War neun Monate lang in der Jüngerschaftsschule der Home Mission Base in Salzburg zuhause: Micha Jonas.
War neun Monate lang in der Jüngerschaftsschule der Home Mission Base in Salzburg zuhause: Micha Jonas.
27.07.2019

Perspektive

"Ein Jünger hat ein belehrbares Herz"

Micha Jonas aus Bad Wünnenberg hat nach dem Abitur die Jüngerschaftsschule der Home Misson Base in Salzburg besucht. Dort hat er Gott und sich selbst kennengelernt.

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von Tobias Schulte

Es gibt diesen einen Moment, ohne den sich die Geschichte von Micha Jonas nicht erzählen lässt. Er ist damals 15, wohnt bei seinen Eltern in Bad Wünnenberg und besucht das Jugendwochenende "StartUp West" der charismatischen Erneuerung in Bielefeld. Es wird eine Messe gefeiert, anschließend der Herr zur Anbetung ausgesetzt. Es besteht eine Beichtmöglichkeit. Micha hat sich fest vorgenommen, zu beichten, doch gleichzeitig Angst davor, „auszupacken“, wie er erzählt: "Was soll der Priester denken, wenn ich ihm das sage?" Und dann ist da auch noch der Sitznachbar, der bei beliebten Worship-Liedern „total laut und schief mitsingt“, wie Micha es beschreibt. „Da war der Abend gefühlt gelaufen“, sagt der 19-Jährige. „Aber ich dachte innerlich: Die Wochenenden sind immer so cool – das soll so nicht vorbeigehen.“

Dann – Micha kann es nicht mehr genau rekonstruieren - überkommt ihn ein Gefühl, dass er so noch nie erlebt hat. „Ich hatte einen Moment, in dem ich Gottes Gegenwart extrem spüren durfte. Es war eine enorme Freude in mir. Ein innerer Frieden. Ruhe“, so fasst er es in Worte. Jedenfalls sei der schräge Gesang neben ihm dann egal gewesen und auch die Angst vor der Beichte war weg. Im Nachhinein deutet er es so: „Der Heilige Geist hat mich erfüllt. Ich habe gespürt: Gott gibt es wirklich, er ist lebendig, er liebt mich unglaublich.“ Auch, wenn das für Außenstehende schwer nachzuvollziehen ist – Micha Jonas beschreibt diesen Moment so eindrücklich, dass man ihm glauben muss. An diesem Abend habe er endgültig gespürt, dass er mehr davon will, dass er „weiter auf dem Weg des Glaubens gehen“ will.

Die Teilnehmer der Jüngerschaftsschule haben regelmäßig zusammen gebetet und gesungen.
Die Teilnehmer der Jüngerschaftsschule haben regelmäßig zusammen gebetet und gesungen.

Neun Monate lang lernen dürfen

Dieser Weg hat ihn nach dem Abitur im Sommer 2018 nach Salzburg geführt: in die Jüngerschaftsschule der Home Mission Base. Sie gehört zur österreichischen Loretto-Gemeinschaft. 40 Menschen arbeiten in Vollzeit für das Haus. Sie betreuen die Jüngerschaftsschule, bieten Exerzitien für Menschen von außerhalb an, bereiten im Media Haus die Arbeit der Gemeinschaft für die sozialen Netzwerke auf und organisieren die „La Cantina“, in der jeder so viel zahlen darf, wie er kann. Die Home Mission Base ist ein altes Studentenwohnheim, das die Gemeinschaft übernommen und saniert hat. Die Räume sind hell, in den Schulungszimmern hängen große Flachbildschirme. "Das Haus ist sehr modern und schön gestaltet", sagt Micha Jonas. "Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt."

Für sein Doppelzimmer, die Verpflegung und das neunmonatige Programm hat er 600 Euro im Monat gezahlt. "Die 5400 Euro hatte ich aber schnell zusammen", sagt Micha. Vor der Jüngerschaftsschule hat er sechs Wochen gearbeitet, zusätzlich haben ihn die Heimatgemeinde, Weihbischof Matthias König und seine Familie unterstützt. Die 25 Teilnehmer der Jüngerschaftsschule leben eng beieinander. Micha beschreibt: „Es ist wie eine Familie, was gleichzeitig auch herausfordernd ist, weil es auch Streitigkeiten gibt.“

Wenn man zum Ende der neun Monate in Österreich mit ihm spricht, wirkt er ruhig, zuvorkommend, klar in seinen Gedanken. Gefestigt. Und es fällt noch etwas auf, nämlich das Vokabular, wenn er über seinen Glaubensleben spricht. Er redet davon, im Glauben zu gehen. Gott zu kennen. Dass er etwas über und für den Glauben lernen durfte. Immer wieder benutzt er das Hilfsverb „dürfen“, also wolle er signalisieren, dass etwas nicht sein Verdienst ist.

