Ein Mädchen hält einen leuchtenden Schmetterling in der Hand - ein Wunder?!
Ein Mädchen hält einen leuchtenden Schmetterling in der Hand - ein Wunder?!
01.09.2020

Seelenstärker

Warum Wunder täglich passieren...

...und trotzdem Kopfzerbrechen bereiten

test
von Melina Sieker

Ich bin neugierig, wenn ich jemanden sagen höre: Da ist ein Wunder passiert! Besonders, weil „Wunder“ für mich heißt, dass ich auf Gott zählen kann.

Trotzdem: Ich bin nicht leichtgläubig. Ich kann kritische und irritierte Blicke sehr gut verstehen, wenn im Neuen Testament von wundersamen Brotvermehrungen, Sturmstillungen, Totenerweckungen und einer Wandlung von Wasser in Wein erzählt wird. Jesus hat ständig solche Taten vollbracht. Hat er also gedacht, er muss erst als Zauberer auftreten und eine beeindruckende Show abliefern, damit die Menschen an seine Botschaft glauben?

Jesus heilt einen Blinden - eine Darstellung in der Kirche St. Cäcilia in Paris.

Wunder heute

Nein. Jesus ging es darum, wirkliches Heilshandeln erfahrbar zu machen. Die Menschen der damaligen Zeit hatten ein ganz anderes Wunderverständnis und die Wunder müssen sowohl in den historischen Kontext als auch in ein anderes Weltbild eingeordnet werden.

Trotzdem, wenn ich heute gefragt werde, was für mich wunderbar ist, dann würde ich wohl eher folgendes antworten: Etwas Außergewöhnliches und Besonderes, etwas Ungeahntes und einfach etwas, was ich nicht für möglich gehalten hatte. Auf einmal habe ich doch noch knapp die Prüfung bestanden, meinen Traummann getroffen und die Freundin aus Schulzeiten plötzlich auf der Straße einer anderen Stadt wiedergesehen.

Soweit, so gut. Hier scheint noch alles auf natürliche Weise zuzugehen. Und dann lese ich in den Evangelien von diesen Wundern:
"Blinde sehen und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet" (Mt 11
,4-6). 

Eine überwältigende Hoffnung

Bestimmt fallen dir bei diesen Zeilen direkt zahlreiche Wundererzählungen ein, „Klassiker“, wie die Sturmstillung, ein Geschenkwunder, oder eine Totenerweckung. Einiges davon hat einen historischen Kern, insbesondere die Exorzismen und Krankenheilungen gehen auf den historischen Jesus zurück. Abgesehen vom Wahrheitsgehalt. 

Ich finde, die Wunder Jesu erzählen mir von einer überwältigenden, wunderbaren Hoffnung, dass es ein Ende für seelisches oder körperliches Leiden gibt. Ich persönlich ziehe aus dieser Hoffnung eine große Kraft, die auch mein eigenes Handeln stärkt und bereichert. 

Dass das Thema Wunder diese Woche beim Seelenstärker eine große Rolle spielt, liegt eigentlich auf der Hand. Was stärkt die Seele mehr, als damit rechnen zu können, dass Gott mir begegnet? Hier, mitten im Leben, in meinem Gegenüber und in der Schönheit der Schöpfung! So schlicht und einfach es klingt: Wunder passieren Millionen Mal, jeden Tag. Ich muss sie nur sehen.

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