06.11.2020

Perspektive

Hoffnung in Zeiten der Unsicherheit

Eine christliche Perspektive auf den Lockdown light

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von Anna Petri

Seit Anfang der Woche greifen die von der Bundesregierung angeordneten verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus, von vielen auch als zweiter Lockdown oder Lockdown light bezeichnet. Aufgrund steigender Fallzahlen im Laufe des Oktobers kommt dieser Lockdown nicht ganz unerwartet. Vor allem Kultur- und Gastronomiebetriebe sind betroffen. Nicht wenige haben mit Existenzängsten zu kämpfen. Diese Pandemie kann uns auf viele verschiedene Weisen treffen. Aber eine Herausforderung müssen wir alle meistern. Wir alle müssen in den kommenden Wochen und Monaten mit großer Unsicherheit zurechtkommen.

Wann ist diese Zeit der Ungewissheit endlich vorbei? Wann wird es endlich einen geeigneten Impfstoff geben? Werde ich, oder Menschen, die mir nahe stehen, womöglich schwer an dem Virus erkranken? Wann kehrt endlich die gewohnte Normalität zurück? Ob und wann wir auf diese Fragen eine Antwort bekommen, ist unklar.

Fehlende Routine wird zur Belastung

Bereits im kleinen Rahmen kann die Unsicherheit zu einer Belastung werden. Allein schon der Verzicht auf alltägliche Gewohnheiten stellt uns vor Herausforderungen. Denn Routinen helfen uns nicht ohne Grund durch den Alltag. Sie geben uns Stabilität und Sicherheit. Und diese Sicherheit wird nun bedroht. Vieles ist derzeit unsicher. Zu Beginn der Pandemie, beim sogenannten ersten Lockdown, haben sicherlich noch viele Menschen gedacht, im Herbst könne womöglich schon alles vorbei sein. Entweder sei bis dahin ein Impfstoff gefunden, oder aber das Virus habe bis dahin bereits etwas von seiner Kraft verloren. Und gerade über den Sommer, wo zumindest hierzulande die Zahlen relativ niedrig waren, hat sicher der eine oder andere gedacht, das Schlimmste sei jetzt überstanden. Ich schließe mich da nicht aus.

Bleibt zuhause

Was bedeutet Unsicherheit für mich?

Vor diesem Hintergrund habe ich mich gefragt, was diese Ungewissheit überhaupt für mich bedeutet. Dazu muss ich sagen, dass ich ein Mensch bin, der sich generell sehr leicht verunsichern lässt. Schon in Schule und Studium hatte ich häufig die Sorge, ich würde der einen oder anderen Anforderung nicht genügen. Ich war immer wieder unsicher, ob ich die an mich gestellten Aufgaben auch erfüllen kann. Das hat oft dazu geführt, dass ich mich Vieles nicht getraut habe. Und auch heute stelle ich in meinem Alltag fest, dass ich Herausforderungen tendenziell lieber aus dem Weg gehe, anstatt sie anzunehmen.

Unsicherheit als Chance verstehen lernen

Ich bin nicht unbedingt ein Freund davon, in schlimmen Dingen zwanghaft das Gute sehen zu wollen, aber manchmal kann ein Perspektivwechsel tatsächlich ganz heilsam sein. Dabei lerne ich gerade in diesen Zeiten der Ungewissheit, vor die uns Corona aktuell alle stellt, dass Unsicherheit uns nicht zwingend lähmen muss.

Es kommt auch wie in vielen anderen Lebensbereichen auf den Blickwinkel an. Die Frage, die sich mir dabei stellt: Wie kann ich der Unsicherheit begegnen?

Hier hilft mir ein Blick in die Bibel. Gerade die Jünger von Jesus werden an einigen Stellen als unsicher beschrieben. Spontan fällt mir die Geschichte ein, in der sie auf einem Boot sind und starken Wellengang aushalten müssen. (Matthäus 14, 25-33)
Als Jesus sich ihnen über das Wasser nähert, stehen sie große Ängste aus, weil sie ihn für ein Gespenst halten. Jesus antwortet: Habt Vertrauen. Ich bin es. Fürchtet euch nicht. Petrus fordert daraufhin gewissermaßen einen Beweis von ihm ein, in dem Jesus ihm befehlen soll, ebenfalls über das Wasser zu gehen. Wir wissen alle, wie es weitergeht. Petrus tritt aus dem Boot, bemerkt den Sturm und beginnt aus Angst zu sinken. Petrus, den ich persönlich für eine der komplexesten Gestalten des Neuen Testaments halte, war zutiefst verunsichert, und seine Angst hat ihn zweifeln lassen.
Jesus lehrt ihn jedoch, keine Angst zu haben und auf ihn zu vertrauen.

Hoffnung und Vertrauen auf Gott

Und jetzt leben wir im zweiten Lockdown. Ich kann nur für mich sprechen, aber mir hilft mein christlicher Glaube gerade in diesen Zeiten von Ungewissheit und Unsicherheit sehr. Wie auch die Jünger auf dem Boot weiß ich, dass ich in diesen schweren Zeit nicht allein bin, dass Gott bei mir ist und mir hilft, diese Zeit auszuhalten.
Das gibt mir viel Kraft. Für mich steckt in der christlichen Botschaft eine Perspektive, die mir in diesen Zeiten Hoffnung schenkt. Hoffnung darauf, dass Gott mich durch diese Krise trägt. Umso wichtiger finde ich es, gerade in diesen Zeiten etwas von dieser Botschaft an die Menschen weiterzugeben, denen diese Hoffnung fehlt. Weil sie gerade um ihre Existenz kämpfen, oder weil es ihnen gesundheitlich nicht gut geht, oder, weil der fehlende Kontakt zu ihren Angehörigen zu einer Belastung wird.

In nicht einmal mehr zwei Monaten ist Weihnachten. Wenn ich heute auf das Fest schaue, dann sehe ich auf viel Unsicherheit. Werden wir überhaupt mit unseren Familien feiern können? Oder sind wir womöglich ganz allein? In meinem Freundeskreis gibt es viele Singles, die in dieser Zeit mit Einsamkeit konfrontiert sind. Ich glaube, dass für uns Christen in den kommenden Wochen eine besondere Verantwortung wachsen wird. Wir haben in Gott eine Hoffnung und eine Perspektive, dass wir gemeinsam mit ihm diese Zeiten überstehen werden. Gerade im Hinblick auf das Weihnachtsfest haben wir nun die Chance, etwas von der christlichen Botschaft anderen Menschen weiterzugeben, denen diese Hoffnung womöglich fehlt. Hoffnung darauf, dass in naher Zukunft vielleicht wirklich alles überstanden ist.

Und wenn nicht, können wir darauf vertrauen, dass Gott uns durch diese Krise trägt, und dass wir mit seiner Kraft und Hilfe auch diese Herausforderung überstehen werden.

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