Larissa im Beratungsgespräch
27.11.2017

Lifestyle

Tipps gegen die Schuldenfalle

Larissa Jakobsmeyer berät junge Menschen zum Umgang mit Geld

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Von Anna Petri

Ohne Moos nix los. Auf der Schwelle zum Erwachsenenleben spielt Geld eine zentrale Rolle. Wer nach dem Schulabschluss eine Ausbildung beginnt, verdient sein erstes eigenes Gehalt. Häufig steigen in dieser Lebensphase auch die materiellen Wünsche und Anforderungen. Wer in dem Alter ist, weiß genau: Der Auszug aus dem Elternhaus und der Einzug in die erste eigene Wohnung bringen zwar ein Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit mit sich, aber auch sehr viel Eigenverantwortung. Wer zum ersten Mal finanziell auf eigenen Beinen steht, weiß oft noch gar nicht, welche Herausforderungen es zu stemmen gilt.

Wie wichtig der bewusste Umgang mit den eigenen Finanzen gerade für uns junge Leute ist, zeigt zum Beispiel der Schuldneratlas, der jedes Jahr von den Wirtschaftsforschern der Unternehmensgruppe Creditreform herausgegeben wird. Die Überschuldungsrate junger Menschen ist in den vergangenen Jahren konstant hoch. Im Jahr 2014 waren 15,37 Prozent der unter 30-Jährigen überschuldet, das sind rund 1,75 Millionen Personen. Im Jahr 2016 ist diese Zahl mit 1,66 Millionen zwar etwas gesunken, bringt aber immer noch zum Ausdruck, dass Überschuldung ein zentrales Problem darstellt.

Anfang des Monats = Taschengeld!

»Vielen ist gar nicht bewusst, wo überall potentielle Schuldenfallen lauern.«

LARISSA JAKOBSMEYER
Schuldnerberaterin des SKM e.V.

„Gerade für junge Erwachsene ist es wichtig, mit dem Geld haushalten zu lernen. Das erste eigene Gehalt, der erste eigene Haushalt, das erste eigene Auto – viele Fragen, Probleme und Ausgaben stehen an“, weiß auch Larissa Jakobsmeyer. Die Schuldnerberaterin des SKM e.V. aus Dortmund hat vor einigen Jahren in Kooperation mit dem Karl-Schiller-Berufskolleg in Dortmund das Projekt „Finance-4-U“ ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen über den bewussten Umgang mit den eigenen Finanzen aufzuklären und ihnen wichtige Tipps und Hilfestellungen zum Thema Geld mit an die Hand zu geben.

Im Mittelpunkt des Projekts steht eine Arbeitsgruppe, in der die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zu Jugendfinanz-Coaches ausgebildet wurden. Sie beschäftigen sich mit möglichen Schuldenfallen und prüfen zum Beispiel Handy- und Internetverträge, um versteckte Kosten zu enttarnen. Ziel ist es, dass sie ihr erworbenes Wissen dazu einsetzten, ihre Mitschüler beratend zu unterstützen, die ihrerseits entsprechende Probleme oder Fragen haben.

Ein Anker im Kleingeld
Sparen ist angesagt
Sparschweinchen
Fünfer statt Fuffi

»Das erste eigene Gehalt, der erste eigene Haushalt, das erste eigene Auto – viele Fragen, Probleme und Ausgaben stehen an.«

LARISSA JAKOBSMEYER

„Junge Menschen sollen während der Ausbildungszeit angeregt werden, über das eigene Kauf- und Finanzverhalten nachzudenken, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen und auf dem Weg in ein selbstständiges Leben lernen, zum Beispiel mit dem geringen Ausbildungsgehalt oder Taschengeld zu haushalten“, so Larissa Jakobsmeyer.

Die Schuldnerberaterin weiß aus ihrer täglichen Erfahrung: im richtigen Haushalten liegt ein wichtiger Schlüssel auf den Weg in den selbstbestimmten Umgang mit den eigenen Finanzen. „Vielen ist gar nicht bewusst, wo überall potentielle Schuldenfallen lauern.“

Damit das erste eigene Auto und die erste eigene Wohnung nicht zur Schuldenfalle werden, können die folgenden Tipps helfen.


