Jugendvesper mit roten Pappnasen und Segenswünsche per Handy
19.03.2013

Jugendvesper mit roten Pappnasen und Segenswünsche per Handy

Bergische Jung besucht Jugendvesper in Heggen

„Lachen und Leben“ – unter diesem Motto stand die Jugendvesper in der Jungen Kirche Heggen am vergangenen Samstag. 300 Jugendliche und junge Erwachsene kamen, um einen Gast zu erleben, der sie alle mitreißen konnte: der bekannte „Bergische Jung“ aus dem Kölner Karneval, der Diakon Willibert Pauels.

„Ich bin überwältigt, dass so viele gekommen sind“, begrüßte Alexander Sieler vom Team der Jungen Kirche die Besucher. „Wir haben zwei Stunden vor Beginn des Gottesdienstes noch einige Dinge spontan geändert.“ So wurde kurzfristig aufgrund der großen Zahl an erwarteten Gästen das gesamte Setting aus der kleinen Kapelle in die große Kirche verlegt, samt Deko, Musik- und Lichttechnik. Und das hatte sich gelohnt

Die jungen Besucher konnten den spannenden und nicht zuletzt humorvollen Worten von Willibert Pauels lauschen. Er sprach zu Beginn über seine psychische Krankheit der letzten Monate, in denen er gar nicht zum Scherzen aufgelegt war. „Viele Leute haben mich gefragt: Wie kann denn jemand, der fromm und so lustig ist in Depressionen verfallen? Aber da hilft auch gutes Zureden nicht. Das Höllische an einer Depression ist: Du kannst nicht lachen.“ Erst durch eine intensive Behandlung in einer Klinik mit Therapien und Medikamenten habe er es geschafft, aus dem „Schwarzen“ wieder herauszukommen. Das Lachen nehme dabei eine wichtige Rolle ein, es habe eine „tiefe befreiende Kraft“, sie gehöre zur österlichen Botschaft dazu.

So ließ es sich Diakon Willibert Pauels auch nicht nehmen, den ein oder anderen Witz zu erzählen – natürlich nur mit seiner unverkennbaren roten Pappnase, die in Kombination mit liturgischer Kleidung für einen beeindruckenden Kontrast sorgte. Im Bezug auf die kürzlich stattgefundene Papstwahl erklärte er die verschiedenen Rauchzeichen des Konklaves: „Weißer Rauch steigt auf: neuer Papst gewählt. Schwarzer Rauch steigt auf: noch kein Papst gewählt. Viel weißer Rauch steigt auf: Helmut Schmidt ist in der Nähe. Viel schwarzer Rauch steigt auf: die Sixtinische Kapelle brennt. Laserstrahlen steigen auf: die Kardinäle feiern After-Konklave-Party. Der FC Köln steigt auf: ein Wunder!“ Immer wieder von Gelächter und Beifall unterbrochen hob er auch die Wichtigkeit von Humor innerhalb einer Religion hervor: „Ideologen und Fundamentalisten erkennt man immer daran, dass sie nicht über sich selber lachen können. Die sind immer beleidigt. Und wenn ihr spüren wollt, ob eine Religion gesund ist, dann macht den Test, dann fragt einen Verantwortlichen, ob es Witze über seine Religion gibt und ob er sie auch erzählen kann.“

Mit einem Blick auf die Uhr und einem weiteren Witz schloss er seine Predigt und gestand, er könne noch so viel erzählen und käme gerne für einen Teil 2 und einen Teil 3 erneut zur Jugendvesper nach Heggen.

Die Jugendband „One Way“ umrahmte die Vesper mit modernen christlichen Liedern, die zum Mitsingen und Mitklatschen anregten und zusammen mit der Lichttechnik für eine intensive Gebetsatmosphäre sorgte. Passende Texte, Gebete und eine Meditation zur Verbindung von Leid und Lachen rundeten den Gottesdienst ab.

Zu den Fürbitten überraschte das Vorbereitungsteam erneut. „Es ist schön, wenn es Menschen gibt, die einen anstoßen und wieder zum Lachen bringen, wenn es einem schlecht geht. Noch schöner ist es, wenn man ihnen dies auch sagt“, erklärte Alexander Sieler und forderte die Jugendlichen auf, ihre Handys herauszuholen, um einem Freund oder einer Freundin zu mitzuteilen: ‚Du bringst mich zum Lachen, weil ...’ „Also los, Handys raus!“, hörte man noch einmal deutlicher und alle bekamen Zeit, ein paar Zeilen zu formulieren.

Nach dem herzlich ausgetauschten Friedensgruß formierte sich auf den Stufen des Altarraums ein Chor, der zur Überraschung aller mit ihrem Gospelsong samt Choreographie den Kirchenraum musikalisch füllte und die Menge von ihren Bänken riss. „Wir sind für ein Probenwochenende in der Jugendherberge Heggen gewesen, kamen mit den Jugendlichen kurz vor dem Gottesdienst ins Gespräch und bauten kurzerhand eine Einlage ein“, erklärte Chorleiter Andreas Lenniger vom Gospelchor „Spirit of music“ aus Anröchte.

Der Dank galt zum Schluss allen Beteiligten in Vorbereitung und Durchführung und natürlich dem Gast Willibert Pauels, dem Alexander Sieler sein Versprechen nochmals ins Gedächtnis rief: „Sie haben gesagt, Sie würden für einen zweiten und dritten Teil wiederkommen. Ich nehme Sie beim Wort!“ Zur Erinnerung an die Jugendvesper zum Thema „Lachen und Leben“ gab es für jeden Besucher eine rote Pappnase, die ihn dazu auffordern soll, das Lachen nicht aufzugeben, sich immer wieder vom Lachen anstecken zu lassen und es an andere Menschen weiterzugeben. Die Resonanz war überwältigend. Viele freuen sich schon jetzt auf die nächste Jugendvesper in Heggen am 25. Mai um 17 Uhr. Anna Höffer aus Attendorn brachte es auf den Punkt: „Eine superschöne Vesper. Sie ist echt immer Balsam für die Seele!“ An Auflockerung, Humor und Spontaneität hat es am Samstag jedenfalls nicht gefehlt.