18.12.2017

Exklusiv

Kinotipp: Zeit für Stille

Ein Film zum ruhig werde

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Von Marie Eickhoff
Im Kino mehrere Sekunden auf das gleiche Bild einer grünen Wiese zu gucken – das muss man erstmal aushalten. Aber im Film „Zeit für Stille“ gibt es keine wilden Kameraschwenks. Manchmal gibt es noch nicht mal Ton. Nur Bild, keinen Ton. Dokumentarfilmer Patrick Shen erklärt Stille, indem er sie für sich sprechen lässt. Sein Film zwingt die Zuschauer, ruhig zu werden.
Der Schritt muss wohl überlegt sein

»Lärm ist nicht menschlich«

„We think all this noise and artifices are human. But it’s not.“ Lärm ist nicht menschlich. Das sagt eine der Protagonistinnen, die Shen für seinen Film getroffen hat. Zwei Jahre lang ist er durch die Welt gereist und hat Menschen besucht, die sich mit Stille beschäftigen. Zum Beispiel Zen-Mönche, Wissenschaftler, Autoren oder einen Mann, der schweigend durch die USA wandert. Vor jedem Interview hat er mit seinen Gesprächspartnern erst eine Schweigeminute gemacht. Es ist spannend zu sehen, wie sie sich verhalten, wenn sie still sind. Die meisten gucken nach unten, wirken entspannt und so als würden sie träumen. Was sie dann über Stille sagen, ist sehr inspirierend. Es sind ernsthafte Gedanken über etwas, was niemand vollkommen greifen kann. Der Film beschreibt Stille aus verschiedenen Blickwinkeln, aber hat nicht den Anspruch sie wirklich zu erklären.

Still sitzen und spüren.

Das Gegenteil von Lärm?

Ist Stille einfach das Gegenteil von Lärm? „Silence is a sound“, sagt ein Sound-Designer im Film. Er hält Stille für ein Geräusch mit vielen Qualitäten. Eine dieser Qualitäten ist im Film zu spüren. Wer sich auf die Dokumentation von Patrick Shen einlassen kann, wird nämlich spüren, wie besonders seine unaufgeregten Bilder in Stille wirken. Der Film ist eine Probe. Nur wer sich Zeit für Stille nimmt, versteht den Film. Eine gute Adventsprobe.

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