"Zeigt Herz und Verstand"
27.07.2016

"Zeigt Herz und Verstand"

Katechese mit Weihbischof Bernhard Haßlberger

Von Dirk Lankowski

Es ist gar nicht so einfach an diesem Mittwochmorgen, die Weltjugendtags-Pilger zum Mitmachen zu animieren. Viele Gruppen aus dem Erzbistum Paderborn haben nachts vor einem überfüllten und später geschlossenen Bahnhof in Krakau gewartet, um zu ihrem Schlafquartier im knapp 50 Kilometer von Krakau entfernten Chrzanów zu kommen. Manche waren erst um 4 Uhr morgens zurück, die Müdigkeit sieht man ihnen an. Dennoch ist die alte Pfarrkirche gefüllt, als das das Paderborner Katecheseteam mit Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder, BDKJ-Diözesanseelsorger Thomas Bensmann und Referentin Maren Gödde die Teilnehmer zur ersten Katechese dieses Weltjugendtages begrüßt.

Karol Mendrela und Stefanie Hauk gehören zu den Besuchern der Katechese, einem festen Element jedes Weltjugendtages. Sie sind mit 15 weiteren Jugendlichen aus dem Dekanat Herford-Minden in die Kirche gekommen, um mehr zum Thema des Weltjugendtages „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5,7) zu hören. Glaubensvertiefung nennt man das. Der Paderborner Katechese, die auch von Teilnehmern aus den Erzbistümern Berlin und Köln besucht wird, ist für diesen Morgen Weihbischof Bernhard Haßlberger (München-Freising) zugeteilt worden.

Das Animationsteam begrüßt vor der Kirche alle Teilnehmer zur Katechese.

„Es ist total super hier, auch wenn der Tag gestern sehr sehr anstrengend war“, sagt die 20-jährige Stefanie. Über Umwege mit einem Zug über Ausschwitz, wo sie mitten in der Nacht umsteigen mussten, haben sie es nach dem Eröffnungsgottesdienst nach Chrzanów geschafft. „Natürlich ist irgendwann die Stimmung gekippt, aber wir haben in Ruhe abgewartet“, berichtet Gruppenleiter Karol. Drei Stunden haben sie auf Einlass in den Bahnhof gewartet. „Wir sind jetzt platt und übermüdet, aber zuhören wollen wir trotzdem“, sagt der 30-Jährige.

Doch ein Katechese-Morgen bedeutet mehr, als nur den Worten eines Bischofs zu lauschen. Das Katecheseteam hat sich viel Mühe gegeben, den Morgen zu gestalteten. Draußen hängen Banner und laden in die Kirche ein. Die Projekt-Band sorgt für Musik und ein Animationsteam begrüßt alle Pilger persönlich und animiert hinterher in der Kirche zum gegenseitigen Kennenlernen. Trotz Müdigkeit wird freundlich gelächelt und sich ausgetauscht.

Weihbischof Bernhard Haßlberger freut sich auf die Begegnung mit den jungen Leuten und hat sich intensiv auf das Thema „Jetzt ist die Zeit der Barmherzigkeit“ vorbereitet. „Barmherzigkeit ist schließlich nichts aus vergangenen Zeiten, das ist etwas ganz aktuelles, das ist ein Kern unseres Glaubens“, sagt der Weihbischof. Er ruft die jungen Leute dazu auf, sich für Versöhnung und Vergebung einzusetzen. „Das braucht unsere Welt, zeigt Herz und Verstand.“ Am Ende bekommt der Weihbischof langanhaltenden Applaus. Die jungen Leute können jetzt Fragen stellen.

Lukas Passon, Karol Mendrela, Weihbischof Bernhard Haßlberger, Quynh-Sarah Nguyen, Stefanie Hauk, Benedikt Suchhart und Emanuel Hauk (v.l.).

„Der Bischof war sehr offen und hat unsere Fragen ehrlich beantwortet“, freut sich Stefanie Hauk. „Barmherzigkeit ist jeden Tag Thema, solche Treffen helfen mir“, meint die junge Weltjugendtags-Pilgerin zur Katechese. Ehrlich gibt sie zu, dass auch sie manchmal zickig sei und nicht so einfach ihr Ego überspringen könne. Alle Fragen können an diesem Morgen aber nicht beantwortet werden, denn nach der Katechese wird Gottesdienst gefeiert und die Jugendlichen wollen wieder rein nach Krakau. Gut, dass es nach dem Gottesdienst eine kleine Scheckkarte zur Erinnerung gibt. Darauf stehen ein Evangeliumstext sowie das Wort „Jetzt“. Barmherzigkeit ist jetzt.

Galerie Erste Katechese