16.04.2018

Lifestyle

Kino: Draußen in meinem Kopf

Ziemlich bestes Kammerspiel: Der Plot erinnert im ersten Moment an „Ziemlich beste Freunde“, doch dann verläuft die Geschichte von „Draußen in meinem Kopf“ ganz anders.

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von Caroline von Eichhorn

Als bei Svens Musikanlage seine geliebte Bach-CD hängen bleibt, ist der 28-Jährige ausgeliefert. Die schöne Musik, zerstört! Dann muss er sich den Hänger solange anhören, bis Christoph angerannt kommt. Denn Sven, gespielt von Samuel Koch, hat seit seiner Geburt eine Muskelkrankheit und kann nur seinen Kopf bewegen.

Christoph ist Svens neuer Pfleger. Er soll Sven in solchen Momenten im Rahmen seines sozialen Jahres unterstützen und auch bei allen anderen täglichen Dingen, die Sven nicht alleine erledigen kann: essen, duschen, aufräumen, eigentlich fast alles.

"Draußen in meinem Kopf" erzählt die Geschichte des körperlich stark eingeschränkten Sven und seinem Pfleger Christoph.

»Ich wollte den Film so erzählen, dass es um Freundschaft und wirkliche Nähe geht. Von einem Kosmos, der abgeschnitten ist von den gängigen Konventionen und Maßstäben.«

EIBE MALEEN KREBS
Regisseurin

Erst einmal ist Christoph, gespielt von Nils Hohenhövel, überfordert von Svens forscher Art, seiner Redseligkeit, seinem direkten Humor. Christoph bleibt reserviert, fühlt sich in der Enge des Raumes wie in einem Käfig und man fragt sich: wer von den beiden kommt mit seinem Schicksal gerade besser klar?

Doch allmählich schafft es Sven mit seiner Eloquenz Christoph zu öffnen. In der vermeintlichen Enge des Zimmers entsteht eine kreative Freundschaft, und Sven verrät Christoph nicht nur ein Geheimnis.

Der Plot erinnert im ersten Moment an „Ziemlich beste Freunde“, doch dann verläuft die Geschichte von „Draussen in meinem Kopf“ ganz anders. Viel eindringlicher, viel intimer.

Regisseurin Eibe Maleen Krebs hat sich von einer wahren Begebenheit inspirieren lassen. „Ich wollte den Film so erzählen, dass es um Freundschaft und wirkliche Nähe geht. Von einem Kosmos, der abgeschnitten ist von den gängigen Konventionen und Maßstäben. Mir liegt es fern, über Richtig und Falsch zu urteilen. Vielmehr hat mich die künstlerische Überhöhung gereizt“, sagt sie.

Sven lässt nur wenige Menschen in seine Welt.
Schauspieler Samuel Koch ist seit einem Unfall bei "Wetten Dass..." im Jahr 2010 querschnittsgelähmt.
"Draußen in meinem Kopf" spielt komplett in Svens Pflegezimmer.

Ein Kammerspiel hinter
verschlossenen Türen

Das Künstlerische in diesem Film ist die Reduktion – er ist komplett in Svens Zimmer gedreht, ein Kammerspiel hinter verschlossenen Türen. Sven hat sich dort seinen Mikrokosmos geschaffen, nur wenige Menschen – Pfleger und zwei Pflegeheimbewohner – haben Zugang.

Man kann sich kaum vorstellen, dass ein Raum für 90 Minuten Film trägt, doch er wird niemals langweilig und schaut in jeder Szene anders aus: mal düster, mal hell, mal dominieren Nahaufnahmen, mal die Einrichtung. „Ich selber denke Szenen immer erst visuell, bevor ich sie in einem Drehbuch aufschreibe“, sagt Eibe Maleen Krebs.

»Man lernt diese beiden Menschen intensiv kennen, spürt, wie eine Freundschaft Krankheiten vergessen lassen kann und wie wichtig Freunde sein können, wenn es um echte Wünsche geht.«

CAROLINE VON EICHHORN
YOUPAX-Kinokolumnistin

Svens Rolle hätte man nicht besser besetzen können als mit Samuel Koch, der sich selbst auch nicht mehr bewegen kann. In einer „Wetten Dass...“-Sendung 2010 verletzte er sich, als er über ein fahrendes Auto sprang. Seither ist der Schauspieler querschnittsgelähmt. Er kann sich nur verbal und durch Mimik ausdrücken – diese wenigen Mittel beherrscht er virtuos. Nicht nur für Samuel Koch, auch für Nils Hohenhövel in der Rolle von Christoph war es die erste Kinohauptrolle.

Der Film steigt zwar etwas lahm erzählt ein, doch im Verlauf steigert er sich enorm und wird immer tiefer. Man lernt diese beiden Menschen intensiv kennen, spürt, wie eine Freundschaft Krankheiten vergessen lassen kann und wie wichtig Freunde sein können, wenn es um echte Wünsche geht.

Ab dem 26. April im Kino.

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