Bibel lesen allein und doch zusammen
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09.04.2020

Perspektive

Gebet per Video-Chat

Kleingruppen und Hauskreise in Zeiten von Corona

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von  Anna Petri

Sie sind die Ergänzung zum sonntäglichen Gottesdienst: Hauskreise und Kleingruppen. Ich finde es großartig, dass mir mein Hauskreis die Möglichkeit bietet, meinen Glauben neben dem Gottesdienst noch einmal auf einer persönlicheren Ebene zu leben.

Im Gespräch mit einer kleinen Runde von sieben Personen teilen wir unsere Einschätzung zu Bibelstellen, sprechen über die Predigt vom vergangenen Sonntag und darüber, was sie für unser Leben bedeutet. Aber wir diskutieren auch gern mal angeregt über „heiße Eisen“, wie die Fragen nach dem Leid in der Welt. Besonders schätze ich aber den persönlichen Austausch, der mittlerweile zu einem festen Bestandteil unserer vierzehntägigen Treffs geworden ist. Jeder berichtet kurz, was ihn in seinem Leben gerade besonders bewegt und wir beten gemeinsam für unsere Anliegen.

Virtuelle Treffen bieten neue Chancen
Virtuelle Treffen bieten neue Chancen

Doch seit einigen Wochen ist alles anders. Nicht nur in unserem Hauskreis. Corona bestimmt das Weltgeschehen und dringt bis in die kleinsten, persönlichen Bereiche vor. Auch hier ist, wie überall, nun sehr viel Einfallsreichtum und Flexibilität gefragt. Video-Konferenzen und Chats sind gute Möglichkeiten, auch in Zeiten von Kontaktsperren mit einander verbunden zu bleiben und seine Erfahrungen zu teilen. Auch das Kleingruppen-Leitungsteam der Dortmunder Christuskirche um Doro Tubach rät dazu, die gemeinsamen Treffen auf keinen Fall vollständig ausfallen lassen.

Alma im Fatima Center

Gerade in diesen Zeiten der sozialen Isolation seien gegenseitige Ermutigung und gemeinsames Gebet wichtiger denn je. Die virtuellen Treffs würden den Kleingruppen helfen, gerade jetzt füreinander da zu sein und die Nähe Gottes besonders intensiv erleben zu können. „Wir haben auch bereits von einigen Hauskreisen die Rückmeldung erhalten, dass sie sich bereits einmal per Video-Chat getroffen haben“, erzählt Doro.

Neben der Möglichkeit, sich per Video zu treffen, hat das Kleingruppen-Leitungsteam einen weiteren Vorschlag für die Hauskreise: den schriftlichen Austausch. „Ergänzend zu den virtuellen Treffen haben wir den Gruppen auch vorgeschlagen, sich schriftlich über verschiedene Themen auszutauschen, zum Beispiel per WhatsApp oder per Mail.

Das kann eine wunderbare Ergänzung zu den wöchentlichen Treffs sein. Man bespricht gemeinsam eine Bibelstelle und hat dann individuell Zeit, sich weitere Gedanken zu machen, und diese „zu Papier“ zu bringen.“ Auch hier empfiehlt Doro den Gruppen, sich einfach mal auszuprobieren, und zu schauen, welche Methode für sie am besten geeignet ist.

Im Gebet nicht allen sein
Im Gebet nicht allen sein

Eine besondere Chance sieht Doro in der momentanen Situation für Menschen, die bisher aus beruflichen oder sonstigen Gründen, keine Zeit für eine Kleingruppe aufbringen konnten. Für sie könnten virtuelle Wege der Kommunikation – ob Video-Chat oder der schriftliche Austausch – eine Möglichkeit sein, den Weg in einen Hauskreis zu finden. „Die Zeit für eine Mail kann man sich völlig frei einteilen und ist damit deutlich flexibler.“ Eine weitere Idee von Doro, für die sich der schriftliche Austausch wunderbar eignet, ist das sogenannte „Bibel teilen“. Hier geht es darum, sich mit einer Textstelle auseinanderzusetzen, in dem man zuerst einmal völlig frei seine Gedanken dazu sortiert, bevor man dann per Mail oder einem Messenger-Dienst in den Austausch mit anderen tritt.

Hauskreis von Zuhaus
Hauskreis von Zuhaus

Doro hat auch bereits einige Rückmeldungen von Hauskreisen erhalten, die berichten, dass trotz der räumlichen Distanz die Nähe zueinander deutlich spürbar war. „Eine Gruppe, die sich eigentlich nur vierzehntägig trifft, möchte sich nun wöchentlich für einen kurzen Austausch virtuell zusammensetzen, bei dem jeder berichten kann, wie es ihm gerade geht.“

Über solche Rückmeldungen freut sich Doro besonders und sieht darin auch die Chance für Gruppen, sich so auf eine ganz andere Art und Weise neu kennenzulernen, um so vielleicht sogar etwas Neues zu entdecken, was sich dann auch langfristig über die Zeit von Corona hinausträgt. Auch bieten die virtuellen Treffen eine Möglichkeit, den Alltag auf positive Weise zu strukturieren, gerade in einer Zeit, in der sovieles wegbricht.

Welche Möglichkeit der virtuellen Treffs jeder Hauskreis für sich in Betracht zieht, bleibt natürlich den Mitgliedern selbst überlassen. In jedem Fall rät Doro aber dazu, mutig zu sein, auch ungewohnte Wege der Kommunikation auszuprobieren.

„So sehr wir alle unter der momentanen Situation leiden, vielleicht bieten sich auch dadurch Chancen, etwas Neues auszuprobieren, und neue bereichernde Erfahrungen zu sammeln.“

Und vielleicht wird man durch die intensivere Auseinandersetzung mit der Schrift auf die eine oder andere, vielleicht weniger bekannte Bibelstelle aufmerksam, die gerade in diesen Zeiten besonderen Trost und Ermutigung schenken kann.

Mix