"Ich habe meinem Sohn vertraut."
18.01.2016

"Ich habe meinem Sohn vertraut."

SAINTS4LIFE: Heilige Maria

Von Isabella Henkenjohann

Langsam wird es Zeit. Immer noch nicht umdekoriert. Dabei ist das neue Jahr schon ein paar Tage alt. Der Weihnachtsbaum nadelt. Das Weihnachtsgefühl ist schon längst verflogen. Auch in unserer Krippenlandschaft. Die heiligen drei Könige sind schon wieder auf dem Rückweg und die Hirten hüten ihre Schafe weit hinter der Krippe. Zeit, euch wieder auf den Dachboden zu bringen, denke ich und packe die Figuren nach und nach in die Kiste. Bald ist nur noch die heilige Familie übrig. Ich nehme Maria in die Hand und halte einen Moment inne. Wie es ihr wohl ergangen ist in den Tagen der Geburt? Ich streiche ihr über den blauen Mantel. Er ist ein bisschen eingestaubt zwischen Stroh und Kieselsteinen. Gerade als ich sie in die Kiste legen will, höre ich ein leises: „Schade eigentlich.“ Ich lache leise auf - mal wieder laut gedacht …

„Warum packst Du uns eigentlich immer nur zu Weihnachten aus?“, fragt mich Maria und tippt mir auf die Handfläche. „Weil, nun ja, so eine Krippe stellt man eben nur zu Weihnachten auf.“ Wirklich kreative Antwort, Isabella. Ich schiebe schnell hinterher: „Damit erinnern wir uns an das, was vor 2.000 Jahren geschehen ist, an die Geburt Jesu.“ Wem erzähle ich das eigentlich? Aber Maria nickt. „Ein schöner Brauch eigentlich. Aber trotzdem …“ Sie hält einen Moment inne und überlegt. „Packt ihr uns erst ein, sind wir wieder vergessen. Ihr tauscht eure Geschenke um, freut euch über das Ende der zwanghaften Besinnlichkeit und macht weiter, wie bisher. Dabei geht die Geschichte doch noch weiter“, sagt sie traurig.

SAINTS4LIFE

„Erzählst du sie mir?“, bitte ich sie mit einem aufmunternden Lächeln. „Sie ist nicht neu. Du weißt selbst, dass wir nach der Geburt nach Ägypten fliehen mussten, aus Angst vor Herodes und seiner Ankündigung, alle Säuglinge zu töten. Du kannst erahnen, wie es war, den Sohn Gottes zu erziehen, wie oft ich Angst vor diesem Kind hatte, dass alleine im Tempel saß und mit den Gelehrten sprach, mich an die Verheißungen der Propheten erinnerte und sie tatsächlich eine um die nächste wahr wurden. Ich beneidete andere Mütter so manches Mal um ihre ganz normalen Kinder. Seine Familie waren immer die Anderen. Ich habe lange gebraucht, das zu verstehen …“

Ich nutze ihre Pause, um sie etwas zu fragen, was mich schon lange beschäftigt. „Maria, warum bist du eigentlich heilig?“ Sie schaut mich überrascht an. „Eine schwierige Frage. Andere könnten sie dir besser beantworten. Sicher nicht, weil ich die Mutter Jesu bin.“ Und ergänzt, wohl auch wegen meines mehr als verdutzten Blickes: „Also, nicht nur. Sicher, ich bin die Auserwählte, die Jesus zur Welt bringen sollte. Aber wäre ich dann heilig, was hätte ich denn dann schon getan? Ja, ich hätte ‚Nein’ sagen können. Aber ich glaube viel mehr, dass ich, um in euren Worten zu sprechen, ‚heilig‘ bin, weil ich meinem Sohn vertraut habe und den Weg zum Kreuz mit ihm gegangen bin … Aber da bin ich wirklich nicht die Einzige.“

Sie schmunzelt in sich hinein. „Heilig sein - das geht auch heute noch. Und es ist gar nicht so schwer. Die Feiertage nicht nur Feiertage sein zu lassen, ist ein Anfang. Das sind doch nicht einfach nur Feste im Kirchenjahr. Ostern ist Weihnachten, Pfingsten versteht man nicht ohne den Gründonnerstag und Weihnachten bekommt seine volle Bedeutung doch erst an Ostern. Das ist das Geheimnis seines Lebens …“ Maria rückt ein bisschen näher zur Kiste. Langsam lege ich sie zurück zu den anderen, lege Josef und das Jesuskind zu ihr. Nur den Weihnachtsstern stelle ich auf das Fensterbrett. Als ständige Erinnerung an das Wunder der Heiligen Nacht …

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