Mit rotem Blinklicht flog eine Drohne über dem Altarraum und sendete den Blick von Oben live auf die Leinwand.
Mit rotem Blinklicht flog eine Drohne über dem Altarraum und sendete den Blick von Oben live auf die Leinwand.
03.08.2019

Exklusiv

Was uns hilft, den Himmel zu finden

Beim Tag der Jugend feierten Ministranten, Verbände und junge Erwachsene gemeinsam Libori. Mit Karussellen, Diskussionen und dem fragenden Blick gen Himmel.

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von Tobias Schulte

Einmal durch die Augen Gottes auf die Welt blicken – die Astronauten der Apollo 8 hatten diese Möglichkeit. Vom Weltall aus schauten sie auf unseren Planeten. Was taten sie? Sie lasen aus der Schöpfungsgeschichte: „Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Mit diesem Video begann das Pontifikalamt der Jugend am Freitagabend im Paderborner Dom. Davor wurde eine weitere Szene gezeigt – von Kosmonauten Juri Gagarin. Er berichtete davon, dass – als er im Weltall war – dort Gott nicht fand. Zwei Momente, die zu den Fragen führten: Wo ist der Himmel? Wo finde ich Gott?

Weihbischof Hubert Berenbrinker
Weihbischof Hubert Berenbrinker

»Gott begegnet uns auf vielen Wegen. Elia zum Beispiel offenbarte er sich im Säuseln und in der Stille. Feiert ihr deshalb die Formen, in denen ihr spürt, dass ihr Gott darin am besten erfahren könnt.«

Hubert Berenbrinker
Weihbischof

Fragen, die nicht nur am Freitag als Tag der Jugend des Liborifestes 2019 interessant waren. Die Menschen mit diesen Fragen zu konfrontieren, ist eines der zentralen Anliegen der Kirche. Denn neben allen Diskussionen um Reformen ist entscheidend, die Menschen mit Gott in Berührung zu bringen. „Es ist ein bleibendes Verlangen von uns Menschen, den Himmel zu finden“, sagte deshalb Weihbischof Hubert Berenbrinker während des Pontifikalamts, das er feierte. „Jesus, der vom Himmel herabgekommen ist, kann uns helfen, den Himmel zu finden.“ Er selbst entdecke himmlische Momente, wenn er über die Natur als Gottes Schöpfung staunen könne, sagte er während der Predigt, bei der ihn zwei Jugendliche Fragen stellten.

Die Jugenverbände, Messdiener und Priester zogen gemeinsam in den Paderborner Dom ein.
Die Fahnen der Jugendorganisationen symbolisierten die Vielfalt der Kirche.
Die Jugend hörte Weihbischof Berenbrinker zu, wie er ihre Fragen beantwortete.

Wo uns Gott begegnen kann

Eine dieser Fragen war: „Wo können wir Gott begegnen?“ Berenbrinkers Antwort: „Gott begegnet uns auf vielen Wegen. Elia zum Beispiel offenbarte er sich im Säuseln und in der Stille.“ Deshalb brauche es auch vielfältige Gottesdienstformate, in denen sich die verschiedenen Gruppen wohlfühlten. An die Jugend gerichtet sagte er: „Feiert ihr die Formen, in denen ihr spürt, dass ihr Gott darin am besten erfahren könnt.“ Für diese Vielfalt innerhalb der Kirche standen sinnbildlich die Mitglieder des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DSPG), der Jungschützen, der Katholischen jungen Gemeinde (KJG), der Malteser, von YOUNG MISSION, der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) und weiteren, die während des Pontifikalamts mit ihren Fahnen im Chorraum zusammenstanden.

Und zu dieser vielfältigen Gemeinschaft der Kirche zählen auch die Kinder und Jugendlichen, die Ministranten sind. Hunderte Messdiener feierten früher am Freitag ein Pontifikalamt mit Weihbischof Matthias König. Pfarrer Jörg Klose begleitete 27 Kinder und Jugendliche aus dem Pastoralen Raum Steinheim. Seit Jahren besuchen die Ministranten aus Sandbeck und Vinsebeck im Kreis Höxter die Messe und anschließend der Libori-Kirmes. „Der Tag zeigt ihnen, wie stark die Gemeinschaft der Ministranten in unserer Diözese ist“, sagt Klose.

Er schwärmte davon, wie bei solchen Ausflügen die Gemeinschaft unter den Messdienern gestärkt wird. Deutlich wurde das in vielen kleinen Momenten, zum Beispiel als die Kinder und Jugendlichen nach der Fahrt im Karussell „Superhopser“ sich gegenseitig erzählten, wie sie von den Sitzen abgehoben sind und sich gut festhalten mussten, um nicht auf den Boden zu fliegen – was bei dem Fahrgeschäft den Reiz ausmacht.

Die Messdiener aus Sandbeck und Vinsebeck zogen gemeinsam über die Kirmes.
Die Messdiener aus Sandbeck und Vinsebeck zogen gemeinsam über die Kirmes.

