Wegweiser für den Franziskusweg
13.12.2022

Body & Soul

Pilgern auf den Spuren des heiligen Franziskus

Der Franziskusweg in Werl

von Theresa Oesselke

Oft bin ich davon fasziniert, was Menschen hinterlassen können: Musik, Literatur, Kunst, die uns noch Hunderte Jahre später beschäftigt. Ein solcher Text ist auch der Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi – ein Gebet, das er im 13. Jahrhundert geschrieben hat, um Gott für die Schöpfung zu danken. Und das wir heute noch in Kirchenliedern und Kunstwerken finden.

So auch in Werl. Dort gibt es einen Pilgerweg, der sich mit dem heiligen Franziskus und seinem Sonnengesang beschäftigt: der Franziskusweg. Was hat es mit diesem Pilgerweg auf sich? Wer war überhaupt der heilige Franziskus? Warum hat sein Sonnengesang heute noch eine Bedeutung? Ich mache mich auf nach Werl und begebe mich auf die Spuren des Heiligen.

Mein Weg führt mich zuerst in das Pilgerbüro in der Werler Fußgängerzone. Denn ich gehe den Franziskusweg nicht allein. Das ist gut, denn oft kommen wir im Gespräch mit anderen Menschen einer Sache richtig nah. Heute begleitet mich Ursula Altehenger. Sie ist Gemeindereferentin und arbeitet als Wallfahrtsseelsorgerin bei der Marienwallfahrt in Werl. Zusammen mit dem Wallfahrtsleiter Dr. Gerhard Best hat sie den Franziskusweg entwickelt.

Ursula Altehenger

Pilgerweg als Abschiedsgeschenk für die Franziskaner

Der Franziskusweg war ein Geschenk für die Franziskaner. Ordensmänner, die über 170 Jahre die Wallfahrt in Werl betreut haben. 2019 sind sie gegangen. Die Betreuung der Wallfahrt hat dann ein Team mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern übernommen. Dazu gehört auch Ursula Altehenger. Als das neue Team die Verabschiedung der Franziskaner geplant hat, kam auch die Frage nach einem Geschenk auf: etwas, das die Franziskaner in Werl präsent hält. Der Franziskusweg war geboren.

Um die verschiedenen Stationen zu gestalten, wurden zwei Künstler gewonnen: Otmar Alt und Bert Gerresheim. Das Projekt wurde immer größer. Die Stadt Werl sowie der Heimat- und Geschichtsverein stiegen als Kooperationspartner ein. Von der Planung bis zur Fertigstellung des Weges hat es schließlich vier Jahre gedauert. Am 30. Oktober 2021 wurde der Weg offiziell eröffnet. Der Franziskusweg ist ein Rundweg und hat eine Länge von ca. 2,5 Kilometern.

Von Sonne, Wind, Wasser und Feuer

Das Konzept des Wegs ist ganz einfach: Für jede Strophe des Sonnengesangs gibt es eine Station. Mich erwarten neun Stationen mit unterschiedlichen Kunstwerken.

Die erste Station führt uns ins Pilgerkloster neben der Wallfahrtsbasilika. Hier gibt es ein altes Fenster, das den heiligen Franziskus und die Symbole des Sonnengesanges darstellt. Wie an jeder Station finde ich eine Infotafel. In der Mitte greift sie den Sonnengesang auf. Links gibt es Informationen zum Ort der Station und rechts Impulse zum Klimaschutz.
Ursula Altehenger erklärt mir: „Es war uns ein Anliegen, dass der Weg nicht nur etwas zum Anschauen ist, sondern dass man sich nochmal mit dem Thema des Klimaschutzes auseinandersetzt. Wie erleben wir eigentlich Natur und was müssen wir tun, um die Schöpfung zu bewahren?“

Wir gehen über den Marktplatz zur zweiten Station: Sonne. „Gelobt seist du, mein Herr mit all deinen Geschöpfen, besonders durch Schwester Sonne, sie ist der Tag und durch sie leuchtest du uns.“ So betete Franziskus damals. An dieser Station finde ich auf der Infotafel – wie an allen nachfolgenden Stationen auch – eine Frage. Sie regt die Pilgerinnen und Pilger dazu an, über die Thematik ins Gespräch zu kommen. In diesem Fall: Wie erlebe ich die Sonne?