Lernen über Gott und sich selbst - Micha Jonas im Schulungsraum der Home Mission Base.
Gemeinschaft: Die Teilnehmer der Jüngerschaftsschule sitzen an einem langen Tisch.
Ein lauer Sommerabend auf der Dachterasse der Home Mission Base.

Sammeln, Lehren, Senden

Die Jüngerschaftsschule, in der Micha von Oktober 2018 bis Juli 2019 gewohnt hat, ist in drei große Blöcke aufgebaut: Sammeln, Lehren, Senden. Grob gesagt, geht es um die Fragen: Wer bin ich? Was bedeutet es, ein Kind Gottes zu sein? Was ist Gottes Berufung für mich? Wie kann ich diese Berufung leben? Micha Jonas berichtet über viele theologische und persönliche Fragen, vor die er gestellt wurde, doch am eindrücklichsten ist es, einen Moment im Workshop „Identität und Selbstannahme“ herauszugreifen.

Micha erzählt es so: „Wir sind ins Gebet gegangen und haben in Kleingruppen die Dinge ausgesprochen, bei denen wir uns in unserer Identität verletzt fühlen. Bei mir war es eine starke Ablehnung gegen mein Aussehen. Ich dachte: Ich sehe nicht gut aus. Dazu haben sich Leute in der Vergangenheit über mein Aussehen lustig gemacht, wodurch ich verletzt wurde. Da durfte ich jetzt verinnerlichen: Gott hat mich so geschaffen, wie ich bin. Er meint es gut so. Er hat keinen Fehler gemacht.“

»Jünger suchen Gott, sie sind offen für das, was er für sie bereithält.«

Micha Jonas

Wenn Micha Jonas über sich, die Kirche und Gott spricht, kommt eine ehrliche, nicht aufdringliche, Begeisterung rüber. Er wirkt nicht wie einer, der in der Kneipe eine ganze Tischrunde unterhalten könnte – aber wenn man ihn nach seinen persönlichen Erfahrungen fragt, spricht er minutenlang, ohne, dass Nachfragen nötig wären. Wie blickt er auf die Herausforderungen, vor denen die Kirche heute steht? „Vielleicht ist die Heilige Messe so etwas tiefes, manchmal schwer verständliches, dass sie junge Menschen nur noch wenig anspricht und es deshalb zusätzliche Formen braucht", antwortet er. Dann erzählt Micha, wie er selbst den „Schatz, den wir in den Sakramenten haben“ erst schätzen konnte, nachdem er durch freies Gebet und Lobpreis eine persönliche Gottesbeziehung aufgebaut hatte. Daher brauche es Orte, an denen man mit anderen Menschen zusammenkomme. An denen der Glaube lebendig erfahrbar werde. An denen Glaubensfragen aufgearbeitet würden. An denen man lernen dürfe. Orte, wie das YOUNG MISSION Wochenende in Hardehausen, die brauche es noch mehr.

Wie geht es weiter?

Das Jugendhaus Hardehausen kann er bald tatsächlich wieder öfter besuchen. Ab Oktober dieses Jahres wird Micha Jonas Physik studieren – in Münster oder Paderborn. Er sagt: „Ich habe das Gefühl, dass Gott mich nach NRW ruft.“ Wenn der 19-Jährige die Wahl des Studienfachs begründet, spricht er nicht zuerst darüber, wie ihn Gravitation, Quantenphysik und Thermodynamik begeistern. Er sagt: „Ich glaube, dass die Universität, und speziell eine naturwissenschaftliche Fakultät, ein Ort ist, wo viele Menschen Gott nicht kennen. Dann ist es gut, dass ich da sein darf, durch mein Leben Menschen zeigen kann, dass der Glaube eine unglaubliche Freude ist.“ Außerdem sei es vorteilhaft, nahe bei den Eltern, die einen unterstützen können, zu sein.

Zum Ende der Jüngerschaftsschule, bleibt die Frage an Micha Jonas: Was zeichnet denn einen Jünger aus? „Ein Jünger“, sagt er, „hat ein belehrbares Herz.“ Die Jünger in der Bibel seien keine großen Leute gewesen – aber sie hätten sich von Jesus lehren lassen, was gut ist. „Jünger suchen Gott, sie sind offen für das, was er für sie bereithält.“

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