Nachhaltig Reisen - zum Wohl unserer Erde
19.11.2018

Faszination

Wie ihr nachhaltig reist und Gutes tut

TourismWatch gibt Tipps für die Reiseplanung 2019

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von Till Kupitz

Zwei Wochen lang Luxus-Urlaub in Thailand, inklusive Flüge und Vier-Sterne-Hotel? Nicht einmal 800 Euro teuer.

Direktflüge von Frankfurt nach New York und wieder zurück? Kosten nur 280 Euro.

Oder vielleicht doch die 14-tägige Karibik-Kreuzfahrt für schlanke 1000 Euro?

Wer, wie ich für diesen Beitrag, mal ein paar Minuten nach dem nächsten Schnäppchen-Urlaub sucht, wird heutzutage schnell fündig. Kein Wunder: Portale wie Urlaubsguru und Co. laden dich ja förmlich dazu ein, Flüge zu finden, deren Preise erst einmal surreal klingen - es gibt sie aber wirklich. Haufenweise. Wir freuen uns drüber, und unser Geldbeutel gleich mit. Aber: Wo so viel Licht ist, muss auch Schatten sein. Das ist und allerdings beim Thema Reisen häufig noch gar nicht so richtig bewusst.

Passiert leider zu oft: Touristen verschmutzen auch schönste Strände

Immer mehr Menschen achten mittlerweile darauf, weniger Plastik zu verbrauchen oder das Auto auch mal stehen zu lassen und stattdessen das Rad oder den Bus zu nehmen. Deutschland plant (hoffentlich) den Ausstieg aus der Kohle. Um den Tourismus machen sich aber noch zu wenige Personen Gedanken - obwohl es längst Möglichkeiten, Tipps und Tricks für nachhaltiges (und damit einhergehend verantwortungsbewusstes) Reisen gibt. Es wird Zeit, diese zu nutzen.

"Der Tourismus ist weltweit einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige. Deswegen muss Nachhaltigkeit im Tourismus eine wichtige Rolle spielen", erklärt Laura Jäger. Sie arbeitet bei TourismWatch, einer Organisation, die zum evangelischen Entwicklungsdienst Brot für die Welt gehört und das nachhaltige Reisen mehr in den Vordergrund rücken möchte. Dazu gehört einerseits umweltschonendes und klimafreundliches Reisen, andererseits sollen auch die sozialen Auswirkungen des Tourismus berücksichtigt werden.

Laura Jäger arbeitet bei TourismWatch

Der Tourismus wächst immer weiter

"Man muss sich vor Augen führen: Da, wo heute an der Küste ein Luxushotel steht, stand früher vielleicht ein Fischerdorf", beschreibt Laura Jäger beispielhaft. "Urlaubsorte sind nicht in erster Linie touristische Kulisse, sondern der Lebensraum von Menschen sowie Ökosystem für Pflanzen und Tiere."

Die enormen Auswirkungen für Menschen und Umwelt, die dadurch entstehen, nehmen stetig neue Ausmaße an: 2017 machten weltweit bereits mehr als 1,3 Milliarden Touristen eine Auslandsreise, wie die Welttourismus-Organisation UNWTO mitteilte - 84 Millionen mehr als im Vorjahr. Bis 2018 sollen die Ankünfte auf 1,8 Milliarden steigen. Viele per Flugzeug, weil so auch weiterentfernte Ziele mittlerweile für kleines Geld zu erreichen sind. 

Das ist ein Problem, denn die umweltschädlichen Auswirkungen durch den Treibstoff Kerosin sind riesig. Ein Beispiel: Laut Umweltbundesamt verursacht eine Flugreise von Deutschland auf die Malediven und zurück pro Person über fünf Tonnen CO2. Zum Vergleich: Mit einem Auto könnten wir dafür mehr als 30.000 Kilometer weit fahren.

Das Paradoxe an der ganzen Sache: Nur fünf bis zehn Prozent aller Menschen weltweit hätten beispielsweise ein Flugzeug schon mal von innen gesehen, so Tourismus-Referentin Laura Jäger. Am Ende sind es aber genau diese Menschen aus südlich gelegenen Entwicklungsländern, die nicht reisen, dafür aber am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. "Wir haben eine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass unser Urlaubsvergnügen nicht zu Lasten von anderen Menschen geht oder sie gar in ihrer Existenz bedroht."

TourismWatch versucht deshalb, im Austausch mit den Medien und Politikern für nachhaltiges Reisen zu sensibilisieren und politischen Handlungsbedarf aufzuzeigen.