Überzeugung der Messdiener wächst mit dem Alter

„Gemeinsam sind wir stark!“, so stand es auch auf den einheitlichen hellblauen T-Shirts der Ministranten aus Iggenhausen und Grundsteinheim im Kreis Paderborn. Sie berichteten, dass Weihbischof König in der Messe „sehr lustig“ gewesen sei. Und dass sie nach der Fahrt in der Wildwasserbahn klitschnass waren. Wie war der Nervenkitzel? „Gut, musst du selbst mal ausprobieren“, antwortet Jona. Kommt man mit den Messdienern in den verschiedenen Altersstufen ins Gespräch, zeigt sich, wie sie mit der Zeit in ihrer Begeisterung wachsen. Warum bist du Messdiener? Auf diese Frage reagierten die ansonsten quirligen, jüngeren Messdiener meist verlegen. Sie seien Ministrant, da der Dienst „Spaß macht“, oder weil ein Freund oder Geschwisterkind auch schon Messdiener sei.

Alina, 17 Jahre alt, antwortete dagegen, dass sie aus Überzeugung Messdienerin ist. „Aus dem Glauben heraus“, wie sie sagt. Sie erzählte, dass sie Obermessdienerin in ihrer Gemeinde ist und auch schon mit einer Pilgerreise in Lourdes war. Die Gemeinschaft der Messdiener schätzt sie, da man viel gemeinsam bewegen könne. Zusammenhalten müssen sie ebenfalls, schließlich sind die sieben Ministranten der Gemeinden, die mit auf Libori waren, schon fast alle. Insgesamt neun Kinder und Jugendliche engagieren sich in den beiden Orten im Dienst am Altar. In den Sonntagemessen, die abwechselnd in den beiden Ortsteilen gefeiert werden, dienen immer vier Kinder und Jugendliche.

Die Ministranten Hendrik (links), Janluca und Jona aus Iggenhausen und Grundsteinheim genießen den Nervenkitzel der Wildwasserbahn.
Die Ministranten Hendrik (links), Janluca und Jona aus Iggenhausen und Grundsteinheim genießen den Nervenkitzel der Wildwasserbahn.

Es ist ein kleiner Einblick in die Realität der katholischen Kirche. Dazu gehören genauso die zurzeit heiß diskutierten Fragen rund um Macht und Sexualmoral. Diese Themen wurden ebenfalls am Tag der Jugend angesprochen – auf dem Platz der Verbände. Braucht die Kirche ein Update? - diese Frage stellten die Mitglieder des BDKJ. Auf Zetteln konnten die Besucher ihre Meinung äußern. Sie forderten die Kirche dazu auf, auf Augenhöhe mit ihren Mitgliedern zu agieren. Sie mehr partizipieren zu lassen. Oder auch, das Zölibat abzuschaffen. Doch so einfach Forderungen aufgestellt werden können, so komplex ist oft die Realität.

Deshalb diskutierten Nadine Mersch, Vorsitzende des Diözesankomitees und Mitglied des Forums Sexualmoral des synodalen Wegs, Monsignore Michael Bredeck, Leiter der Zentralabteilung Entwicklung des Erzbischöflichen Generalvikariats, und Christina Nieder von der Kolpingjugend über diese Themen. Die Runde zeugte von den teils unterschiedlichen Sichtweisen der Kirchenmitglieder auf diese Fragen – wobei Michael Bredeck betonte, dass es sich bei allen System-Diskussionen auch um pastorale Aspekte handle. So berichtete er davon, wie er bei einer Trauung auf ein homosexuelles Paar zuging und sich mit ihnen unterhielt. Die Männer, die sich bisher von der Kirche nicht akzeptiert fühlten, seien durch dieses Zugehen auf sie tief berührt worden, weil sie sich nicht mehr ausgeschlossen fühlten. Schließlich vertrete die Kirche auch offiziell, dass allen Menschen mit Würde und Respekt begegnet werden müsse.

Diskussion, Heilige Messen und Karussell fahren – der Tag der Jugend zeigte, wie unterschiedlich die Themen und Anforderungen der jungen Menschen sind. Diese Vielfalt wurde besonders in der Jugendmesse deutlich. Im Anschluss an die Predigt stieg eine Drohne im Altarraum auf, die das Bild live auf eine Leinwand im Altarraum übertrug. Die Gottesdienstteilnehmer in den Bänken sahen sich selbst von oben – als einen kleinen Bestandteil der Gemeinschaft der Kirche. Während die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich selbst zuwinkten, kommentierte Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder: „Der Himmel ist in euch. Danke, dass ihr Zeugnis davon ablegt“.

Die Ministranten aus Iggenheim.
Die Ministranten aus Iggenheim.

»Der Himmel ist in euch. Danke, dass ihr Zeugnis davon ablegt.«

Stephan Schröder
Diözesanjugendpfarrer

Anna Hans betrachtet die Aussagen an der BDKJ-Pinnwand.

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