30.04.2026
GEBETSNETZWERK DES PAPSTES

Zwischen mathematischen Beweisen und Staunen über Gott

Marc studiert Mathe. Er sagt: „An einem gewissen Punkt kann der Mensch nur noch staunen“

von Laura Reuter

Marc sitzt über einem mathematischen Beweis, der sich nicht sofort erschließt. Er denkt nach, verwirft Ansätze, beginnt neu. Stunden später fügt sich plötzlich alles zusammen. „Genau das liebe ich an der Mathematik“, sagt er. Marc (21) studiert Mathematik an der Universität Siegen – und schwärmt von mathematischen Zusammenhängen wie ein Weinkenner von einem edlen Tropfen.

Was ihn besonders fasziniert, ist das abstrakte Denken. „Da geht es irgendwann gar nicht mehr ums Rechnen“, erklärt er. „Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen.“ Im Studium sucht er so lange, bis er einen Beweis nicht nur gefunden, sondern wirklich durchdrungen hat.

Denken, glauben, staunen

Oft begegnet Marc Menschen, die das Mathematikstudium und den Glauben für unvereinbar halten. Er sagt:

»Entweder, die Leute belächeln meinen Glauben oder sie haben das Vorurteil, dass Glauben und Denken Gegensätze sind.«

In solchen Gesprächen verweist er gerne auf große Naturwissenschaftler der Geschichte, die selbst gläubig waren.

Für Marc ist klar: Christinnen und Christen sind eingeladen, ihren Verstand zu nutzen, um Gott immer besser kennenzulernen. Doch er fügt hinzu: „Beim Glauben geht es vor allem auch um das Erleben. Und an einem gewissen Punkt kann der Mensch nur noch staunen.“

Nur noch staunen

Solche Momente des Staunens kennt Marc sowohl aus der Mathematik als auch aus seinem Glauben. Wenn sich nach langem Überlegen plötzlich eine Lösung auftut. Oder wenn ein Ergebnis, bei dem er unsicher war, sich später über einen ganz anderen Rechenweg bestätigt. „Das begeistert mich“, sagt er. „Und was mich begeistert, das möchte ich teilen.“

Freude an Gemeinschaft prägt auch Marcs Glauben. Es berührt ihn, in den Glaubensgeschichten anderer zu entdecken, wie persönlich Gott wirkt – und wie unterschiedlich Menschen ihren Glauben leben und trotzdem miteinander verbunden sind.

Marc wuchs in einer katholischen Familie auf, wurde nach seiner Erstkommunion Messdiener und übernahm später die Leitung der Gruppe. Auf einer Messdienerwallfahrt lernte er Teamer von Tabor kennen. „Die waren gut drauf und vor allem einladend“, erinnert er sich. „Diese Willkommenskultur schätze ich bis heute.“

Tabor ist ein jugendspirituelles Netzwerk, das junge Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Lebenskontexten verbindet. Es gibt ein festes Team, aber auch viele, die projektweise dazukommen. „Uns ist wichtig, dass jede und jeder spüren kann: Hier bin ich angenommen. Ich muss mich nicht verstellen und keine Kriterien erfüllen“, erklärt Marc. Besonders gern erinnert er sich an einen sommerlichen Grillabend: „Zusammen essen, quatschen, spielen. Das ist eine Gemeinschaft, in der ich mich zuhause fühle.“

Atmosphäre im Außen – Ruhe im Innen

Neben Gemeinschaftsaktionen organisiert Tabor monatliche Jugendgottesdienste und zahlreiche Veranstaltungen im Kirchenjahr. Marc bringt sich dort ein, wo Hilfe gebraucht wird: beim Aufbau, an Ton- und Lichttechnik, als Messdiener oder mit seinem E-Bass im Musikteam.

Er weiß, wie wichtig die äußere Atmosphäre ist, um innerlich zur Ruhe und zu Gott zu finden. Besonders eindrücklich war für ihn die Nacht der Lichter in Olpe, die Tabor mitgestaltet hat. Er sagt: „Als ich am Ausgang gesehen habe, wie sich die Leute mit leuchtenden Augen verabschiedet und bedankt haben, wusste ich: Der Aufwand hat sich gelohnt.“ 

Solche Momente schweißen das Team zusammen. „Zu spüren, dass wir gemeinsam für andere eine Brücke zu Gott bauen konnten – das ist ein starkes Gefühl.“

Gott ist immer ansprechbar

Im Alltag versucht Marc, in vielen kleinen Momenten mit Gott verbunden zu bleiben. „Ich habe keine festen Gebetszeiten“, sagt er. „Ich nutze eher kurze Augenblicke: im Aufzug vor einem Gespräch oder als Stoßgebet für jemanden, der mir gerade in den Sinn kommt.“
In stressigen Phasen fällt ihm das nicht immer leicht. „Manchmal muss ich erst das Außen sortieren, um innerlich bei Gott ankommen zu können“, sagt er. Doch auch dann trägt ihn die Gewissheit, dass Gott immer ansprechbar ist – und an seiner Seite bleibt.

Gemeinsam mit Tabor betet Marc im Monat Mai im Anliegen des Papstes für eine qualitätsvolle Ernährung für alle. „Wir leben im Überfluss“, sagt er. „Viele werfen Essen weg, interessieren sich nicht für die Herkunft der Lebensmittel und nehmen alles als Selbstverständlichkeit.“

„Wer kennt noch echten Hunger?“, fragt Marc nachdenklich. „Wir haben doch fast immer einen Snack griffbereit.“ Den vom Papst ausgewählten Monat möchte er nutzen, um für dieses Thema zu sensibilisieren. Sein Wunsch: mehr Bewusstsein, mehr Dankbarkeit – und ein respektvollerer Umgang mit der Natur und den Nahrungsmitteln, die uns geschenkt sind.

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