Gruppenbild zum Abschluss des Blind Date der Ministranten.
02.08.2018

Ministrantenwallfahrt 2018

Begegnungen in den Gassen Rom

60.000 Ministrantinnen und Ministranten treffen sich am Mittwochabend zum Blind Date.

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Von Laura Konieczny

Wer schon Mal ein erstes Date hatte, kennt die Aufregung davor wohlmöglich. Da sind Fragen wie: „Werden wir einander gut verstehen?“, und: „Ob wir uns gut unterhalten?“ Noch aufregender ist das Gefühl vor einem Blind Date. Das Gegenüber: Unbekannt. Das Ziel: Sich überraschen lassen und einander erstmal kennenlernen.

Hubertus Wand und Iris Meiser leiten das Blind Date an.

„Ich bin echt gespannt, wie das gleich so wird“, sagt Catalina Fipper aus Dortmund am Mittwochabend. Ebenso wie die übrigen rund 60.000 Teilnehmenden der Ministrantenwallfahrt ist sie an einem von 300 öffentlichen Plätzen in Rom zu einem Blind Date der anderen Art verabredet. Bereits zu Beginn der Wallfahrt hatte jede anreisende Gruppe eine Nummer nebst Adresse in den Gassen Roms zugewiesen bekommen, um sich dort mit weiteren, noch unbekannten Gruppen zu treffen.

Da stehen sie nun also auf der Via Bufalo, rund 30 Messdienerinnen und Messdiener aus Hagen, Dortmund und Castrop-Rauxel, und warten auf ihre Dates. Bei jeder passierenden Gruppe fragen sie sich: „Sind sie das?“ Schließlich findet sich eine weitere Gruppe an der Straßenmündung ein und bleibt stehen, bildet eine Menschentraube und schaut etwas schüchtern rüber.

Stephan Kaiser aus Dortmund nimmt die Sache schließlich in die Hand. "Auf drei starten wir den Countdown", ruft er seiner Gruppe zu, die sogleich lautstark herunter zählt: „10, 9, 8, … 3, 2, 1: Suche Frieden!“ Die Dates verstehen den Wink und nähern sich. Fünf Minuten lang sollen die Ministranten nun möglichst vielen Menschen die Hand geben und ihnen den eigenen Namen nennen. So steht es im Pilgerbuch beschrieben. 

Die fünf Minuten sind um. Der nächste Countdown, die nächste Phase des Blind Dates. „Halte deine Hände hoch und zeige mit den Fingern, wie lange du schon ministrierst“, liest Stephan Kaiser vor. Es entsteht ein fröhliches Chaos. Malte Delere aus Dortmund schmeißt sich auf den Boden und erklärt lachend: „Ich muss die Füße dazu nehmen.“ Der 25-Jährige ist seit 15 Jahren Ministrant. Die nächste Aufgabe: Sich der Dauer nach in Kreisen zusammenfinden. Die Gruppe aus St. Ewaldi in Dortmund ist bereits seit der Anfahrt mit dem Bus nach Rom dafür bekannt, gern zu tanzen. Spontan stimmt sie „Laurentia“ an und hüpft mit den neuen Freunden aus Passau im Kreis.

Nr. 80 - hier ist der Treffpunkt für die Ministranten aus Dortmund - an der Via del Budalo.
Nr. 80 - hier ist der Treffpunkt für die Ministranten aus Dortmund - an der Via del Budalo.

Partnerinterviews mit Hashtags

Das Lied ist vorbei. Weiter geht’s zum Partnerinterview. Insgesamt sieben Fragen schlagen die Macher des Pilgerbuches vor, um sie Personen aus anderen Gemeinden und Bistümern zu stellen. „Welche Hashtags beschreiben dich gut?“, lautet eine davon. „#sportlich und #interessiert“, zählt Tobias Reckinger aus Castrop-Rauxel auf und lässt sich von seinem Gesprächspartner zu einem weiteren Hashtag inspirieren: „#kannnichtsingenundmachstrotzdem“. „Coole Idee“, sagt er zu ihm. 

Sein lustigstes Erlebnis beim Ministrieren: „Ich habe mal vergessen, das Weihrauchschiffchen abzulegen, obwohl genau das meine Aufgabe war.“ Ups. Tobias und sein Partner lachen gemeinsam darüber. Auch Till Austermann aus Dortmund und seine Interviewpartnerin Lena aus Passau verstehen sich gut. Sie erzählen einander, was ihnen an der eigenen Heimat gefällt. „Der BVB“, sagt Till. „Ooouuuh!“, lacht Lena los: „Ich steh auf den FC Bayern.“ Heute ist das egal: das Ministrieren verbindet selbst Fußballrivalen.

Spätestens beim gemeinsamen Gebet herrscht Eintracht. Das Vater Unser verbindet Christen in aller Welt. Das internationale Wallfahrtsgebet nebst Pilgersong „Suche Frieden“ vereint die Ministrantinnen und Ministranten aus den Bistümern Paderborn und Passau an diesem Abend zusätzlich.

In kleinen Interviewrunden lernen sich die Ministranten besser kennen.

Das internationale Pilgergebet

Jesus Christ,
you are our peace.
Our service is for you.
In you we are united.
We will caryy your light.
Amen.

Das offizielle Programm des Blind Dates ist vorbei, doch die mehr als 50 jungen Leute haben noch nicht genug. Malte stimmt „HUMBA“ und eine „Messdiener-Rakete“ an. Wenn sie es nicht schon vorher taten, bleiben einige Passanten spätestens jetzt stehen und schauen sich das spaßige Treiben an. Ein Mädchen übernimmt die Animation und startet ein weiteres Mitmach-Lied. Zu „Singing in the rain“ tanzen mehr als 50 Ministrierende im Kreis und machen lustige Verrenkungen. „Kommt, macht mit! Join us!“, fordern sie die Zuschauer auf und füllen den Platz mit Leben. Einige Songs und Tänze mit Fremden, die zu Freunden werden, später verabschieden sich die Gruppen glücklich voneinander.

„Es ist etwas langsam angelaufen, aber hat am Ende echt viel Spaß gemacht“, sagt Till hinterher über das Blind Date. Auch Catalina ist zufrieden: „Es war cool, neue Leute zu treffen“, resümiert die 21-Jährige. „Ich hatte etwas anderes erwartet“, gibt Lukas Winterkamp zu. Er hätte weniger Action erwartet und sei positiv überrascht worden: „Die Stimmung war echt gut, obwohl wir „nur“ andere Deutsche und keine Internationalen Ministranten getroffen haben“, findet er und freut sich: „Wir aus Dortmund sind ein bisschen durchgeknallt und haben die Anderen damit angesteckt.“

Bildergalerie zum Blind Date

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