Das deutsche Reichstagsgebäude
13.09.2021

Politik

Wünsche an die Politik der Zukunft

Was junge Christinnen und Christen vor der Bundestagswahl erwarten und fordern

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von Sophie Kiko

Am 26. September wählen wir in Deutschland den neuen Bundestag. Wir entscheiden wer die Politik der nächsten fünf Jahre bestimmen und gestalten darf. Und obwohl die Entscheidungen die in den kommenden Jahren getroffen werden besonders für die Zukunft junger Menschen entscheidend sein werden, machen diese nur einen kleinen Teil der Wahlberechtigten aus. Nur 13,4 Prozent der potentiellen Wählerinnen und Wähler sind unter 30 Jahren alt - Gründe dafür sind zum einen die demografische Entwicklung, aber auch die Beschränkung des Wahlalters ab 18 Jahren. 

YOUPAX hat junge wahlberechtigte Menschen gefragt, was für sie bei dieser Bundestagswahl entscheidend ist, welche Themen im Fokus stehen und was sie sich von einer neuen Bundesregierung wünschen. 

Benedikt Neumann,  26 Jahre, Tischler aus Ummeln
Benedikt Neumann,
26 Jahre, Tischler aus Ummeln

Perspektive für Auszubildende und echte Anerkennung für das Handwerk

“Ich erwarte von der nächsten Bundesregierung, dass sie Maßnahmen ergreift, damit wir nicht von der Coronakrise in eine Fachkräfte- und Ausbildungskrise rutschen. Es muss sichergestellt werden, dass wir jungen Menschen und auch der Gesellschaft nicht die Perspektive stehlen. Folgende drei Punkte sind mir dabei besonders wichtig. Erstens: Wir brauchen mehr Anerkennung und Wertschätzung der Politik für das, was Handwerker jeden Tag leisten. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit spürbaren Entlastungen. Zweitens: Auszubildende sollten mehr Unterstützung erhalten, etwa durch Azubitickets. Drittens: Ich wünsche mir eine echte Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.”

Leonhard Joas,  24 Jahre, Krankenpfleger aus Paderborn
Leonhard Joas,
24 Jahre, Krankenpfleger aus Paderborn

Ein starkes Gesundheitssystem 
und Arbeit, die sich lohnt

“Ich arbeite als Gesundheits- und Krankenpfleger in Paderborn. Ich wünsche mir daher besonders für die Pflege, aber auch für andere Akteure im Gesundheitswesen bessere Arbeitsbedingungen. Das vergangene Jahr hat gezeigt, wie wichtig das Gesundheitswesen für uns ist. Um eine adäquate Pflege und Gesundheitsversorgung gewährleisten zu können, braucht es in meinen Augen eine Reform. Pflegeschlüssel müssen angepasst und das derzeitige Finanzierungssystem über Fallpauschalen (also festgesetzte Erstattungsbeträge pro Patient/Behandlung) überdacht werden. Gesundheit sollte keine Frage von Geld und Profit sein!
Außerdem ist mir die Erhöhung des Mindestlohns ein großes Anliegen. Arbeit sollte sich für alle Menschen lohnen! Als letztes möchte ich noch die Klimapolitik ansprechen. Die Häufigkeit von auftretenden Naturkatastrophen zeigt uns, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Auch wenn es schwierig ist, von heute auf morgen klimaneutral zu werden, sollten wir alles daran setzen, unsere Klimaziele zu erreichen. Je früher desto besser! Wir haben nur einen Planeten, auf dem wir leben. Diesen zu pflegen, ist eine unserer wichtigsten Aufgabe.”