Die nächsten Stationen im Kurpark machen besonders darauf aufmerksam, dass es oft zwei Seiten gibt: Der Wind hat eine Kraft, die Windräder in Strom umwandeln können. Gleichzeitig können Stürme Menschen in Gefahr bringen. Feuer kann uns wärmen und es kann verwüsten. Die Station zum Wasser erinnert daran, dass Wasser eine der wichtigsten Ressourcen auf unserer Erde ist. Und es erinnert uns an die eigene Taufe.

Heilung und Nächstenliebe

Am Elisabethheim – dem ehemaligen Krankenhaus von Werl – steht die achte Station. Hier geht es um das große Anliegen des heiligen Franziskus: da sein, sich berühren, zusammen aushalten, nicht alleine sein in Krankheit und Leid. Gedanken, die aktueller nicht sein könnten. Sofort denke ich an die vergangenen zwei Jahre zurück. An Bilder aus den Nachrichten: Menschen auf Intensivstationen, die in Krankheit und Leid alleine waren. Und oft sogar alleine sterben mussten.

Der Künstler dieser Station hat den heiligen Franziskus mit einer Maske dargestellt. Sie verweist darauf, dass Nächstenliebe auch bedeuten kann: durch Abstand besonders die alten und kranken Menschen schützen.

8. Station: Heilung und Nächstenliebe

„Schwester Tod“

Schließlich sind wir wieder am Pilgerbüro neben der Wallfahrtsbasilika angekommen. Im Hof neben der Kirche findet sich die letzte Station: der Tod. Franziskus hat damals gebetet: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.“ Ein Satz, der mir die Realität des menschlichen Lebens radikal vor Augen führt.
Der Künstler Bert Gerresheim hat den Tod mit der Figur einer Frau dargestellt. Sie sieht klein und bedürftig aus. Neben ihr steht eine Statue des heiligen Franziskus. Er trägt eine Sonne in der Hand. Ein Zeichen für die Hoffnung auf Auferstehung.

Wir sind am Ende des Rundgangs angekommen. Ich gehe den Pilgerweg in Gedanken nochmal durch.  Bei dieser letzten Station bleibe ich hängen. Sie stimmt mich nachdenklich. Ich überlege, mit welchem Bild ich den Tod darstellen würde. Und vor meinem inneren Auge tauchen Bilder von Personen auf, die schon verstorben sind.

9. Station: "Schwester Tod"

Trost finden bei Maria

Zum Abschluss mache ich noch einen Abstecher in die Wallfahrtsbasilika. Wie täglich viele Pilgerinnen und Pilger, die nach Werl kommen. Beim sogenannten Gnadenbild – eine besondere Figur der Gottesmutter Maria – zünde ich eine Kerze an. In mir klingen die verschiedenen Stationen und der Sonnengesang des heiligen Franziskus nach. Der Pilgerweg hat mich zum Nachdenken gebracht – über Gottes Schöpfung und unseren Umgang damit. Über unser Leben als Menschen auf der Erde und über den Tod. Franziskus beschreibt die verschiedenen Elemente der Schöpfung in seinem Sonnengesang als Geschwister. Das erinnert mich daran, dass wir alle, die wir auf der Erde leben, zu einer Familie gehören und füreinander Sorge tragen.

Die Stationen

1. Station: Pforte Pilgerkloster
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.

2. Station: Marktplatz, Altes Rathaus (Musikschule)
Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, besonders durch Schwester Sonne, sie
ist der Tag und durch sie leuchtest du uns.

3. Station: Forum der Völker
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Mond und die Sterne; am Himmel hast du sie gebildet, klar und kostbar und schön.

4. Station: Kurpark
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du uns Leben gibst.

5. Station: Kurpark
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist sie und demütig und kostbar und keusch.

6. Station: Kapelle „Mutter Gottes in der Not“

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest; und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

7. Station: Schlossruine
Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

8. Station: Elisabethheim (ehem. Krankenhaus)
Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die um deiner Liebe willen verzeihen und Krankheit ertragen und Schmerz.

9. Station: Kreuzwegplatz an der Basilika
Gelobt seist du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.


Weitere Informationen zum Franziskusweg und zusätzliche Angebote für verschiedene Altersgruppen gibt es hier: https://www.franziskusweg-werl.de/


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