125 Jahre Caritasverband: Jubiläum unter dem Motto #DasMachenWirGemeinsam
125 Jahre Caritasverband: Jubiläum unter dem Motto #DasMachenWirGemeinsam
13.04.2022

Miteinander

#DasMachenWirGemeinsam

125 Jahre Caritas und noch immer aktuell!?

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von Laura Reuter

Eve Obier hat eigentlich nichts mit der Kirche am Hut. Doch: Solidarität zu leben und sich sozial zu engagieren, das ist ihr mega wichtig. Deswegen ist sie bei der youngcaritas in Siegen am Start. Da in diesem Jahr der Caritasverband in Deutschland 125 Jahre alt wird, blicken wir darauf, wie und warum sich junge Menschen dort engagieren. Ein Anlass für uns, auf die vielfältigen Aktionen der Caritas zu schauen und nachzufragen, wie haupt- und ehrenamtlich Engagierte dieses Motto leben. Dazu treffen wir Anne Ploch, die Leitung von youngcaritas in Siegen, und Eve Obier, die über youngcaritas ehrenamtlich beim Siegener Mittagstisch hilft.

Eve Obier
Eve Obier

»Mir war klar, dass ich da mit einem sozialen Umfeld in Berührung komme, zu dem ich als weiße Akademikerin sonst erstmal keinen Kontakt habe. Aber ich wollte diese Menschen kennenlernen und helfen.«

Eve Obier
Engagiert sich ehrenamtlich bei youngcaritas

Bedürftigen Essen und Leichtigkeit geben

Zum 1. Januar 2020 ging youngcaritas in Siegen an den Start. Gleich darauf begann die Pandemie. Viele Menschen hatten plötzlich gesundheitliche und finanzielle Sorgen. Auf der anderen Seite hatten gerade junge Menschen durch Kurzarbeit, Homeschooling oder Online-Studium Zeit – und wollten diese nutzen, um sich zu engagieren.

So ist auch Eve Obier zu youngcaritas gekommen. Die 23-Jährige studiert Literaturwissenschaft in Siegen und ist vielfältig politisch und gesellschaftlich engagiert. Als sie hörte, dass junge Ehrenamtliche für den Siegener Mittagstisch gesucht werden, wurde sie neugierig: „Mir war klar, dass ich da mit einem sozialen Umfeld in Berührung komme, zu dem ich als weiße Akademikerin sonst erstmal keinen Kontakt habe. Aber ich wollte diese Menschen kennenlernen und helfen.“

Berührungsängste gibt es bei den Ehrenamtlichen nicht. Und genau das sei eine wichtige Erfahrung für die Gäste beim Mittagstisch. „Es ist einfach meine Art, locker und offen mit jedem Menschen umzugehen. Jeden zu schätzen und ernst zu nehmen“, erzählt Eve.

Die Leute, denen sie beim Mittagstisch begegnet, hätten „alle ihr Päckchen zu tragen“. Die Studentin versucht, ihnen ein Stück Leichtigkeit zu geben. „Die Leute kommen nicht nur, um günstig ein warmes Essen zu bekommen. Sie suchen oft auch Gemeinschaft. Und darin sehe ich einen wichtigen Teil meiner Aufgabe: zuzuhören und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“

Ehrenamtliche von youngcaritas helfen beim Mittagstisch
Ehrenamtliche von youngcaritas helfen beim Mittagstisch

Vielfältige Aktionen zu Gerechtigkeit, Toleranz und Nächstenliebe

Neben dem Mittagstisch gibt es verschiedene andere Aktionen, bei denen es um Gerechtigkeit, Respekt, Solidarität und Nächstenliebe geht. Youngcaritas Siegen beteiligt sich zum Beispiel an den Internationalen Wochen gegen Rassismus und den Interkulturellen Tagen. Sie bauen Bänke als Plätze für Toleranz. Im Rahmen des Projektes „Demokratie lesen!“ wurde von den Haupt- und Ehrenamtlichen eine Bücherkiste mit demokratiefördernder Literatur zusammengestellt, die nun durch Schulen und zu verschiedenen Aktionen in der Region reist.