Lea Stocksiek,  23 Jahre, Auszubildende  aus Lage
Lea Stocksiek,
23 Jahre, Auszubildende aus Lage

Veränderungen statt alter Prinzipien

“Ich wünsche mir eine Politik, die endlich für Veränderungen sorgt und nicht mehr nach alten Prinzipien handelt. Eine Regierung, die versteht, dass sich die Welt ändert und die Politik daran angepasst werden muss. Sie sollte den Wünschen der Menschen nachgehen und nicht denen großer Konzerne. Vor allem wünsche ich mir aber auch eine Politik, die die größte Krise unserer Menschheit versteht und nicht leugnet: Die Klimakrise!
Es muss verstanden werden, dass es dabei nicht um die eigenen Bedürfnisse geht, sondern um die Zukunft nächster Generationen. Wir brauchen also auch eine junge Regierung, die sich bewusst ist, worüber sie entscheidet, weil sie die Ausmaße der Klimakrise selbst miterleben würden. Wir brauchen eine Regierung, die mit Krisen umgehen kann, sie nicht unterschätzt oder sie erst dann erkennt, wenn es schon zu spät ist.
Und ich wünsche mir eine Politik, die gerecht ist und nicht zwischen Geschlechtern, sexuellen Orientierungen, Herkünften und Religionen unterscheidet, sondern den Mensch eben als Mensch sieht. Eine Politik, die nicht hauptsächlich von Männern dominiert wird, sondern ausgeglichen ist. Aber vor allem brauchen wir eine Regierung, die uns junge Menschen ernst nimmt, sodass auch wir die Chance bekommen, selbst zu entscheiden, wie unsere Zukunft aussehen soll und nicht mehr nur dabei zuschauen können, was für uns entschieden wird.”

Jakob Krueger,  19 Jahre, Student aus Dessau-Roßlau
Jakob Krueger,
19 Jahre, Student aus Dessau-Roßlau

Weichen stellen für Klimagerechtigkeit

“Ich wünsche mir von der nächsten Bundesregierung, dass alle Weichen für eine klimaneutrale und gerechte Zukunft gesetzt werden, denn ich denke, dass diese Schlagwörter die wichtigsten Fragen unserer Zeit zusammenfassen. Wir stehen regelrecht an einem Scheideweg.
Mit dieser Bundestagswahl wird sich entscheiden, ob wir die Klimakrise und die daraus resultierende Klimakatastrophe in Grenzen des Ertragbaren halten können. Wir brauchen eine konsequente Politik, die die Probleme an der Wurzel packt. Ohne unsere Erde und unsere Umwelt sind wir nichts – trotzdem verhalten wir uns privat wie politisch so, als könnten wir auch ohne diese beiden Faktoren existieren. Was wir jetzt benötigen, ist ein Aufbruch in eine neue Zeit, in der wirtschaftliches Wachstum nicht mehr an erster Stelle stehen darf, sondern der Mensch und die Schöpfung. Politik und vor allem die Bundesregierung darf sich nicht mehr vor ihrer Verantwortung wegducken. Verantwortungslose Politik haben wir die letzten Jahrzehnte lang genug mitansehen können, jetzt ist Zeit für einen Neustart. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können – wenn JETZT die Weichen dafür endgültig und konsequent gestellt werden. Ich wünsche mir von der nächsten Bundesregierung nicht nur die Sicherung meiner und unserer Zukunft, nein: Ich fordere sie.”

Nochmal zum Mitschreiben
Die Bundestagswahl findet am 26. September in Deutschland statt. Wahlberechtigt sind alle deutschen Bundesbürger und -bügerinnen ab 18 Jahren. Wenn du dazu gehörst, kannst du entweder noch jetzt schon wählen, indem du Briefwahl beantragst oder in dein Hauptwahlbüro gehst, oder aber du wählst am Wahltag zwischen 8 und 18 Uhr an der Urne in deinem Wahlbüro. Alle weiteren Infos dazu findest du hier

Du bist noch unentschlossen, wen du wählen sollst?
Für all diejenigen, die sich noch nicht so recht entscheiden können, gibt es zahlreiche Onlinetools, die einem dabei helfen können, die passende Partei zu den eigenen Vorstellungen zu finden:
Der Wahl-O-Mat gibt einen allgemeinen Überblick.
Der Polit-Kompass der Universität Münster zeigt dir, wo du in etwa politisch stehst.
Der KlimawahlCheck gleicht die Parteivorhaben mit deinen Vorstellungen von Klimaschutz ab.
Der Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland nimmt vor allem soziale Themen in den Blick.
Mit Wahltraut gibt es auch eine Wahlberatung rund um die Themen Gleichstellung, Feminismus, Anti-Rassismus, Inklusion und LGBTQIA+. 

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