Film Still aus Hotel Jugoslavia
13.02.2019

Hotel Jugoslavia

Neu im Kino

Eine Dokumentation über das wohl größte Hotel auf dem Balkan, in dem sich Ruhm und Verfall begegnen.

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von Caroline Eichhorn

Groß sollte es sein, und prächtig. Es sollte Leute aus der ganzen Welt anziehen und das Land repräsentieren. Das Hotel Jugoslavia. Erbaut wurde es 1969 in Belgrad – damals als Ikone des Modernismus. Heute ist es Zeuge und Symbol der Geschichte Jugoslawiens.

Der Schweizer Regisseur Nicolas Wagnières hat jugoslawische Wurzeln und sich im Hotel Jugoslavia auf die Suche gemacht, was vom Spirit Jugoslawiens, vom Einheitsgefühl und der Brüderlichkeit, noch übrig ist.

Gefunden hat er ein mystisches Gebäude: zwischen Prachtbau und Plattentristesse. Riesige Eingangshallen mit Säulen und Flügel, Restaurants. Casino. Den lange Zeit größten Kronleuchter der Welt, gestaltet von Swarovski. Verstaubte Fahnen im Keller. Wirkt vergilbt.

Ehemalige Mitarbeiter erzählen, welche unterschiedlichen Lebensphasen das Hotel mitgemacht hat: von Tito bis Milosevic, vom Sozialismus bis zum Nationalismus, von den Bombardierungen der NATO bis zum korrupten Liberalismus.

Dazu spricht Wagnières von seinen Erinnerungen an die Kindheit,
an Urlaube im ehemaligen Jugoslawien mit 2-Dinar-Spielautomaten und Vucko, dem Maskottchen der olympischen Spiele in Sarajevo 1984.

Jugoslawien – eigentlich nicht so lange her. Der Name bedeutet: Land der Südslawen, denn eine ganze Reihe ethnischer und religiöser Gruppen lebten in einem Staat zusammen: orthodoxe Serben, katholische Kroaten, muslimische Bosniaken – insgesamt sieben Länder. Eine heterogene Nation, der zuletzt 23 Millionen Bürger angehörten.

Hotel Jugoslavia

Im Jahr 1980 starb Josip Tito, der beliebte und starke Chef des Staates. Bald darauf kam immer mehr Streit auf – vor allem zwischen Serben und den anderen. Mehr als jeder dritte Einwohner war Serbe. Sie waren von Anfang an die Ansager.

1991 erklärten Slowenien, Kroatien, Bosnien und Mazedonien, dass sie lieber unabhängig sein wollten. Das wollte Serbien aber nicht. Zuletzt blieben nur noch Serbien und Montenegro als „Jugoslawien“ zusammen. Im Jahr 2006 erklärte sich auch Montenegro unabhängig.

Zu dieser Zeit begann auch Regisseur Nicolas Wagnières das Hotel zu filmen und vergangene Aufnahmen zu sammeln. Wenn er Bilder ruhmreicher Tage neben die baufälligen Mauern positioniert, dann ist das ein mehr als eindrucksvolles Symbol für den Zerfall, den lange niemand für möglich gehalten hat.

Der Regisseur lädt ein zu einer Reise durch die Epochen und Ebenen dieses Gebäudes und schafft eine interessante Raum-Zeit-Struktur, aus der eine Form kollektives Gedächtnis sowie ein Teil seiner eigenen Identität zum Vorschein kommt. Eine persönliche und politische Auseinandersetzung.

Auch heute kann man noch im Hotel Jugoslavia übernachten. Beschrieben wird es im Internet als „schlichtes Hotel mit einfachen Zimmern“.

Hotel Jugoslavia läuft ab dem 21. Februar in den deutschen Kinos.

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