Urlaub an der Ostseeküste
Urlaub an der Ostseeküste
04.06.2020

Perspektive

Reisen in Zeiten von Corona

Wie wir trotz der aktuellen Beschränkungen kleine Auszeiten vom Alltag genießen können.

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von  Anna Petri

Wenn ich in diesen Tagen am Reisebüro in unserem Dortmunder Stadtteil Aplerbeck vorbeigehe, ist es etwas ungewohnt. Wo sonst immer Bilder von weißen Sandstränden den nächsten Traumurlaub auf einer tropischen Südseeinsel bewerben, oder mit günstigen Pauschal-Angeboten Lust auf einen Trip nach London, Paris oder New York gemacht wird, liegen die Reisetrends derzeit ganz woanders. Zwei Wochen Harz oder ein Wochenende in der Eifel. Das sind die Reiseziele, für die mich mein Reisebüro aktuell begeistern will.

Urlaub in Deutschland?

Was vor ein paar Monaten noch selbstverständlich war, erscheint jetzt wie ein Relikt aus längst vergangener Zeit: Fernreisen oder überhaupt das Reisen in andere Länder. Abgesehen davon, dass die Coronakrise ganze Branchen erschüttert hat, so leidet besonders der Tourismus. Auch das Auswärtige Amt warnt derzeit immer noch vor nicht notwendigen touristischen ins Ausland.

Machen wir dieses Jahr Urlaub am Rhein?
Machen wir dieses Jahr Urlaub am Rhein?

Auch wenn aktuell bereits wieder über Lockerungen in der Tourismus-Branche diskutiert wird, die Bilder in unserem Reisebüro sprechen eine andere Sprache. In meiner Familie ist man sich auch unsicher, ab wann man wieder guten Gewissens verreisen kann. Meine Mutter zum Beispiel hat für sich beschlossen, dass sie sich Reisen in andere Länder eigentlich erst wieder vorstellen kann, wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist. Zu groß ist ihre Angst vor einer Ansteckung in einem fremden Land, verbunden mit möglichen Komplikationen bei der Rückreise. Dabei spielt es für sie auch keine Rolle, ob das Reisen von Seiten der Regierung dann bereits wieder erlaubt ist. Sie möchte sich selbst sicher fühlen. Ich kann das absolut nachvollziehen.

Die Suche nach Alternativen

Ich selbst bin ebenfalls von einer Änderung meiner ursprünglichen Reisepläne aufgrund von Corona betroffen. Eigentlich sollte es mit ein paar Freunden über Pfingsten an die belgische Nordseeküste gehen. Gemeinsam haben wir überlegt, ob es vielleicht ein paar gute Alternativen gibt. Ein Bekannter schlug vor Kurzem ein Sightseeing in der eigenen Stadt vor. Natürlich in Zweiergruppen und unter Berücksichtigung der aktuellen Kontakt- und Hygiene-Bestimmungen. Das Wetter spielt aktuell glücklicherweise mit und ich muss gestehen, dass ich dabei Ecken an Dortmund entdeckt habe, die ich vorher noch gar nicht so bewusst wahrgenommen habe. Obwohl ich überhaupt kein Fan von Borussia Dortmund bin, hat mir der Spaziergang um das Westfalenstadion und seine Umgebung ausgesprochen gut gefallen. Dort gibt es ein kleines Waldstück, in dem man sich wunderbar erholen kann.

Eine Reise-Alternative, auf die ich mich besonders freue: Eine Freundin plant eine Schnitzeljagt, die sie selbst in ihrem Stadtteil vorbereitet und uns dann in Zweiergruppen auf die Suche schickt. Gemeinsam mit einem Bekannten hat sie besondere Ecken ausgesucht, an denen sie Hinweise für uns versteckt, die uns einmal quer durch den Stadtteil schicken werden.

Über den großen Teich geht es dieses Jahr wohl nicht.
Über den großen Teich geht es dieses Jahr wohl nicht.

Mit einer anderen Freundin habe ich vor einigen Tagen einen virtuellen Urlaub gemacht. Das heißt, wir haben uns online von unserem bisher aufregendsten Urlaub erzählt und Fotos ausgetauscht. Für mich war dieser Urlaub meine Rundreise an der Ostküste der USA vor einigen Jahren. Beim Anschauen der Fotos ist mir auch erneut bewusst geworden, warum mir persönlich das Reisen so viel gibt. Man ist zwar nur einige Wochen vor Ort, aber von den Erinnerungen zehrt man ein Leben lang. Wenn ich der Corona-Krise überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann, dass mir so etwas wieder neu bewusst geworden ist.

Roadtrip

Natürlich ersetzen Blicke ins virtuelle Fotoalbum oder ein Rundgang durch die eigene Stadt nicht den vielleicht schon lange geplanten Städtetrip nach Paris oder den Badeurlaub an der italienischen Riviera, auf den man sich schon so lange gefreut hat. Dennoch können die aktuellen Reisebeschränkungen durchaus auch neue Chancen bieten.

Ein großer Gewinner ist sicherlich die Natur. Bereits jetzt ist zu lesen, dass sich vom Tourismus besonders geplagte Gebiete erstaunlich gut erholen und die Umweltbelastungen durch den ansonsten hohen Flugverkehr auch bereits gesunken sind. Das ist auf jeden Fall eine erfreuliche Nachricht.

Vielleicht bietet die Corona-Krise für jeden Einzelnen persönlich auch die Chance, sein eigenes Reiseverhalten einmal kritisch zu hinterfragen. Das soll jetzt auf keinen Fall moralisierend klingen. Aber wenn es zukünftig nicht mehr selbstverständlich ist, vier bis fünfmal im Jahr rund um die Welt zu fliegen, und man sich stattdessen auf einen einzigen Urlaub freut, erlebt man diesen einen Urlaub vielleicht mit einem ganz neuen Bewusstsein und das kann eine ganz neue spannende Erfahrung sein.

Mix