Zu Beginn der Pandemie hatte youngcaritas in Siegen im Rahmen der Aktion Herzenspost Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, Bilder und Briefe zu gestalten, die dann an Pflegebedürftige verteilt wurden. „Obwohl die Kinder und die Senioren sich nicht kannten, entstand eine Verbundenheit“, erinnert sich Anne Ploch. Eine Situation ist ihr dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Ein älterer Herr in einem Pflegeheim hat sich so über die Post aus einem Kindergarten gefreut, dass er eine Geschichte für die Kinder geschrieben hat. Die wurde dann in der Gruppe vorgelesen und die Kinder haben für den Mann Bilder zu seiner Geschichte gemalt.“

Anne Ploch
Anne Ploch

»Meine Erfahrung ist, dass es unter jungen Menschen eine hohe Engagementbereitschaft gibt. Manchmal fehlt aber der Anlass oder die Idee für ein Projekt. Oder andersherum: Eine vage Idee ist da, aber es fehlen Verbündete und Kontakte zur Zielgruppe. Dafür gibt es youngcaritas.«

Anne Ploch
Leiterin youngcaritas Siegen

Kurzfristiges Engagement statt regelmäßiger Verpflichtung

Youngcaritas ist die Plattform der Caritas für soziales Engagement junger Menschen. Seit 2015 gibt es diese youngcaritas auch im Erzbistum Paderborn an 14 Standorten. Wer sich sozial oder sozialpolitisch engagieren möchte, findet hier Gleichgesinnte, kann sich vernetzen, sich in bestehenden Projekten einbringen oder eigene Ideen vorstellen. Herkunft und Religion spielen keine Rolle. Wer Zeit und Lust hat, ist eingeladen sich bei einer youngcaritas-Aktion einzubringen.

Dass kein regelmäßiges Engagement erwartet wird, ist Anne Ploch wichtig zu betonen. Die 41-Jährige Diplom-Sozialpädagogin leitet den youngcaritas-Standort Siegen und weiß: „Gerade für junge Menschen ist es gut zu wissen, dass sie nicht verpflichtet sind zu kommen, wenn es gerade nicht passt. Dann engagieren sie sich umso lieber, wenn sie Zeit haben.“

Anne Ploch stellte 2019 den Antrag für den youngcaritas-Standort in Siegen. „Ich denke für Siegen als Universitätsstadt ist das wichtig. Denn meine Erfahrung ist, dass es unter jungen Menschen eine hohe Engagementbereitschaft gibt. Manchmal fehlt aber der Anlass oder die Idee für ein Projekt. Oder andersherum: Eine vage Idee ist da, aber es fehlen Verbündete und Kontakte zur Zielgruppe. Dafür gibt es youngcaritas.“

Junge Ehrenamtliche setzen die Themen selbst

Die Ideen für die Aktionen von youngcaritas kommen einerseits von Mitarbeitenden der Caritas, die gut vernetzt sind und direkt erfahren, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. Aber auch die jungen Menschen selbst können ihre Anliegen einbringen. Zum Beispiel: Klimaschutz.

Deshalb gab es im April von der youngcaritas Siegen eine Lesung der Autorin Katja Diehl mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema Mobilitätswende. Als Podiumsgäste beteiligten sich zum Beispiel der Bürgermeister der Stadt Siegen, eine junge Aktivistin der Siegener Ortsgruppe von Fridays for Future und ein Schüler, der den Klimaausschuss der SV seiner Schule leitet.

Eve Obier sagt: „Youngcaritas ist eben ein Konnektor. Menschen und Strukturen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, sitzen an einem Tisch und stellen gemeinsam ein Projekt auf die Beine.“ Ganz nach dem Caritas-Motto: #DasMachenWirGemeinsam.

Klimaschutz ist den Ehrenamtlichen wichtig
Klimaschutz ist den Ehrenamtlichen wichtig
#DasMachenWirGemeinsam
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