14.11.2019

„Eine Art von Segen wollen alle haben“

Perspektive

Tina Tschage hält freie Trauungen mit Paaren, die bewusst nicht kirchlich heiraten möchten.

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von Anna Petri

Tina Tschage weiß, was Paare wollen. Die gelernte Journalistin und Theologin hat ihre Berufung als Rednerin für freie Trauungen gefunden. Als „Trau-Frau“ ist sie deutschlandweit unterwegs, um jungen Paaren, die nicht kirchliche heiraten möchten, ein Stück auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft zu begleiten - und ihnen einen unvergesslichen Hochzeitstag zu schaffen. YOUPAX-Redakteurin Anna Petri hat mit Tina über ihre Arbeit gesprochen und erfahren, was junge Paare sich von ihrem großen Tag erhoffen.

Tina Tschage

Liebe Tina, schön, dass du die Zeit für das Interview gefunden hast.

Wie bist du dazu gekommen, als Trau-Frau zu arbeiten?

Ich bin evangelische Theologin und habe einige Jahre die Praxisarbeit einer Kirchengemeinde mitgestaltet. Dann habe ich eine journalistische Ausbildung gemacht und sprechen, moderieren, Geschichtenerzählen und präsentieren gelernt. Als ich umgezogen bin und meine Festanstellung in einer TV-Redaktion aufgegeben habe, musste ich einen neuen Job haben.

"Ich liebe es, Menschen an Meilensteinen des Lebens zu begleiten!"

Dann kam die Freiberuflichkeit. Neben meiner Arbeit als Trau-Frau bin ich immer noch als PR-Frau unterwegs und mittlerweile auch als Coach und Trainerin in Unternehmen tätig. Ich fasse das so zusammen: Ich liebe es, Menschen an Meilensteinen des Lebens zu begleiten! Trau-Frau und Zeremoniarin (ich gestalte ja auch Kindersegnungen, Patenfeiern, Willkommensfeste, Jahrestage und Trauerfeiern und Beerdigungen) bin ich heute vor allem, um mein pastorales Herz ins Leben zu bringen.

Wie sieht deine Arbeit konkret aus? Wie läuft die Vorbereitung mit den Paaren ab?


Jede Hochzeit ist einzigartig! Meine Arbeit besteht darin, gemeinsam mit dem Brautpaar herauszufinden, was genau zu ihnen passt. Von mir bekommt das Paar viel „Futter“ – also viele Unterlagen mit vielen Anregungen und Ideen und Fragen, damit sie ihre Vorstellungen ihrer eigenen Zeremonie nach und nach und ganz individuell formen können. Ich stehe dann über Monate parat, beantworte Fragen und liefere kreative Ideen. Außerdem kontaktiere ich gerne Trauzeugen, Eltern oder Freunde. Daraus baue ich dann eine ganz individuelle Zeremonie zusammen.

Die Trau-Frau bei der Arbeit

Worauf kommt es den jungen Paaren im Leben an? Inwiefern spürst du, was du ihnen mit auf den Weg geben kannst?

Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Vielen sind gute, oft auch christlich fundierte Werte wichtig. Von ganz großer Bedeutung ist auch der Zusammenhalt in der Beziehung und in der Familie. Für einige Paare bilden Freiheit und viel Zeit für Reisen in ferne Länder einen großen Schwerpunkt. Ich versuche immer, den Paaren eine gute Portion Mut mitzugeben: Sich um ihre Beziehung(en) zu kümmern, gut für sich zu sorgen und an sich und an der Paarbeziehung zu arbeiten, ein Leben lang. Denn nur so kann Beziehung dauerhaft gelingen. Und dann ist es auch sehr unterschiedlich, was ich verspüre, dem Paar mit auf dem Weg zu geben.

Was reizt dich besonders an deiner Arbeit als Trau-Frau?


Dass ich immer wieder neue Menschen kennenlerne, sie mir ihre Geschichten und viel Intimes anvertrauen – und sie mich letztlich sehr nah an sich heranlassen. Meist denken Gäste, dass ich eine gute Freundin des Brautpaares sei – das freut mich und zeigt mir, dass ich alles richtig mache. Außerdem wissen alle meine Kunden, dass ich nicht nur Theologin bin, sondern – wie ich selbst immer liebevoll über mich sage – „ein ganz frommes Ding“. Ich lebe meinen christlichen Glauben und biete meinen Kunden auch immer was davon an. Eine Art von Segen wollen sie eigentlich alle haben, und das finde ich wundervoll.

Was ist den jungen Paaren dabei besonders wichtig?

In erster Linie die Individualität. Das ist ein ganz entscheidender Aspekt. Paare buchen mich und wollen eine Freie Trauung erleben, eben weil sie etwas ganz Persönliches, auf sie Zugeschnittenes, haben wollen. Was ich persönlich total spannend finde: mich buchen eben auch viele, gerade weil ich den christlichen - pastoralen - Aspekt mit reinbringen kann, auf eine sehr schöne Art, vor allem für Menschen, die mit Gott, Kirche und Glaube nicht (mehr) so viel am Hut haben.

Stichwort Berufung: Auch im Hinblick auf deinen Glauben, hast du deine Berufung gefunden?

Da sage ich ganz klar ja! Für mich ist – theologisch – unsere menschliche Berufung ja schlicht, Kind Gottes zu sein. Also mehr Sein als Tun. Und das bin ich: geliebtes Kind Gottes. Dass für mich meine Arbeit viel mehr Leidenschaft ist als stures Tauschen von Zeit gegen Geld, war mir sehr früh klar. Das, was ich heute tue und wie ich es tue macht mich sehr glücklich und dankbar. Oft reagieren Leute, wenn ich sage, wie ich arbeite, mit diesem „Ooooh, dann bist du selbstständig – also selbst und ständig...“. Darauf antworte ich immer: „Nö, ich bin ständig ich selbst, das ist ganz was anderes!“

Vielen Dank für das Interview!

Tina Tschage hat ihre Berufung gefunden.

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