»Wenn wir nachhaltigen Tourismus ernst nehmen wollen, müssen wir dazu beitragen, dass der Tourismus nicht nur für uns Urlauber eine positive Erfahrung ist, sondern auch für die Menschen vor Ort positive Entwicklungsimpulse setzen kann - zum Beispiel durch eine faire Verteilung der Einkommen durch den Tourismus oder gute Arbeitsbedingungen im Tourismus.«

Laura Jäger
Referentin Tourismus und Entwicklung bei TourismWatch

Wir haben nur diese eine Welt - und die gilt es zu schützen. Wer jetzt seinen Urlaub für das kommende Jahr plant, kann auf Nachhaltigkeit achten. Damit einige der schönsten Tage unseres Jahres auch für andere Menschen zu einer schönen Zeit werden, gibt TourismWatch folgende Tipps:

5 Tipps für Nachhaltiges Reisen

1. Sich Zeit nehmen. Weg vom Kürzer, Öfter, Weiter!
Wer für den Urlaub gerne in ein weitentferntes Land reisen möchte, sollte am besten direkt eine längere Zeit dort verbringen. So kann man eher wirtschaftliche Impulse setzen, mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen und etwas über ihre Kultur lernen, erklärt Laura Jäger: "Es darf nicht darum gehen, nur im Schnellverfahren die wichtigsten Hot-Spots abzuklappern und Bilder auf Instagram zu posten. Besonders die Begegnungen mit den Menschen vor Ort sind in meinen Augen wichtig. Dafür sollte man sich Zeit nehmen."

2. Auf Land und Leute vorbereiten - und die eigene Motivation abklopfen
"Es ist wichtig, sich vorab Infos über das Urlaubsland einzuholen und zu überlegen: Was erhoffe ich mir von einer Reise dorthin?", sagt Laura Jäger. Wer nur am Strand liegen will, muss dazu nicht in die Karibik fliegen, sondern könnte per Zug auch ans Mittelmeer fahren. Eine alternative Reiseliteratur zur Vorbereitung bieten in diesen Hinblick sogenannte Sympathiemagazine, die über das Internet zu finden sind. Sie blicken hinter die touristische Kulisse und kämpfen gegen Vorurteile an. 

Auch Brot für die Welt  gibt euch Tipps und Tricks, was ihr beachten müsst, wenn ihr fair und sozial verträglich reisen wollt. Im Internet unter fair-reisen.brot-fuer-die-welt.de findet alles Wissenswerte zum Thema Nachhaltiges Reisen -  von der Reisevorbereitung bis zur Begegnung mit Menschen vor Ort.

Die Seele baumeln lassen - und in andere Länder ausgiebig eintauchen.

3. Den Reiseveranstalter sorgsam auswählen
Inzwischen gibt es Zertifizierungen wie beispielsweise "tourcert". Das ist ein Organisation, die die soziale und ökologische Komponente in den Blick nimmt. Wer einen zertifizierten Reiseveranstalter auswählt, sorgt dafür, dass möglichst viel Geld im Reiseland und bei den Bewohnern bleibt.

4. Flugreisen vermeiden/Flüge kompensieren
Wenn möglich, sollten Flugreisen immer vermieden werden. Laura Jäger: "Gerade Kurzstreckenflüge sind absolut verzichtbar. Innerhalb Deutschlands ist man von Haustür zu Haustür ohnehin oft schneller unterwegs, wenn man die Bahn nimmt."

Wenn eine Flugreise unbedingt notwendig ist, sollte diese wenigstens kompensiert werden. Hierbei wird die Menge von CO2-Emissionen berechnet, die du mit deinem Flug verursachst. Dafür kaufst du ein sogenanntes Ausgleichszertifikat, das bestätigt, dass das ausgestoßene CO2 an anderer Stelle durch ein Klimaschutzprojekt gebunden wird. Dies ist z.B. über die Klimakollekte möglich.

5. Die Lokalbevölkerung respektieren, Menschenrechte und Natur achten
"Es droht die Gefahr, dass wir die Menschen vor Ort lediglich als Statisten oder Dienstleister wahrnehmen. Der menschliche Aspekt rutscht dann in den Hintergrund", sagt Laura Jäger. "Schließlich sind das unsere Gastgeber. In den seltensten Fällen wurden sie gefragt, ob sie mit der Tourismusentwicklung vor ihrer Haustür einverstanden sind."

Stattdessen könnte Tourismus sogar Brücken schlagen und interkulturellen Austausch fördern. Es gilt: Lieber kleine, heimische Lokale und Hotels unterstützen als riesige Hotel- oder Restaurantketten.

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