Ein Kirchturm mit dem Kreuz ragt in den Himmel.
Ein Kirchturm mit dem Kreuz ragt in den Himmel.
11.10.2019

Exklusiv

Mehr Gespräche über den Glauben führen

Serie "Meine Kirche" - Laura Joisten aus der KHG Bielefeld darüber, was ihr Glaubensleben ausmacht und warum Kirche mehr begleiten sollte

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von Tobias Schulte

Wie kommen junge Menschen mit Gott in Berührung? Was kann die Kirche ihnen bieten? Diese Fragen beschäftigen uns nicht nur bei YOUPAX, sondern in der ganzen katholischen Kirche. Sie könnten entscheidend sein, damit die Kirche im Erzbistum Paderborn wirklich den Menschen dient. Deshalb fragen wir in der neuen Serie "Meine Kirche" jede Woche neue junge Erwachsene aus (Hochschul-)Gemeinden und Jugendverbänden, was für sie die Kirche der Zukunft ausmacht.

Den Start macht Laura Joisten. Die 25-jährige kommt gebürtig aus der Kleinstadt Leichlingen im Rheinland. Sie studiert Grundschullehramt mit integrierter Sonderpädagogik an der Uni Bielefeld und ist dort im studentischen Leitungsteam der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) aktiv.

»Ich glaube, Kirche muss sich stärker öffnen und zu einer Art Freizeitraum für Jung und Alt werden. «

Laura Joisten
Studentin aus Bielefeld

Laura Joisten
Laura Joisten

Welche Form von Gebet oder Gottesdienst gibt dir persönlich Kraft, Ruhe, ein Stück von Gott?

Für mich müssen es keine großen Festtagsmessen mit einem Übermaß an Weihrauch und Sprechgesang sein. Das ist nicht die Form von Messe, in der ich mich Gott nahe fühle, sondern ganz im Gegenteil, ich empfinde solche Liturgien teilweise eher als befremdlich und nicht mehr zeitgemäß.

Ich finde vielmehr Kraft in kurzen Andachten mit einem hohen Anteil stiller Gebete. Wenn sich an eine alltagsnahe Predigt ausreichend Raum für Stille anschließt, in der jeder für sich über die gehörten Worte nachdenken und unmittelbar auf die eigene ganz persönliche Situation beziehen kann, hat dies in meinen Augen nachhaltigere Wirkung. Außerdem wird der Gottesdienst so zu einer Pause vom teils sehr stressigen und aufgeladenen Alltag, er wird zu einer Oase der Ruhe und der Andacht seinen eigenen Gedanken und Gefühlen in der Gemeinschaft einmal bewusst nachgehen zu können.


Welche Art der Begleitung sollte Kirche ausbauen?

In meinen Augen sollte Kirche Gespräche über den Glauben weiter ausbauen, dabei allerdings eine offene Haltung einnehmen, in dem Sinne, dass die Gestaltung des je persönlichen Lebens nicht bewertet wird. Ich finde, jeder sollte durch diese Gespräche und somit durch ausreichend Hintergrundwissen seinen eigenen und ganz individuellen Weg finden dürfen, seinen Glauben auszuleben. Außerdem erhoffe ich mir durch Glaubensgespräche das notwendige Interesse und die Kompetenz zum interreligiösen Austausch.

Für mich definiert sich Kirche auch sehr stark über Nächstenliebe, die Begegnung mit Menschen, das Miteinander und das soziale Engagement. In Zeiten von Wohnungsnot, Kinder- und Altersarmut würde ich mich sehr freuen, wenn die Kirche zum Beispiel ihr soziales Engagement ausbaut und noch einmal verstärkt Anlaufstelle für Menschen in Notlagen wird. Daran schließt sich auch ein persönliches Anliegen von mir an, das in einer verstärkten Sterbe- und Trauerbegleitung seitens der Kirche besteht. Die Begleitung durch einen Seelsorger würde sicherlich vielen Menschen in solch schwierigen Zeiten helfen. Unabdingbare Voraussetzung sind hierfür allerdings kleinere Gemeinden, die es den Pfarrern ermöglicht, wieder einen persönlicheren Kontakt zu den Gemeindemitgliedern aufzubauen.


Welche Gemeinschaftsformen sollte Kirche ausbauen?

Ich glaube, Kirche muss sich stärker öffnen und zu einer Art Freizeitraum für Jung und Alt werden. Nur wenn sich alle Personengruppen mit ihren generationsspezifischen Anliegen in der Glaubensgemeinschaft willkommen und angesprochen fühlen und ein Austausch zwischen ihnen stattfindet, wird Kirche zum Lebens- und Glaubensort der Vielfalt.

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