal aufgerufen. Die Jungs von Hundbrax wurden zum Kulturheimspiel - dem Paderborner Jahresrückblick – eingeladen und reisen zu Maker Fairs, Messen für Inspiration, Kreativität und Innovation, in Dortmund, Hannover und Herford.

Proben, Konzerte, Konzertreisen, Lego-Projekte

Auf Libori, Ende Juli dieses Jahres, haben sie einen Lego-Film über das Paderborner Rathaus samt dem Modell vorgestellt. Viele Menschen kamen auf die Jugendlichen zu und lobten sie für ihre Arbeit. „Da fühlt man sich wertgeschätzt“, sagt Ben. Und: „Es macht einem Freude, wenn man anderen Menschen eine Freude machen kann – das ist wie beim Domchor, wenn wir ein Konzert geben.“

Proben, Konzerte, Konzertreisen, Lego-Projekte - für Moritz und Ben sind der Domchor und Hundbrax wertvolle Gruppen. Sie wissen genau, dass sie gemeinsam viel erlebt, gesehen und erreicht haben. Sie haben gute Freunde gefunden, für die es auch normal ist, mit Lego zu bauen und zur Kirche zu gehen. Zu beten. Zu singen. Sie wissen, dass sie mit ihrem Glauben an Gott keine Einzelgänger sind – ein Gefühl, dass so manchem Jugendlichen fehlen dürfte.

Moritz  und Ben singen.
Ben Lütke Westheus und Moritz Pleininger singen im Paderborner Domchor.
Ben Lütke Westheus und Moritz Pleininger singen im Paderborner Domchor.

Mit dem Domchor proben sie jeden Freitagabend und singen alle zwei Wochen in der Sonntagsmesse ab 10 Uhr. Dazu geben sie Konzerte. Der Dom ist für Ben ein Zeichen der Heimat, wie er sagt: „Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme und den Turm sehe, dann weiß ich: Hier gehöre ich hin.“ Der Dom ist ein Ort, an dem sie viel gemeinsam erlebt haben – und auch ein Ort des Glaubens. Moritz erzählt, dass er in den sonntäglichen Gottesdiensten den Zugang zu Gott sucht. Er blickt auf die vergangene Woche zurück und bittet darum, dass die kommende Woche gut gelingt. Der 16-Jährige sagt: „Mit dem Gebet nach der Kommunion gehe ich von Sonntag zu Sonntag weiter.“

Wo kommt Gott für Ben vor? „Ganz klar im Domchor“, sagt er. „Und auch als Gedanke, dass da jemand ist, auch wenn ich physisch gesehen alleine bin.“ Er redet von Gott als mentale Stütze, als helfende Hand, wenn er gerade viel gleichzeitig bewältigen müsse. Nach kurzer Pause fügt er hinzu, dass ihm auch wichtig sei, Gott zu danken, wenn ihn etwas glücklich gemacht habe. „Ich möchte nicht immer nur etwas von Gott nehmen, sondern auch wörtlich etwas zurückgeben.“

Venedig im Oktober 2017. Die Jungs von Hundbrax sind mit dem Domchor auf Reise. Sie erkunden die Lagunenstadt, halten am Lido ihre Füße ins Meer und singen bei einer Sonntagsmesse im Markusdom. Damals reifte der Entschluss, den Paderborner Dom aus Lego nachzubauen. Ben und Moritz erzählen, dass Dompropst Joachim Göbel das eher scherzhaft vorgeschlagen hatte, da das 950-jährige Jubiläum des Domes anstand. Im Juni 2018 präsentierte Hundbrax dann den Lego-Dom und den dazugehörigen Film.

Beim Bau kam ihnen zugute, dass die Dombauhütte kurz zuvor das Mauerwerk und das Dach des Hohen Domes überarbeitet und vermessen hatte. Deswegen konnten Moritz, Ben und Co. die Maße des echten Domes auf ihren Maßstab herunterrechnen. Zuerst legten sie einen Grundriss an. Dann zogen sie die unteren Mauern, das Mittelschiff und den Turm hoch. Trotz aller Pläne sei das Ausprobieren der größte Schlüssel zum Erfolg. Moritz sagt: „Man kann vorher so viel planen, wie man will, häufig schmeißt man den Plan nach einer Zeit um, weil man eine Methode gefunden hat, die besser funktioniert.“

Gelernt, Projekte zu managen

Mit ihren 16 und 17 Jahren erzählen Moritz und Ben davon, wie sie durch das Lego-Bauen gelernt haben, ein Projekt innerhalb eines bestimmten Zeitfensters fertigzustellen. Wie viele Legosteine von welcher Sorte benötigen wir? Wer übernimmt welche Aufgaben? Wie oft müssen wir bauen, damit wir pünktlich fertigwerden? Fragen, die die Jungs von Hundbrax miteinander klären mussten. Schließlich sollte der Lego-Dom bei der Eröffnung der Gotik-Ausstellung im Paderborner Diözesanmuseum präsentiert werden. Acht Monate und 28.500 Lego-Steine später war das tatsächlich der Fall.

Schon als Kinder hatten Ben und Moritz den Traum, den Paderborner Dom aus Legosteinen zu bauen. Damals schien es noch unmöglich zu sein. Ben erzählt, wie er mit fünf Jahren sein erstes Lego-Set geschenkt bekommen hat. „Obwohl da draufstand, dass es für Kinder ab 6 Jahren ist“, sagt er. Moritz kommentiert: „Gangster“. Das eigentlich Spannende am Bauen mit Lego ist damals wie heute ähnlich: eigene Fahrzeuge, Flugzeuge und Städte ausdenken, diese konstruieren und Geschichten drum herum erzählen. Nur die Dimensionen sind extrem größer geworden.

Moritz Lütke Westhues vor dem Paderborner Dom.
Moritz Lütke Westhues vor dem Paderborner Dom.

Hobby zum Beruf machen?

Ben schreibt im kommenden Sommer die Abitur-Prüfungen, Moritz ein Jahr später. Beide sind mit Lernen, Lego, Domchor und Sport in ihrer Freizeit gut ausgelastet. Als wir das Hundbrax-Team Anfang November nach einem Interview fragen, ist für sie der 18. Dezember der nächstmögliche Termin. Als wir Ben und Moritz gegen 16 Uhr vor dem Paderborner Dom treffen, tragen sie noch den Schulrucksack auf dem Rücken. Ben verspätet sich etwas – er hatte noch Fahrstunde.

Für die Zukunft haben sich die Jungs von Hundbrax vorgenommen, weitere Wahrzeichen ihrer Heimatstadt Paderborn aus Lego nachzubauen. Sowohl Ben als auch Moritz können sich vorstellen, beruflich in den Bereich Architektur einzusteigen. Einen konkreten Weg haben sie noch nicht vor Augen – als ein übergeordnetes Ziel für die Zukunft nennt Ben: „Libori immer in Paderborn sein.“ Er lacht, relativiert ein wenig, und sagt dann: „Ich habe wenig Konkretes vor Augen – aber ich möchte nicht auf gut Glück leben und nicht einfach das nehmen, was kommt.“ Moritz nickt. Sie wissen ja, dass die besten Pläne durch gezieltes Ausprobieren übertroffen werden können.

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