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23.07.2021

Miteinander

Auszeit vom Alltag

Schabbat beziehungsweise Sonntag

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von Tobias Schulte

Lange schlafen, faulenzen, zu einem netten Spaziergang aufbrechen. Wer mag freie Tage nicht? Sie sind ein toller Ausgleich zu den vorherigen Werktagen und zum Alltag. Oft genug ist der Alltag grau, es gibt viel zu tun und so freuen sich Viele auf das Wochenende, um dem zu entfliehen. Das Schöne ist: Ruhetage sind religiös vorgegeben.

Im Islam ist der Freitag ein Ruhetag, im Judentum der Samstag, der dort Schabbat genannt wird und im Christentum der Sonntag. Es scheint so, als ob den Religionen und damit vielleicht auch Gott klar ist, dass Menschen diese Ruhetage brauchen.

Was ist genau die religiöse Begründung für diese Ruhe und Auszeit vom Alltag? Die Wurzel des christlichen und jüdischen Feiertags liegt im biblischen Buch der Genesis, genauer gesagt im ersten Schöpfungsbericht. In Genesis 2,2 bis 2,3 wird davon berichtet, dass Gott am siebten Tag ruhte und er deswegen, quasi als Abschluss, diesen Tag auch segnete und ihn für heilig erklärte.

Absolute Ruhe

Spannend ist, wie umfassend der Schabbat im Judentum verstanden wird. Im orthodoxen Judentum darf kein Licht angemacht werden, außerhalb der eigenen Stadt darf man nur 1000 Schritte gehen und es darf nicht gekocht werden. Die Liste kann noch viel weiter gesponnen werden.

Deswegen sind aber auch einige Hilfsmittel entstanden: Zeitschaltuhren werden benutzt, um das Licht am Schabbat an- oder auszuschalten. Herde haben spezielle „Schabbat“-Modi, bei denen das Essen einen Tag lang warm gehalten werden kann. Es gibt jedoch auch viele liberale Juden, die sich nicht so strikt an diese Regeln halten.

Egal ob strenge oder lasche Regeln: Der Schabbat gilt für wirklich alle. „Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren.“ So steht es in Exodus 20,10. Dieser Text ist bemerkenswert, denn er umfasst alle damaligen Gesellschaftsschichten: Gläubige, Sklaven und Fremde.

Relative Ruhe

Auch im Christentum ist es wichtig, dass am Sonntag nicht gearbeitet wird. Im Evangelium steht, dass Jesus Christus nach einem Schabbat auferstanden ist, sodass sich im Christentum der Sonntag als Ruhetag durchgesetzt hat.

Strikte Regeln für den Sonntag gibt es nicht. Wer will, mag kochen und Klausuren vorbereiten. Das Christentum argumentiert hier nach dem Jesus-Wort „Der Schabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Schabbat“ (Mk 2,27).

Poster

Freiheit

Worin sich Christentum und Judentum einig sind: Der Mensch soll einen Tag haben, an dem er von der täglichen Arbeit befreit ist.

Im orthodoxen Judentum ist dies recht streng ausgelebt, aber das bietet die Möglichkeit, wirklich frei zu sein und nichts tun zu müssen. Christlich gesehen liegt die Freiheit eher darin, das zu tun, was man möchte. Viele brauchen den Sonntag, um endlich mal Ruhe haben zu können, wichtige Dinge zu erledigen. Andere brauchen den Sonntag, um sich mal richtig auszupowern, Mountainbike zu fahren oder zu wandern.

Ruhetage als Orte des Glaubens

An einem Tag, an dem man nicht arbeiten muss, sogar gar nicht arbeiten darf, kann man natürlich schöne Dinge tun. Man kann die Zeit aber eben auch nutzen, um sich wieder mit Gott und seinem Glauben zu beschäftigen. Wie Elija, dem Gott im leichten Säuseln des Windes begegnet (1 Kön 19,12), kann man an einem ruhigen Sonntag auch gut in sich hineinhören. Man kann das natürlich auch gut verbinden. Beim Wandern in den Bergen oder im Wald kann man gut abschalten, aber auch seine eigene Beziehung zu Gott reflektieren und beten. Eigentlich ziemlich genial von Gott, das zu kombinieren. Er weiß, dass das Leben nicht einfach ist und man werktags viel zu tun hat. Da kann auch das Gottgedenken zu kurz kommen. Also, ein Ruhetag, an dem man eine Auszeit vom Alltag genießen kann und gleichzeitig dadurch die Chance bekommt, seinen Glauben zu auszuleben.

Rituale

Ein wichtiger Punkt darf aber natürlich nicht fehlen. Trotz der absoluten Ruhe ist der Ruhetag auch stets der wichtigste Gottesdienst-Tag der Woche. Die jüdische Schabbat-Liturgie beginnt freitagabends mit einer Andacht, der Hauptgottesdienst wird samstagmorgens gefeiert. Dabei wird der neue Wochenabschnitt rezitiert. Ähnlich wie im Christentum, bei dem die biblischen Texte in einer festgelegten Reihenfolge in den Gottesdiensten vorgelesen werden, kennt auch das Judentum eine solche Reihenfolge. Im Judentum wird der Schabbat außerdem in der Familie gefeiert, es wird gemeinsam gegessen und gebetet, sodass dadurch die Bindung in der Familie gestärkt wird.

Im Christentum ist der Sonntag wegen Christi Auferstehung wichtig. Sonntags wird die Auferstehung Christi gefeiert. Deswegen findet hier mit dem Sonntagsgottesdienst der wichtigste Gottesdienst der Woche statt.

Brötchen

Ausnahmen

Natürlich gibt es aber auch Ausnahmen bei Ruhetagen. Das Judentum ist wie beschrieben recht strikt, um eine wirkliche Ruhe zu garantieren. Das heißt aber nicht, dass bei Gefahr im Verzug nicht trotzdem gearbeitet werden soll. Ärztinnen und Ärzte haben weiter Dienst, ebenso andere wichtige Berufszweige. Und sollte zum Beispiel ein Mensch in einem Fluss zu ertrinken drohen, ist auch der Schutz des Lebens wichtiger als das Schabbatgebot.

Ähnlich sieht es natürlich im Christentum aus. Auch dort ist der Schutz des Lebens allem übergeordnet. Und nach dem genannten Jesus-Spruch „Der Schabbat ist für den Menschen da“ ist es natürlich auch völlig in Ordnung, am Sonntag für Klausuren und Hausarbeiten zu lernen. Hauptsache, man gönnt sich davor oder danach ordentlich Ruhe.

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