Richtig haushalten lernen

Im richtigen Haushalten liegt ein wichtiger Schlüssel auf den Weg in den selbstbestimmten Umgang mit dem eigenen Geld. Ausgehend vom monatlichen Gehalt lässt sich gut ein Miet-Limit errechnen. Das WG-Zimmer oder die eigene Wohnung sollte nicht mehr als ein Drittel des Einkommens kosten.

Neben den reinen Mietkosten fallen weitere regelmäßige Ausgaben an. Dazu gehören die Kosten für Strom, Heizung und Warmwasser, Telefon- und Internetanschluss und Rundfunkgebühren. alt. Damit nicht am Ende des Monats gerade das Geld für die Fixkosten fehlt, ist es wichtig, sich eine Übersicht darüber zu verschaffen. Das funktioniert mit einem Haushaltsplan, zum Beispiel in Tabellenform.

Solch eine Tabelle kann man sich einfach selbst anlegen oder herunterladen. Ausgehend von den Fixkosten kann dann berechnet werden, wie viel Geld monatlich noch für Freizeit und Hobbies zur Verfügung steht und ob sogar die Finanzierung eines Autos möglich ist.

Spontankäufe im Internet vermeiden

Die Gefahr beim Online-Shopping besteht vor allem darin, schnell den Überblick zu verlieren Überall locken verführerische Angebote. Ein Klick und schon hat man ein teures Computerspiel oder eine neue Jeans gekauft, die sich vom Preis her jenseits von Gut und Böse bewegt. Die Rechnungen flattern meist erst Tage oder Wochen später ins Haus und können sich anhäufen, bis deren Begleichung nicht mehr mit dem, was monatlich zur Verfügung steht, möglich ist. Die ersten Schulden entstehen. Gerade beim Kauf auf Kreditkarte verlieren viele schnell den Überblick. Wer gern im Internet shoppt, sollte sich auch hier in jedem Fall eine Übersicht über die getätigten Einkäufe anlegen und sofort stoppen, sobald das persönlich gesetzte Limit erreicht ist.
Ordnung in die Finanzen bringen

Schuldenfalle Fitnessstudio und Handyvertrag

Eine Gefahr lauert mitunter auch in der Mitgliedschaft bei einem Fitnessstudio. Oft locken solche Studios mit Rabatte. Das verleitet dazu, schnell den Mitgliedsvertrag zu unterschreiben. Genau hier lauern die Tücken. Häufig gelten solche Verträge direkt für ein ganzes, im schlimmsten Fall sogar für mehrere, Jahre und können nicht so einfach gekündigt werden. Auch wenn man dann nach ein paar Monaten merkt, dass man gar keine Lust mehr auf Sport hat, müssen die monatlichen Mitgliedsbeiträge weiter gezahlt werden. Ähnliches gilt für Handy-Verträge. Auch hier sollte gilt es, die Vertragslaufzeit genau zu prüfen. Wichtig ist auch, zu checken, was genau in der monatlichen Grundgebühr enthalten ist, und ob unter Umständen hohe Zusatzkosten, zum Beispiel für zusätzliche Telefonminuten oder Datenvolumen, anfallen.

Autokauf

Die Finanzierung des ersten eigenen Autos sollte sorgfältig durchdacht werden. Wer nicht das Glück hat und vom Großvater einen Wagen geschenkt bekommt, für den gilt es einiges zu kalkulieren. Soll es ein Gebraucht- oder Neuwagen sein? Kann ich das Auto direkt oder in Raten zahlen?. Auch hier gilt in Abwägung zu den sonstigen monatlich anfallenden Kosten die Frage: Kann ich mir eine solche Finanzierung leisten? Zum Kaufpreis kommen bei einem Auto außerdem Kosten für Steuer und Versicherung, Spritgeld sowie gelegentlich anfallenden Reparatur- und Wartungskosten.

Mehr Infos gefällig? Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. hat vor kurzem ein umfangreiches eBook zum Thema “Jung, dynamisch und verschuldet” veröffentlicht, das ihr hier lesen und downloaden könnt.

Natürlich kostenfrei.

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